Die Natur hatte gelitten

Kehrtwende an der Fulda in Kassel: Das Wasser wird wieder angestaut - Motoroller, Räder, Handys und Co. waren aufgetaucht

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Blick von der Hafenbrücke: Über das Walzenwehr wird der Wasserstand reguliert 

Der Wasserspiegel der Fulda im Kasseler Stadtgebiet sollte eigentlich deutlich abgesenkt werden - doch jetzt die Kehrtwende: Die Fulda wird wieder angestaut - der Natur zuliebe.

Update am 04.11.2019 um 13.40 Uhr - Eigentlich sollte das Wasser der Fulda zwischen der Neuen Mühle und dem Walzenwehr auf Höhe der Stadtschleuse bis Mitte dieser Woche abgelassen werden, um die Instandsetzungsarbeiten am Walzenwehr zu erleichtern. 

Doch nach einer Begehung hat sich das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden am Montagmorgen dazu entschieden, den Fluss wieder anzustauen. Grund: Die Natur habe unter dem sinkenden Wasserstand gelitten, vor allem Muschelbänke in dem Fluss, so eine Sprecherin. 

Allerlei Müll und Gegenstände kamen zum Vorschein

Es kamen am Sonntag bereits auch allerlei Müll und andere Gegenstände zum Vorschein, die in der Fulda versenkt worden waren: Zwei Motorroller, mehrere Räder, Verkehrsschilder, Handys und Geldbörsen wurden bis Montag in den Uferbereichen gefunden.

„Mal sehen, was da alles zum Vorschein kommt“: Die Fulda wird abgelassen

Meldung vom 02.11.2019 - Das gab es schon sehr lange nicht mehr. Ab dem Wochenende wird das Wasser der Fulda abgelassen. Zwischen der Neuen Mühle und dem Walzenwehr auf Höhe der Stadtschleuse sinkt der Wasserstand. 

„Mal sehen, was da alles zum Vorschein kommt“, sagt Alexander Lorch der Leiter der Kasseler Station der Wasserschutzpolizei. Von alten Fahrrädern und Einkaufswagen bis zu Tresoren und Autos sei vieles zu erwarten. Möglicherweise stoße man auch auf Spuren von Straftaten.

Das wäre allerdings nur ein Nebeneffekt. Wenn die Fulda ab Mitte kommender Woche nur noch etwa halb so breit ist wie im Moment, soll das die geplanten Arbeiten am Walzenwehr erleichtern. Das wird in den nächsten Tagen immer weiter geöffnet, sodass der Fluss mehr Wasser abgibt als nachfließt. 

Danach stehen Vorarbeiten für eine Modernisierung des Wehrs auf dem Programm. Auch die Fundamente der aktuell stillgelegten Schleuse kann man bei einem niedrigeren Wasserstand besser überprüfen. Geplant ist, dass die Stadt Kassel die Schleuse vom Bund übernimmt.

Schleuse soll 2023 wieder nutzbar sein

Zuvor muss sie aber noch grundlegend saniert werden. Wenn alles wie vorgesehen läuft, dann wird die Schleuse im Jahr 2023 wieder nutzbar sein.

Derzeit liegen das Ausflugsschiff „Hessen“ der Reederei Söllner ebenso wie die „Stadt Kassel“ sowie das Wohn- und Partyschiff in der Mitte der Fulda. Hier werden sie auch in der kommenden Woche noch genügend Wasser unter dem Kiel haben.

Alle Besitzer von Sportbooten wurden bereits Monate im Voraus vom Wasser- und Schiffahrtsamt in Hann. Münden über die geplante Absenkung der Fulda informiert. „Die Saison ist zu Ende, alle Boote, die sonst im Oberwasser der Fulda liegen, wurden schon an Land geholt, sagt Jan Hörmann. 

Der Vorsitzende des Yachtclubs Kassel rechnet nicht damit, dass der Kasseler Hafen viel vom Ablassen der Fulda mitbekommt. „Das geht ziemlich langsam über mehrere Tage, eine Flutwelle wird es nicht geben“, sagt er. 

Am Sonntag, 10. November, soll die Fulda wieder ihren normalen Stand erreicht haben. Bis dahin lohnt sich der Spaziergang am Ufer besonders.

Aktuell hat die Fulda noch einen normalen Wasserstand. Die Söllner-Schiffe wurden aber bereits in der Flussmitte festgemacht.

So funktioniert die Absenkung

Eine Woche lang wird die Fulda sehr viel schmaler sein als wir sie normalerweise kennen. Wie funktioniert das überhaupt? 

Die Badewanne 

Die Fulda zwischen dem Wehr an der Neuen Mühle und dem Walzenwehr in Höhe der Stadtschleuse kann man sich wie eine Badewanne vorstellen. Im Moment ist die noch voll, ab heute Abend wird der Stöpsel für den Ablauf gezogen. Dann lässt das Walzenwehr deutlich mehr Wasser durch als weiter oben nachfließt. 

Das geschieht so langsam, dass der Wasserstand der Fulda pro Stunde nur um wenige Zentimeter sinkt. Es wird Richtung Wahnhausen keine Welle geben. Auch im Kasseler Hafen, der unterhalb des Walzenwehrs liegt, ist keine Flut zu erwarten. 

Der Tiefststand 

Bis Mitte nächster Woche wird sich die Fulda immer mehr zurückziehen. Das kann man sowohl von der Fuldapromenade aus als auch in der Unterneustadt oder am Finkenherd gut beobachten. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Hann. Münden geht es um die die Flusskilometer 76,1 bis 81,3, also um einen Abschnitt von 5,2 Kilometer Länge. Von der Rhön bis zur Weser in Hann. Münden ist die Fulda 220,4 Kilometer lang. 

Auf diesem Archivbild ist die abgesenkte Fulda aus dem Jahr 2002 zu sehen.

Die Arbeiten

Wenn das Wasser der Fulda abgesenkt ist, erleichtert das die Wartungsarbeiten am Walzenwehr. Auch die Fundamente der maroden Stadtschleuse kommen dann zum Vorschein. Mit dem Wehr kann man den Wasserstand der Fulda oberhalb der Schleuse regulieren. Die Schleuse wird gebraucht, damit Schiffe bis zur Schlagd und darüber hinaus fahren können. 

Diese Verbindung ist derzeit unterbrochen. Bis zum Jahr 2023 soll die Schleuse saniert werden. Die Hälfte der Kosten übernimmt der Bund, den Rest teilen sich das Land Hessen und die Stadt Kassel. Die Schleuse geht nach der Sanierung in das Eigentum der Stadt über. Vor 17 Jahren wurde die Fulda zuletzt abgesenkt.

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