Vermieter hat allen Bewohnern wegen Eigenbedarf gekündigt

Nach 30 Jahren sollen sie raus: Gehörlose Mieter wehren sich gegen Kündigung

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Sie wollen nicht ausziehen: Jan Bies und Tochter Zuzanna Biesova in der Wohnung der Eltern. Die Möbel haben sie wegen Umbauarbeiten im Haus abgedeckt. Die Mutter wollte aus Scham nicht auf das Foto.

Nach 30 Jahren wurde einem gehörlosen Ehepaar die Wohnung gekündigt. Das wollen sie nicht hinnehmen. 

Kassel – Das Kasseler Ehepaar Marta und Jan Bies und ihre Tochter Zuzanna Biesova haben viele schlaflose Nächte hinter sich. Nach 30 Jahren wurde den Gehörlosen ihre Wohnung an der Mauerstraße gekündigt. Dies wollen sie aber nicht einfach hinnehmen.

Bereits Anfang des Jahres lag das Schreiben ihres Vermieters im Briefkasten. Mithilfe des Mieterbundes Nordhessen wehren sich die Mieter seitdem gegen die Kündigung. Wegen ihrer Behinderung ist ihnen das gewohnte Umfeld besonders wichtig.

Kassel: Kündigung wegen umfassender Sanierung 

Als das Schreiben des Vermieters, ein Arzt aus Kassel, im Januar im Briefkasten lag, brach für Jan Bies und seine Familie eine Welt zusammen. In dem Brief war zu lesen, dass der Allgemeinmediziner, der das Haus Mitte 2018 gekauft hatte, das Mietverhältnis wegen einer umfassenden Sanierung der Immobilie beenden wollte. Entsprechend hatten alle neun Mietparteien im Haus Kündigungen erhalten. Das Ehepaar (beide 68) und die Tochter (43) wohnen jeweils in einer kleinen separaten Wohnung (60 und 46 Quadratmeter).

Während andere Mietparteien sich eine neue Bleibe suchten, wollte die gehörlose Familie nicht kampflos ausziehen. Mithilfe des Mieterbundes widersprachen sie der Kündigung. „Die Kündigung war unwirksam. Modernisierungen müssen mindestens drei Monate vorher mit detaillierten Angaben zu Ausführung, Kosten und geplanten Mieterhöhungen angekündigt werden. Dies war hier nicht der Fall“, sagt Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes.

„Wir sind hier seit 30 Jahren zu Hause“

Auch das Angebot des Vermieters, der Familie insgesamt 4000 Euro zu zahlen, wenn sie auszieht, lehnten die Mieter ab. „Wir sind hier seit 30 Jahren zu Hause. Wie kann ein Arzt so eine Entscheidung treffen? Er sollte doch wissen, wie schwer es für Gehörlose ist, eine Wohnung zu finden“, übersetzt ein Gehörlosendolmetscher die Worte von Jan Bies.

Nachdem die Kündigung wegen Modernisierung keinen Erfolg hatte, änderte der Vermieter seine Argumentation. Ende März erhielt die Familie ein weiteres anwaltliches Kündigungsschreiben wegen Eigenbedarfs. „Ende 2019 sollen die Eltern mit ihrer Tochter ausziehen. Angeblich wollen die Nichte und die Schwägerin des Vermieters in die beiden Wohnungen einziehen“, sagt Malirsch vom Mieterbund.

Kassel: Kündigung nach 30 Jahren 

Im April wurde schließlich die Heizung abgebaut. Seitdem konnte die Familie nur mit einem Heizlüfter für Wärme sorgen. Teilweise zeigte das Thermometer in den Wohnungen nur 14 Grad, erzählt Jan Bies.

Weil das Ehepaar Bies nur von einer schmalen Rente lebt und die Tochter arbeitssuchend ist, sind sie auf günstigen Wohnraum angewiesen. Sie hoffen, dass der Vermieter doch noch einlenkt und sie bleiben können.

Der Hauseigentümer und Vermieter der Wohnungen hat im HNA-Gespräch gesagt, er wolle die Angelegenheit „nicht eskalieren lassen“. Allerdings hätten sich die Mieter lange Zeit verweigert, wegen der notwendigen Sanierungsarbeiten an der Heizungsanlage die Wohnungen zumindest für einzelne Tage zu verlassen. Er habe dafür Hotelübernachtungen angeboten. 

Nachdem die Mieter das Angebot abgelehnt hätten, für 4000 Euro aus ihren Wohnungen auszuziehen, habe er die Eigenbedarfskündigungen in die Wege geleitet. Bei den vorgesehenen neuen Bewohnern handele es sich um Familienangehörige. „Das sind traumatisierte Familien aus Syrien“, sagt der Arzt.

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Kommentare

Fred FeuerfelzAntwort
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Wer bestreitet was? Niemand bestreitet iwas, hab lediglich auf Ihren Kommentar geantwortet, dass es wohl nicht so das Problem ist, Mitglied beim DMB zu sein, und dass es günstiger ist, als ein Anwalt allgemein. Und Sie fragen wer bestreitet das? Passt ja völlig....

lunaetsolAntwort
(0)(0)

Und was soll dieser sinnfreie Kommentar jetzt aussagen?¿

SchorscheAntwort
(0)(0)

Wer bestreitet das?

Kommentare

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