Stadt schließt Großunterkunft Park Schönfeld

Viel Leerstand: Kasseler Flüchtlingsheime sind nur halbvoll

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Neue Pläne für Flüchtlingsunterkunft: Das Grundstück an der Frankfurter Straße soll für Wohnungen, Büros und einen Hotelbetrieb genutzt werden. 

Die Stadt Kassel schließt ihre größte Flüchtlingsunterkunft: Das Wohnheim Park Schönfeld an der Frankfurter Straße geht zum Jahresende außer Betrieb.

In der Hochphase der Flüchtlingskrise waren im Wohnheim Park Schönfeld bis zu 400 Menschen untergebracht. Aktuell wohnen noch rund 100 Personen in den Räumlichkeiten des ehemaligen Kinderkrankenhauses.

Die Firma Vinber, die die Liegenschaft 2014 gekauft hatte und seit fünf Jahren als Wohnheim betreibt, will nach dem Auszug die Immobilien renovieren und durch Neubauten ergänzen. 

Geplant sei eine Nutzung für Wohnen, Büros, Hotellerie und soziale Einrichtungen, teilte das Kasseler Unternehmen auf Anfrage der HNA mit. Derzeit werde ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt. Details könne man erst im kommenden Jahr nennen.

Leerstand in anderen Flüchtlingsheimen

Auch in anderen Flüchtlingsheimen in der Stadt gibt es viel Leerstand: Nur die Hälfte der gut 2500 verfügbaren Plätze sind nach Zahlen des Sozialamts derzeit belegt. Zum Jahresende werde sich durch die Schließung von Park Schönfeld und mehrerer kleiner Unterkünfte die Platzzahl um 430 verringern, teilte eine Rathaussprecherin mit. Im nächsten Jahr würden mit auslaufenden Betreiberverträgen sukzessive weitere Plätze abgebaut.

Grund für die Schließungen sind die gesunkenen Flüchtlingszahlen. Zuletzt bekam die Stadt im Schnitt 17 Asylbewerber im Monat vom Land zugewiesen. Zum Vergleich: 2016 wurden in Kassel zeitweise mehr als 200 Menschen im Monat aufgenommen. Insgesamt sind derzeit 792 Asylbewerber in der Stadt registriert.

Der Kreis Kassel hat Flüchtlingsunterkünfte an 13 Standorten: Von insgesamt 1270 verfügbaren Plätzen sind aktuell 516 belegt. Zuletzt wurde eines der beiden Wohnheime in Fuldatal-Rothwesten geschlossen. Weitere Schließungen stünden derzeit nicht an, teilte ein Kreissprecher mit. Auslaufende Mietverträge würden aber nicht erneuert.

In der Erstaufnahme des Landes Hessen an der Frankfurter Straße in Niederzwehren, die 600 Plätze bietet, sind momentan 194 Asylbewerber untergebracht. Laut Sozialministerium bleibt der Standort bis auf Weiteres erhalten.

Park Schönfeld: Betreiber haben neue Pläne

Mit dem Jahresende schließt nach fünf Jahren Betrieb die Flüchtlingsunterkunft Park Schönfeld. Im Dezember 2014 war das Wohnheim im Hauruck-Verfahren in Betrieb genommen worden. 

Es war eine Punktlandung, als am 17. Dezember 2014 die ersten Betten im ehemaligen Schwesternwohnheim des Krankenhauses bezogen werden konnten. Für die 30 neuen Flüchtlinge, die an jenem Tag in Kassel ankamen, war in den bestehenden Flüchtlingsheimen kein einziger Platz mehr frei. Ende 2014 waren die Flüchtlingszahlen dramatisch gestiegen – wie wir heute wissen, sollte sich die Situation 2015 noch weiter zuspitzen. 

Wohnheim hat bald ausgedient: Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld.

Unter Hochdruck hatten die Stadt und die Betreiberfirma Vinber daher den neuen Standort Park Schönfeld hergerichtet. Die Kasseler Immobilienfirma Vinber hatte zuvor das 15.500 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Kinderkrankenhauses vom Klinikum Kassel gekauft. 

2015 wurde neben dem Schwesternwohnheim auch das frühere Krankenhausgebäude zum Wohnheim hergerichtet, sodass die Flüchtlingsunterkunft insgesamt 400 Plätze bot. Damit war sie mit Abstand die größte in Kassel.

Lesen Sie auch: Bei einem Brand in der Flüchtlingsunterkunft im Park Schönfeld wurden Anfang des Jahres zwei Menschen verletzt.

Firma betrieb drei große Wohnheime

Die Firma Vinber mit Sitz im Druseltal, die sich auf Neubau, Sanierung und Modernisierung von Immobilien spezialisiert hat, betrieb in der Hochphase der Flüchtlingskrise drei große Wohnheime in Kassel: Ein Haus im Druseltal nahe Neu-Holland, Park Schönfeld sowie die Unterkunft in der früheren Heinrich-Steul-Schule im Forstfeld. 

In dem Haus im Druseltal, das der Firma auch gehört, ist inzwischen das Hotel „Mountain Park“ entstanden. Hinter Vinber steht die Familie Barba aus Kassel, der Firmenname setzt sich aus den Vornamen der Geschäftsführer Vincenzo und Bernardo Barba zusammen. 

„Urbanes Stadtquartier“ geplant

Nach der Schließung des Flüchtlingswohnheims zum Ende des Jahres soll das Areal städtebaulich entwickelt werden, teilte ein Vinber-Sprecher auf Anfrage der HNA mit. Die Liegenschaft solle zu einem „urbanen Stadtquartier“ mit Wohnnutzung, Büros, Hotellerie und sozialen Einrichtungen“ umgewandelt werden. 

Dafür sollten die bestehenden Gebäude renoviert und ergänzend Neubauten errichtet werden. Bei der Entwicklung lege man viel Wert auf die Umweltverträglichkeit, betonte der Firmensprecher. So bleibe der bepflanzte Erdwall auf der Seite des Autobahnzubringers „Am Auestadion“ erhalten. Weiterhin werde man die Frischluftschneise im angrenzenden Park Schönfeld bewahren. Zudem seien Dach- und Fassadenbegrünungen sowie der Erhalt aller „schützenswerten Bäume“ auf dem Gelände geplant. Eine Investitionssumme und weitere Details zu den einzelnen Projekten könne man nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens 2020 nennen. 

Fest stehe bereits, dass das Areal nach dem ersten Leiter des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld „Blumenfeld-Quartier“ Benannt werden solle. Dem seinerzeit angesehenen Kinderarzt Dr. Felix Blumenfeld (1873-1942) wurde aufgrund seines jüdischen Glaubens 1933 von den Nazis ein Berufsverbot ausgesprochen. Stattdessen wurde er gezwungen, auf Schuttplätzen Müll und Schrott zu sammeln. Blumenfeld beging schließlich Suizid. Nach ihm ist bereits eine Straße in Harleshausen benannt.

Hintergrund: 47 Flüchtlingsheime

Derzeit gibt es noch 7 große und 40 kleine Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in der Stadt Kassel. Insgesamt ist in den Heimen Platz für 2516 Bewohner. 1290 Plätze sind derzeit belegt. 

Die Großunterkünfte sind: 

Park Schönfeld, Südstadt (bis 31.12.2019) 

Graf-Haeseler-Kaserne, Niederzwehen 

Bunsenstraße, Nordstadt 

Nordstadtquartier, Fichtner-/Oestmannstraße 

Sandershaus, Bettenhausen 

Platz der Deutschen Einheit, Bettenhausen 

Jägerkaserne, Wehlheiden

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