Nur Postfächer und Packstation noch am alten Ort

Kasseler Hauptpost: Filiale ist in die Fußgängerzone umgezogen

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Neue Anlaufstelle für Post- und Postbankkunden: Von der früheren Hauptpost ist das Postbank-Finanzcenter ins umgebaute Haus Chartier gezogen, in dem sich bis vor zweieinhalb Jahren die Traditionsfirma Betten Kranefuß befand.

Kassel. Post- und Postbankkunden im Kasseler Zentrum müssen sich umorientieren: Den Standort nahe dem Holländischen Platz gibt es seit Montag nicht mehr.

Am Mittwoch wurde die neue Postbank-Filiale in der Unteren Königsstraße 50 eröffnet. 

„Wo ist denn hier die Post?“ Auf der Unteren Königsstraße in Höhe Martinskirche wendete sich am Mittwoch eine ältere Frau hilfesuchend an einen Passanten, der mit den Schultern zuckte. Bei vielen Kasselern muss es sich noch herumsprechen: Die Hauptpost nahe dem Holländischen Platz ist seit Montagmittag fürs Publikum geschlossen. Das Postbank-Finanzcenter, wie es offiziell heißt, ist ins historische Haus Chartier an der Unteren Königsstraße 50 umgezogen und war am Mittwoch erstmals geöffnet.

Seit 9 Uhr reihten sich zahlreiche Kunden in einer zentralen Schlange vor den fünf Postschaltern ein, während andere an Automaten in der Vorhalle ihre Geldgeschäfte erledigten. „Sie kommen zurecht?“ Service-Lotsin Bianca Löwe und weitere Postbank-Kolleginnen standen bereit, um Orientierungshilfe in den neuen Räumen zu geben.

Die sind etwas kleiner als am alten Standort. Dafür sehen sie deutlich mehr nach dem aus, was die Postbank als Hausherrin ist: ein Geldinstitut. Abgegrenzt vom Brief- und Pakettrubel gibt es in einem Seitentrakt mehrere Beratungskabinen, wo finanzielle Dinge besprochen werden können. Mit dem Umzug in die Fußgängerzone wolle die Postbank für ihre Kunden sichtbarer und „erlebbarer“ werden, sagte Marktgebietsleiterin Heidi Mehrhoff.

Sie kennt die Perspektive der Kunden: Der alte, jetzt geschlossene Standort war für fast jeden traditionell „die Post“, in der irgendwie auch einige Geldberater herumliefen. Die Deutsche Post AG aber hat seit 2012 keine eigenen Filialen mehr, sie werden alle als fremdbetriebene Agenturen geführt. Größter Partner dabei ist die Postbank, die ein eigenständiges Unternehmen ist. „Auch die Mitarbeiter im Post-Schalterdienst bei uns sind alles Beschäftigte der Postbank“, erläuterte Mehrhoff.

Mit dem Umzug könnten sich nach ihren Angaben für etliche Postkunden die gewohnten Wege ändern. Denn der Partner Post und dessen Paketsparte DHL nähmen die Verlagerung zum Anlass, die Bereitstellung von abzuholenden Paketen oder Einschreiben anzupassen. „Wir haben hier nicht mehr so große Lagerkapazitäten wie vorher“, sagte Mehrhoff. So könne es sein, dass ein Zusteller, der Kunden nicht daheim antrifft, künftig einen anderen Lagerort in der Nähe des Empfängers auf die Abholkarte schreibt als die Nachfolger-Filiale der gewohnten Hauptpost. „Man sollte künftig einen genauen Blick auf diese Karten werfen“, rät sie.

Da der Paketversand durch Internet-Bestellungen weiter stark zunehme, müsse auch die Zustell-Organisation ständig darauf angepasst werden, sagte Mehrhoff: „Es liegt aber in den Händen der Deutschen Post AG, wie das geregelt wird.“

Die Postbank als Agenturbetreiberin erhoffe sich davon, dass die gefürchteten langen Schlangen vor den Schaltern in der Vorweihnachtszeit geringer werden, wenn sich das Abholen und Einliefern von Paketen künftig anders zwischen den Postagenturen verteilt. Dann sei auch die etwas geringere Fläche kein Problem.

Fragen und Antworten zum Umzug der Postbank- und Postfiliale

Was macht die Post jetzt noch am früheren Standort beim Holländischen Platz?

Dort gibt es nur noch einen Stützpunkt für die Briefträger. Kunden können dort nach wie vor die Postfach-Anlage sowie die Packstation nutzen. An ihr kann man zu jeder Zeit Pakete in Empfang nehmen und auch einliefern.

Welche Angebote in der neuen Filiale kann man auch außerhalb der Öffnungszeiten in Anspruch nehmen?

Im Eingangsbereich gibt es eine geräumige Selbstbedienungszone mit zwei Terminals für Postbank-Überweisungen und Kontoauszugsdruck. Außerdem einen Geldautomaten (ein weiterer ist außen am Gebäude), an denen man auch Prepaid-Handys diverser Mobilfunknetze aufladen kann. Für Postkunden gibt es bislang einen Briefmarkenautomaten. Noch kommen sollen ein Briefkasten sowie eine DHL-Paketbox, in die man rund um die Uhr vorfrankierte Paketsendungen einlegen kann.

Ist ansonsten schon alles fertig in den neuen Räumen?

Kleine Technik-Details fehlen noch und werden kurzfristig nachgerüstet – etwa eine Touchscreen-Wand, an der Kunden einen Wunschtermin mit einem Postbank-Berater vereinbaren können. Ein kleiner Spiel-Touchscreen wird zudem noch in Krabbelhöhe in einer Kinderecke eingebaut.

Wie viele Mitarbeiter hat das Postbank-Finanzcenter?

Fünf Personen sind im Post-Schalterdienst beschäftigt. Für Bankdienstleistungen gibt es vier Kundenberater sowie zwei Spezialisten für Baufinanzierungen und Geldanlagen.

Und wie sind die Öffnungszeiten an der Unteren Königsstraße 50? 

Geöffnet ist montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr.

Hintergrund: Postbank bündelt Kräfte in Kassel

Den Umzug ins frisch umgebaute Haus Chartier nutzt die Postbank für eine regionale Neuorganisation, die Kräfte in Kassel bündelt. Laut Filialgebietsleiter Horst Koch werden Ende September in die 1. Etage des Hauses etwa 20 weitere Postbanker einziehen; vor allem Fachleute für Bau- und Immobilienfinanzierungen. Sie sollen ein zentrales Vertriebszentrum für das hiesige Postbank-Filialgebiet bilden, das laut Koch von Gütersloh bis Bad Hersfeld reicht.

Mit einer Bilanzsumme von 147 Milliarden Euro war die Postbank Ende 2016 die elftgrößte Bank in Deutschland. Sie führt gut 5 Millionen private Girokonten.

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