Fertigung betroffen

Arbeitsplätze bei General Electric bedroht: Scharfe Kritik an geplanter Schließung

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General Electric (GE) plant Schließung - Arbeitsplätze in Kassel sind bedroht.Carsten Willius, GE-Standortleiter

Die Fertigung von General Electric am Standort Kassel in Nordhessen steht offenbar vor einem weitreichenden Umbau. Pläne zur Schließung der Fertigung bedrohen 200 Arbeitsplätze.

  • Generel Electric (GE) plant den Standort in Kassel umzubauen.
  • Die Fertigung an der Lilienthalstraße soll vollständig eingestellt werden.
  • Betroffen von dieser Entscheidung sind hunderte Mitarbeiter.

Kassel - Bei einer Mitarbeiterversammlung von General Electric (GE) am Donnerstagmorgen informierte Standortleiter Carsten Willius die 300-köpfige Belegschaft über Vorschläge zur Umstrukturierung des hiesigen Werks an der Lilienthalstraße. Sie sehen vor, die dortige Fertigun g für Hochspannungstechnik bis Mitte 2021 vollständig einzustellen.

Betroffen davon wären 200 Mitarbeiter. Weitere 100 sind im Vertrieb und Service tätig. Dieser Bereich soll laut Willius’ Vorschlag erhalten und perspektivisch weiter ausgebaut werden.

Kassel GE: Standort will sich auf Alleinstellungsmerkmal konzentrieren

GE produziert in Kassel sogenannte luftisolierte Schaltgeräte. Die Anlagen werden in Hochspannungs-Umspannwerken verwendet, welche die Energie im Netz oder in einem Kraftwerk verteilen. Zum Service zählen Dienstleistungen wie Installation, Inbetriebnahme, Wartung und Reparaturen der Anlagen. Zudem befindet sich das Kunden-Trainingszentrum für Hochspannungsprodukte in Kassel. „Kassel ist im Service-Bereich für luftisolierte Schaltgeräte das globale Kompetenzzentrum für GE. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal wollen wir den Standort fokussieren, um dessen Zukunft zu sichern“, so Willius.

„Wir befinden uns in einem sehr schwierigen Marktumfeld“, erläuterte er die Pläne im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit 2012 sei der Preis für Schaltgeräte um 22 Prozent zurückgegangen. Vor allem die starke Konkurrenz aus Asien sei für den Preisverfall verantwortlich. Der Markt habe sich zu einem reinen Käufermarkt entwickelt. Ausschlaggebend für den Zuschlag sei nicht der lokale Produktionsort, sondern der Preis.

Plant die Schließung des Produktionsbereichs: Am Standort Kassel fertigt General Electric (GE) Grid Solution luftisolierte Schaltgeräte. Ab Mitte 2021 soll die Produktion eingestellt werden. 200 Mitarbeiter wären davon betroffen.

„Unsere Aufgabe ist es, an zukunftsorientierten Lösungen zu arbeiten, die die Profitabilität des Kasseler Werks gewährleisten“, so der Standortleiter. Um das zu erreichen, seien Anfang des Monats die genannten Vorschläge beim Europäischen Betriebsrat eingereicht worden. Parallel dazu hätten auch die Gespräche mit dem örtlichen Betriebsrat begonnen.

Kassel GE: Mitarbeiter reagieren emotional auf Vorschläge von General Electric

„Beide Prozesse laufen unabhängig voneinander ab“, sagte Willius. Vor dem Abschluss beider Beratungen werde es keine Entscheidung geben, betonte er. Über alles, was in den kommenden Wochen und Monaten herauskomme, werde GE transparent informieren.

Die Mitarbeiter hätten am Donnerstag entsprechend emotional auf die Vorschläge reagiert, einen Großteil der Aktivitäten am Kasseler Standort zu beenden. Wie genau der mögliche Stellenabbau umgesetzt werden könnte, sei noch offen, so Willius.

Kassel GE: Verlagerung der Fertigung an andere Standorte

Falls der Vorschlag eins zu eins umgesetzt werde, werde die Fertigung an andere GE-Standorte verlagert. Ein interner Wechsel betroffener Mitarbeiter sei ebenso denkbar wie alle anderen Instrumente auch, zu denen beispielsweise Abfindungen und Altersteilzeitregelungen zählten. Um betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, sei es noch zu früh, sagte Willius. „Wir werden einen möglichen Stellenabbau so sozial verträglich wie möglich gestalten.“

DerGE-Standort in Kassel, der 1948 gegründet wurde, hatte bereits 2017 im Rahmen eines bundesweiten Sparprogramms 51 Stellen abgebaut. Damals gab es laut Willius keine betriebsbedingten Kündigungen.

Kassel GE: Scharfe Kritik an der geplanten Schließung von General Electric

Trotz der schwierigen Situation versichert der Standortleiter, an das Kasseler Werk zu glauben. „Dafür spricht allein schon die Tatsache, dass wir den Service hier weiter ausbauen wollen“, betonte er. 

Betriebsrat und IG Metall üben scharfe Kritik an der geplanten Schließung der Fertigung des Kasseler GE-Standorts. Die Kollegen seien entsetzt und empört, sagte der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Heinicke. 

Der Betriebsratsvorsitzende von General Electric (GE) Grid Solutions Kassel, Benjamin Heinicke.

„Hier sollen Fehlentscheidungen des Managements auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, bevor man sich überhaupt Mühe gegeben hat, vorhandene sinnvolle Produktstrategien umzusetzen“, kritisiert der IG Metall-Bevollmächtigte Oliver Dietzel. Gemeinsam mit dem Betriebsrat werde die Gewerkschaft für die Arbeitsplätze in Kassel kämpfen, kündigte er an. Entlassungen und Betriebsschließungen seien keine Lösung für die wirtschaftliche Situation von GE in Kassel

Kassel GE: Negatives Ergebnis von 2019 als Grund

Das negative Ergebnis des Standorts 2019, das der Arbeitgeber als Grund für die Zerschlagungspläne genannt habe, sei nicht in Kassel zu verantworten, sondern liege hauptsächlich an Managementfehlentscheidungen aus Paris, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Falk Hoinkis. Die betrieblichen Interessenvertreter hätten auf Qualitätsprobleme bei Zulieferteilen von GE Indien frühzeitig und nachhaltig hingewiesen. Gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Beratungsunternehmen Info-Institut habe man verschiedene Szenarien analysiert und dem Produktlinienmanagement präsentiert. Sie hätten Wege für eine langfristige Wirtschaftlichkeit des Standortes Kassel aufgezeigt.

Kassel GE: Aufforderung von SPD-Abgeordneten, Alternativen zu prüfen

„Wir sind sehr enttäuscht, dass das Unternehmen diese konstruktiven Gespräche nicht genutzt hat, sondern stattdessen jetzt auf die Schließung des Produktionsstandorts in Kassel setzt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Heinicke. Dabei sei es langfristig im wirtschaftlichen Sinne von GE, die Produktion in Kassel zu erhalten.

Auch die Kasseler SPD-Abgeordneten Timon Gremmels (Bundestag) und Wolfgang Decker (Landtag) stellen sich an die Seite der Beschäftigten des Kasseler GE-Standorts. „Gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaften fordern wir die Unternehmensleitung auf, die vom Betriebsrat erarbeiteten Alternativen ernsthaft zu prüfen. GE wäre gut beraten, nicht auf die Kompetenz am Standort Kassel zu verzichten“, so Gremmels und Decker.

Weil das Geschäft mit Kraftwerken nicht mehr so läuft, wollte der US-Konzern General Electric (GE), der einen Standort in Kassel hat, schon 2017 tausende Stellen streichen. Auch zu diesem Zeitpunkt reagierte die IG Metall empört.

Video: Auch in Mannheim strich General Electric schon Stellen

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