Ende der Standort-Debatte

Karlsplatz oder nicht? Stadtverordnete  beschließen über documenta-Institut

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Der Karlsplatz in Kassel. 

Kommt das documenta-Institut auf den Karlsplatz oder nicht? Auf diese Frage werden die Kasseler Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Montag (ab 16 Uhr im Rathaus) eine Antwort geben.

Der Beschluss soll nach dem Willen des Magistrats die monatelange Standortdebatte beenden – ungeachtet der anhaltenden Proteste der Anwohner, die gegen den Institutsneubau auf dem Karlsplatz rund 4000 Unterschriften gesammelt haben.

Für den Karlsplatz spricht sich auch die documenta gGmbH aus. In der Begründung des Magistrats zur Beschlussfassung der Stadtverordneten heißt es: „Mit der Ansiedlung des documenta-Instituts an der Oberen Karlsstraße besteht eine einmalige Chance, Fridericianum, Neue Galerie und die Museen am Weinberg als die wichtigsten Kulturstandorte der Innenstadt inhaltlich und räumlich zu verknüpfen.“

Kassel: Umstrittener Standort für documenta-Institut

Aller Voraussicht nach wird die heutige Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung über den Karlsplatz eine knappe Angelegenheit. Bekanntlich hat die Koalition aus SPD, Grünen und dem fraktionslosen Stadtverordneten Andreas Ernst nur eine Stimme Mehrheit. Im Vorfeld haben sich SPD und Grüne auf Anfrage unserer Zeitung für den Standort Karlsplatz ausgesprochen. CDU, AfD sowie die Fraktion FDP, Freie Wähler und Piraten sind gegen den dortigen Neubau des documenta-Instituts. Die Linke hat kein Problem mit dem Standort, aber mit der Vorgehensweise des Magistrats in dieser Angelegenheit, die sie als „intransparent“ kritisiert hat.

Die Richtung, wohin die Reise gehen soll, hat am Mittwochabend der Ausschuss für Stadtentwicklung vorgegeben. Er empfiehlt mit knapper Mehrheit und den Stimmen von SPD und Grünen den Karlsplatz als Standort. CDU, AfD, Linke und FDP stimmten dagegen. Der CDU-Vorstoß, den Neubau an anderer Stelle im Stadtgebiet zu errichten, fand keine Mehrheit. Vorgesehen ist, dass ein Architektenwettbewerb für den Neubau ausgeschrieben wird.

Kassel: 17 Standorte untersucht worden 

Während noch immer über den Standort diskutiert wird, ist die Finanzierung des Instituts durch Geld von Bund, Land und Stadt Kassel längst in trockenen Tüchern. Schon jetzt aber – also noch ohne jeden Architektenentwurf – erwartet die Stadt wegen der Preissteigerungen in der Baubranche erhebliche Mehrkosten. Der ursprünglich auf 22 Millionen Euro geschätzte Neubau werde wohl eher rund 30 Millionen kosten.

Nach Angaben der Stadt sind für das documenta-Institut 17 Standorte in Kassel untersucht worden. Vier davon wurden als potenziell geeignete Standorte eingeschätzt: der Parkplatz am Holländischen Platz (Uni), der Parkplatz Obere Karlsstraße, der am Ottoneum und der am Staatstheater. Vom erst favorisierten Standort an der Uni wurde nach Kritik – vor allem an der Entfernung zum Friedrichsplatz – Abstand genommen. Seither favorisiert der Magistrat den Karlsplatz.

Mit einer symbolischen Aktion zeigten Gegner einer Bebauung des Karlsplatzes kürzlich, welche Ausmaße der Neubau eines documenta-Instituts haben könnte.

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