Immer weniger Auszubildende

Friseur-Branche im Kreis Kassel fehlen Mitarbeiter - das lässt die Preise steigen

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Ihm bereitet der Beruf Freude: Dino Bruno ist Auszubildender im Friseursalon „QVO Care House“ neben dem ICE-Bahnhof. Hier macht er seinen Kunden Edward Bledsoe glücklich.

Immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung zum Friseur. Das hat auch Folgen für die Kunden.

Man glaubt Mehran Poursharifi sofort, dass er Frauen glücklich machen kann. Frauen, sagt der Friseur, „sind wie ungeschliffene Diamanten. Mit dem richtigen Feinschliff strahlen sie. Hinter jeder schönen Frau steht ein guter Friseur.“ Nur gibt es davon immer weniger.

Die Branche findet immer weniger Auszubildende. Im vorigen Jahr sank die Zahl der Azubis um 4,7 Prozent auf 21 000. „Irgendwann wird der Beruf ausgestorben sein“, klagt Poursharifi, der im Fuldataler Ortsteil Ihringshausen das Haarstudio Figaro Mehran betreibt.

Mehran Poursharifi vom Haarstudio Figaro Mehran in Fuldatal.

Dort arbeitet der 47-Jährige mit seiner Frau und drei Mitarbeitern. Gern würde er noch jemanden einstellen, aber seine Suche verlief bislang vergeblich. „Vom Arbeitsamt kommen zwar Vermittlungsvorschläge, aber es meldet sich keiner. Von Tag zu Tag wird es schlimmer“, sagt Poursharifi.

Kunden leiden unter Personalmangel

Das hat auch Folgen für die Kunden. Sie müssen bald mehr bezahlen, warnte gerade Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des deutschen Friseurhandwerks. Weil Betriebe um die wenigen Mitarbeiter werben, steigen die Personalkosten. Das müsse an die Kunden weitergegeben werden. „Die Preise für Friseurdienstleistungen werden voraussichtlich weiter moderat steigen“, sagt Esser.

Erst 2017 verzeichnete die Statistik einen Anstieg um 2,2 Prozent. Frauen lassen sich einen Friseurbesuch demnach im Schnitt 53 Euro kosten, Männer geben lediglich knapp 21 Euro aus. Auch Gülbenden Gürkan erwartet, dass die Preise weiter steigen werden. Sie führt das QVO Care House am ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe. Auf zwei Etagen bieten die sieben Mitarbeiter nicht nur klassische Friseurdienstleistungen an, sondern auch Kosmetik und Wachsenthaarung. „Der Beruf ist nicht attraktiv genug“, sagt Gürkan, in deren Salon drei Auszubildende arbeiten. Eine weitere Stelle ist unbesetzt, weil es keine geeigneten Bewerber gibt.

Ihr Fuldataler Kollege Poursharifi hat festgestellt, dass junge Menschen heute andere Prioritäten setzen: „Bei der Berufswahl gehen sie mehr nach dem Einkommen.“ Laut hessischem Tarifvertrag erhalten ungelernte Kräfte seit August vorigen Jahres 9,34 Euro in der Stunde. Im Monat verdienen Auszubildende demnach im ersten Jahr 500 Euro (ab August 2019: 520 Euro).

Beruf muss attraktiver werden

Das ist immer noch sehr wenig, auf der anderen Seite belasten die Lohnsteigerungen die Betriebe. Dazu kommen Energiekosten für Strom und Wasser sowie die Konkurrenz durch Barber-Shops, in denen meist keine ausgebildeten Friseure arbeiten.

Der Beruf, da sind sich Poursharifi und Gürkan einig, muss für den Nachwuchs attraktiver werden. Wobei: Er ist ja schon attraktiv, wie Alexandra Kaske-Diekmann von der Kreishandwerkerschaft findet. „Friseur ist einer der schönsten Berufe der Welt“, sagt die 53-Jährige. Man sehe sofort das Ergebnis, wenn man anderen dabei hilft, gut auszusehen: „Wir sind Glücklichmacher und Seelentröster.“

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