Entscheidung fällt am Montag

Gibt es eine Mehrheit für das documenta-Institut am Karlsplatz?

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Blick von der Rathaus-Baustelle: Der Karlsplatz soll in der Stadtverordnetensitzung am Montag als Standort für den Neubau des documenta-Archivs in Kassel beschlossen werden.

Die Entscheidung über den Bau des neuen documenta-Instituts am Karlsplatz fällt am Montag. Der Neubau ist in Kassel hochumstritten. Die Entscheidung wurde mehrmals vertagt. 

  • documenta-Institut soll am Karlsplatz in Kassel gebaut werden
  • Entscheidung im Stadtparlament mehrmals verschoben 
  • Endgültige Entscheidung soll am Montag, 11.05.2020, fallen
  • Das Projekt hat viele Gegner

Kassel – Der Beschluss über den Standort des documenta-Instituts in Kassel platzte im Dezember mitsamt der Koalition aus SPD, Grünen und dem fraktionslosen Andreas Ernst. Der Beschluss Ende März platzte mitsamt der wegen Corona abgesagten Sitzung. Am Montag, 11. Mai, nun wollen die Stadtverordneten entscheiden, dass der Institutsneubau auf dem Karlsplatz errichtet wird. Wie auch immer das ausgeht, es wird eine besondere Sitzung werden, denn Kassels Stadtverordneten tagen wegen Corona im Kongress Palais – also auf Abstand und inklusive Mund-/Nasenschutz.

documenta-Institut am Karlsplatz in Kassel: Darum geht es in dem Projekt 

Über das documenta-Institut in Kassel ist viel diskutiert worden. Oft kam dabei zu kurz, wozu der Neubau eigentlich dienen soll. Es geht um die sichere Lagerung der Materialien des documenta-Archivs. Und darum, diese zu erschließen und zugänglich zu machen. Stichworte: Archiv, Forschung, Vermittlung. Die Stadt spricht vom wichtigsten kulturpolitischen Projekt der letzten Jahrzehnte. Das nur in der documenta-Stadt zu verwirklichende Institut solle außeruniversitäre, internationale und interdisziplinäre Forschungseinrichtung sei. Das Geld für den auf 24 Millionen Euro geschätzten Bau haben Bund, Land und Stadt lange zugesagt.

documenta-Institut am Karlsplatz in Kassel: Welche Standorte in Frage kamen 

17 Standorte sind in Kassel für den documenta-Neubau untersucht worden. Vom erst favorisierten und wegen der Entfernung in die Kritik geratenen Standort Universität/Holländischer Platz wurde Abstand genommen. Seither wird der Karlsplatz favorisiert: wegen der Nähe zu Fridericianum und Co., weil er der Stadt gehört und er nach Bau der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz ohnehin längst hätte umgestaltet werden müssen. Seitdem sind die Parkplätze dort „rückbaupflichtig“.

documenta-Institut am Karlsplatz in Kassel: Das sind die Probleme

Für den Bau auf dem Karlsplatz in Kassel gibt es keinen Entwurf. Dass niemand weiß, wie er aussehen und auf dem Platz wirken wird, war das Manko in allen Diskussionen. Der Realisierungswettbewerb „zur Sicherung der städtebaulichen und architektonischen Qualität“ folgt erst nach dem Standortbeschluss.

Für den Karlsplatz haben sich unter anderem der Magistrat (Stadtbaurat Nolda und Kulturdezernentin Völker) sowie die Vertreter der documenta stark gemacht. Politisch tragen ihn SPD und Grüne mit.

Den Neubau verhindern wollen die Karlsplatz-Anlieger, die weit über 5000 Unterschriften dagegen gesammelt haben. Sie fürchten unter anderem, der Bau werde den Platz und die Sichtachsen zur Karlskirche zerstören, und kritisieren den Wegfall der Parkplätze. CDU, AfD und andere Stadtverordnete lehnen den Standort ebenfalls ab.

documenta-Institut am Karlsplatz in Kassel: Das sind die Erfolgsaussichten

Weil der fraktionslose Ernst den den documenta-Bau am Karlsplatz in Kassel nicht mittragen wollte, scheiterte im Dezember der Beschluss über den Institutsneubau. SPD und Grüne haben allein keine Mehrheit. Nachdem drei Stadtverordnete der Linken sowie die Freie Wählerin Vera Gleuel und Pirat Volker Berkhout angekündigt haben, den Karlsplatz mitzutragen, zeichnet sich aber eine neue Mehrheit ab. 

Wie Linken-Fraktionschef Lutz Getzschmann am Freitag versicherte, bleibe es bei der Zustimmung von ihm sowie von Mirko Düsterdieck und Mark Bienkowski. Die fünf zusätzlichen Stimmen plus die von Rot-Grün wären eine Mehrheit von 40 der 71 Stadtverordneten. Hält sie, könnte der Neubau auf dem Karlsplatz tatsächlich zur beschlossenen Sache werden.

documenta-Institut am Karlsplatz in Kassel: Firmen-Anlieger fürchten um ihre Existenz

Seit Monaten engagieren sich geschäftliche Anlieger rund um den Karlsplatz in Kassel mit Aktionen und Appellen gegen einen Bau des documenta-Instituts an dieser Stelle. Für ihr Anliegen haben sie über 5000 Unterschriften gesammelt. 

Hinter dem stadtgestalterischen Einwand der Bürgerinitiative gegen einen großen Baukörper auf dem Platz stehen konkrete wirtschaftliche Sorgen: Einige fürchten, ihre Firma werde die mehrjährige Bauphase nicht überstehen, wenn Parkmöglichkeiten wegfallen und Laufkundschaft wegbleibt. Andere sehen den Wert ihrer Immobilien und die Aufenthaltsqualität auf dem Platz gefährdet. 

Die Geschäftsleute fordern, für den Institutsneubau einen alternativen Standort zu bestimmen, an dem keine wirtschaftlichen Interessen berührt seien wie am Karlsplatz

Vor der Stadtparlamentssitzung am Montag hat sich Heike Peter, Inhaberin vom Sanitätshaus Brandau, nochmals mit einem persönlichen Brief an Magistrat und Stadtverordnete gewendet. Darin schreibt sie unter anderem: Mit einem Beschluss, das Institut am Karlsplatz zu bauen, würde „eine funktionierende Struktur von dienstleistenden Unternehmen, welche sich über Jahrzehnte entwickelt hat, nachhaltig geschädigt oder zerstört“. Sie habe den Eindruck, dass von den politischen Entscheidungsträgern „die Gefahr des Verlustes von Existenzen mehrheitlich billigend in Kauf genommen“ werde.

documenta-Instut am Karlsplatz in Kassel: Das gibt es noch zum Thema

Bei einer Podiumsdiskussion zum documenta-Institut auf de Karlspatz in Kassel gab es größtenteils Zustimmung der Beteiligten.  

Gegner des documenta-Instituts auf dem Karlsplatz in Kassel starteten eine Unterschriftenaktion. Über 4000 beteiligten sich daran. 

Nun steht die Entscheidung über den Standort des documenta-Instituts in Kassel statt. 

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