In der Kasseler Innenstadt

Attacke auf Mischlingspudel: Unangeleinter Hund beißt zu -  seine Halterin verschwindet einfach

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Opfer einer Bissattacke: Mischlingspudel Manfred wurde von einem unangeleinten Vizsla gebissen. Der hatte sich zuvor auf dem Parkplatz des alten Polizeipräsidiums aufgehalten. Halterin Antje Heyn hat deshalb Anzeige erstattet.

Opfer einer Bissattacke:  Mischlingspudel Manfred wurde in der Kasseler Innenstadt von einem unangeleinten Magyar Vizsla gebissen - dessen Halterin machte sich einfach aus dem Staub.

Kassel – Dass ihr Mischlingspudel Manfred am Donnerstagmorgen von einem frei laufenden Magyar Vizsla auf dem Bürgersteig der Weigelstraße gebissen wurde, findet Antje Heyn eigentlich schon schlimm genug.

Richtig wütend macht die 55-jährige Frau aus Kassel allerdings die Tatsache, dass die Halterin des Vizslas bei der Attacke nicht eingegriffen und sie auch noch später verhöhnt habe.

Die Reaktion der Passantin unterscheidet diesen Vorfall sicher von den vielen anderen, die sich täglich auf Kassels Straßen zwischen Hunden und Haltern abspielen.

Besitzerin: Ungarischer Jagdhund ist aggressiv auf Manfred losgegangen

Gegen 9.30 Uhr sei sie mit Manfred, der angeleint gewesen sei, auf dem Bürgersteig in Richtung Königstor unterwegs gewesen. Auf dem Parkplatz des alten Polizeipräsidiums habe sie dann den frei laufenden Vizsla entdeckt, so Heyn. „Der hat uns gesehen und ist im Jagdgalopp auf uns zugerannt. Die Frau hat nach ihm gebrüllt. Neo oder Leo, aber der Rüde hat gar nicht darauf reagiert. Ich wusste sofort, das gibt Stress“, sagt Heyn. Völlig aggressiv sei der ungarische Jagdhund dann auf Manfred losgegangen. Um ihren Hund zu retten, habe sie ihn auf den Arm genommen.

Die Halterin des Vizslas habe weiterhin geschrien, sei aber nicht auf den Bürgersteig gekommen. „Der Vizsla ist stattdessen an mir hochgesprungen. Ich habe die Frau dann angeschrien, sie soll endlich ihren Hund anleinen. Aber die klebte nur hinterm Zaun des Parkplatzes.“

Halterin des Jagdhundes kümmerte sich nicht um die Bissverletzung

Als die Frau dann endlich gekommen wäre, um ihren Rüden die Leine anzulegen, habe sie zu ihr gesagt, dass er Manfred gebissen habe. Daraufhin habe die Frau geantwortet, ihr Hund habe noch nie jemanden gebissen. Ihr Hund würde nur jaulen, weil er hysterisch sei. Dann sei die Frau gegangen.

Halterin ohne schlechtes Gewissen: "Dann ist halt mal ein Tröpfchen Blut geflossen"

Daraufhin habe sie bemerkt, dass ihr Hund voller Blut gewesen sei und Manfred eine Bisswunde in der rechten Seite hatte, sagt Heyn. Deshalb sei sie hinter der Frau hinterhergelaufen. Nachdem sie gebrüllt habe, die Frau solle stehen bleiben, habe die sich in der Friedrich-Engels-Straße umgedreht und sie noch verhöhnt. „Die hat zu mir gesagt: Was wollen Sie denn? Dann ist eben Mal ein Tröpfchen Blut geflossen. Mein Hund ist auch schon mal gebissen worden.“

Manfred musste zum Tierarzt - Sein Frauchen hat Anzeige erstattet

Anschließend sei die Frau mit Hund in einem Haus in der Motzstraße verschwunden. Antje Heyn schnappte sich Manfred und fuhr zum Tierarzt, wo die Bisswunde behandelt wurde. Zudem erstattete sie eine Anzeige.

Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz bestehen in den Fällen, bei denen ein Hund einen anderen Hund beißt, in erster Linie zivilrechtliche Ansprüche des geschädigten Hundehalters. Eine Strafbarkeit des verursachenden Hundeführers scheide bei fahrlässigem Handeln grundsätzlich aus, da fahrlässige begangene Verstöße nach dem Tierschutzgesetz oder nach dem Strafrecht (Tiere sind im Strafrecht „Sachen“) nicht strafbewährt sind. Sollte ein Hundehalter aber vorsätzlich gehandelt haben, also beispielsweise seinen Hund auf ein anderes Tier gehetzt haben, könnte es sich wiederum um eine vorsätzliche und somit strafbare Tat handeln, so Mänz.

Polizei prüft, ob ein strafbares Verhalten vorliegt

Es werde in diesem Fall geprüft, ob ein strafbares Verhalten vorliegen könnte. Unbenommen davon werde die Polizei das Ordnungsamt darüber informieren.

„Wenn jemand so einen Hund hat, dann muss er ihn auch im Griff haben“, meint unterdessen Antje Heyn. Und wenn es schon passiere, dass ein Hund den anderen beiße, dann müsse man als Halter dazu stehen und die Adressen austauschen.

Halterin von Manfred: "Immer wieder Probleme mit frei laufenden Hunden"

Von dem Vorfall abgesehen: Probleme mit frei laufenden Hunden gebe es immer wieder auf dem Parkplatz des alten Polizeipräsidiums, sagt Heyn. Sie habe wiederholt beobachtet, wie Kampfhunde dort unangeleint rumlaufen, die nicht auf ihre Halter reagierten. Hinzu komme, dass sehr viele Hunde dort ihr Geschäft machten, ohne dass die Frauchen oder Herrchen es anschließend beseitigten.

Sollte es eine generelle Anleinpflicht geben?

Ein Dobermann-Mischling verletzte 2018 zweimal hintereinander Grundschulkinder in Süsterfeld-Helleböhn und Harleshausen, ein Schäferhundmischling hat in Waldau einen Terrier totgebissen - solche Vorfälle haben die Diskussion um eine generelle Anleinpflicht angeheizt.

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