Einkaufsgalerie

Königs-Galerie in Kassel: Neuer Manager bringt neues Konzept für Einkaufscenter mit

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Die Königs-Galerie an der Oberen Königsstraße.

Gerhard und Monika Jochinger haben sich aus dem Königs-Galerie-Management zurückgezogen. Der neue Manager will das alte Konzept etwas umkrempeln. 

Kassel - Nachdem die Projektgesellschaft von Gerhard und Monika Jochinger die Einkaufsgalerie bereits Ende 2017 an eine Tochter der Hildesheimer Hanseatic-Gruppe verkauft hatte, haben sich die Erbauer nach einer Übergangszeit nun auch aus dem Galerie-Management zurückgezogen. Mit ihren weiteren Firmen bleiben Jochingers im Gebäude, die neuen Verantwortlichen haben andere Büros im Haus bezogen.

Für die HT Königsgalerie Verwaltungs-GmbH ist das Geschäftsführer Matthias Schneider, der Interessantes zur neuen Eigentümerstruktur des Kasseler Einkaufsmagneten mitteilte: Mit je 50 Prozent beteiligt seien die Hildesheimer Hanseatic-Gruppe sowie der Fleischfabrikant, Milliardär und Schalke 04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit dessen Privatvermögen. „Die Königsblauen“ ist der Kampfname des Revier-Fußballclubs.

Heinz Schäffer managt die Königs-Galerie vor Ort

Hanseatic hat bisher neben Wohnungen und Hotels auch in diverse Einkaufs- und Fachmärkte investiert. Ein Objekt von der Größe der Königs-Galerie sei aber neu, sagte Schneider. Als künftig vor Ort verantwortlichen Manager stellte er Heinz Schäffer vor. 

Der 54-Jährige aus dem Raum Kassel war 24 Jahre für die regionale Handelskette Tegut tätig und hatte zuletzt für die Unternehmensgruppe der Jochingers gearbeitet. Geschäftsführer Schneider von HT: „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, Herrn Schäffer zu gewinnen, um vor Ort eine ständige Verbindung zu unserem neuen Standort zu haben.“

Die neuen Verantwortlichen: Heinz Schäffer (links) ist jetzt Manager der Königs-Galerie, Matthias Schneider ist einer von zwei Geschäftsführern des Betreibers HT Königsgalerie Verwaltungs-GmbH.

Bei den Geschäftsmietern im Haus hat Schäffer sich schon vorgestellt. Im Blickpunkt der gemeinsamen Arbeit wird im Herbst nach seinen Worten ein bedeutsamer Anlass stehen: Das 25-jährige Bestehen der Galerie solle groß gefeiert werden.

Die Königs-Galerie soll künftig verstärkt jüngere Zielgruppen ansprechen

Zu ihren Vorstellungen hoben Schneider und Schäffer hervor, dass die Königs-Galerie mit ihrem Angebot hochwertiger positioniert sei als vergleichbare Einkaufszentren. Dieser Charakter solle auf jeden Fall erhalten werden, zugleich aber wolle man mit der Auswahl künftiger Mieter darauf hinwirken, dass verstärkt auch jüngere Zielgruppen angesprochen werden. Das könne etwa durch bestimmte, trendige Modelabels erreicht werden.

Unter den etwa 50 Laden- und Gastro-Flächen im Haus gibt es aktuell zwei Leerstände im Obergeschoss: ein früherer Telekom-Shop sowie das ehemalige Restaurant „La Vision“ mit Panoramafenstern zum Friedrichsplatz. Da der Standort für eine gastronomische Nutzung nicht einfach sei, so Matthias Schneider, gingen die Überlegungen eher in Richtung anderer Nutzungsformen. 

Für Ende Februar steht in der Königs-Galerie ein Wechsel bevor

Für die darüber liegende frühere Restaurant-Bar „Everest“ gebe es bereits so eine Lösung: In die Räumlichkeiten, die gerade umgebaut werden, wird sich die in der Galerie ansässige Werbeagentur Machbar erweitern.

Für Ende Februar steht ein weiterer Wechsel bevor: Die Einrichtungsdeko-Kette Butlers wird die Königs-Galerie dann verlassen und hat bereits den Räumungsverkauf plakatiert. Schäffer: „Wir sind bereits im Gespräch mit unterschiedlichen Interessenten, um die Fläche schnellstmöglich zu belegen.“ 

Die Königs-Galerie wurde als eines der schönsten Einkaufszentren Europas preisgekrönt

Die Königs-Galerie zwischen Oberer Königsstraße, Neuer Fahrt und Treppenstraße wurde 1995 nach dreijähriger Bauzeit eröffnet und wenig später für ihre Architektur als eine der schönsten Einkaufsgalerien Europas ausgezeichnet. Auf 24 000 Quadratmetern Fläche sind rund 50 Geschäfte und Gastonomen ansässig, außerdem eine Reihe von Arztpraxen und Dienstleistern. Rund ein Drittel der Nutzer sind Mieter der ersten Stunde. Bis zum Verkauf 2017 gehörte die Galerie rund 60 Gesellschaftern eines geschlossenen Immobilienfonds.

Galerie-Gründer bleiben im Gebäude geschäftlich aktiv

Die Königs-Galerie „war das größte Projekt, das wir je gemacht haben“, sagt Gerhard Jochinger – und der 72-Jährige hat schon vieles gemacht, was Kassels Stadtbild nachhaltig geprägt hat. Die Einkaufsgalerie im Herzen der Innenstadt war darunter immer ein Herzensprojekt. Sie jetzt abzugeben, hat laut Gerhard und Monika Jochinger mehrere Gründe.

Clemens Tönnies ist ein Miteigentümer der Königs-Galerie. 

Seit zehn Jahren sind sie mit Begeisterung auch als Hoteliers im Geschäft. Während dort ein Erfolg direkt sichtbar und beeinflussbar sei, habe sich der Einzelhandel in der City über die Jahre als zunehmend schwierig erwiesen. Rund 60 Geschäfte in der Galerie ständig gut vermietet zu halten, das sei „oft schon ein Kraftakt“ gewesen, sagt Gerhard Jochinger.

Gerhard und Monika Jochinger setzen sich nicht zur Ruhe

Als die Galerie 2017 für eine kurze Zeitspanne zu 100 Prozent vermietet war, sei der Verkauf unter guten Bedingungen unter Dach und Fach gekommen. Und „ein wenig mehr Freizeit“ sei auch eine gute Perspektive, ergänzt Monika Jochinger, die sich mit hohem Einsatz ums Marketing und um die Mieter-Angelegenheiten gekümmert hat. Vier Modeläden in der Königs-Galerie – Escada, Lacoste, Triumph und Wolford – hat sie im eigenen Namen betrieben. Das solle bis auf Weiteres auch so bleiben.

„Wir sind ja schließlich noch da“, sagt Gerhard Jochinger. Weiter ihren Geschäftssitz in dem Gebäude behalten werden die Firmen Jochinger Bauconsulting und Projektmanagement, die GJW Wirtschafts- und Finanzberatung, die Schlosshotel Betriebs-GmbH sowie die städtische Parkhausgesellschaft, deren Geschäftsführer Jochinger ist.

Es kann also nicht die Rede davon sein, dass sich die umtriebigen Projektentwickler mit dem Verkauf ihres prominentesten Objekts zur Ruhe setzen würden. Nach wie vor reizt es Gerhard und Monika Jochinger, etwas zu gestalten und zu bewegen.

Sie gehören seit 30 Jahren zu den Mitgestaltern des modernen Kassels

In über 30 Jahren haben Monika und Gerhard Jochinger neben der Königs-Galerie etliche weitere Meilensteine der Stadtentwicklung geschaffen. Rund um den 1991 eröffneten Fernbahnhof Wilhelmshöhe sah Gerhard Jochinger frühzeitig Entwicklungschancen. Unter anderem trieb er angrenzend den Bau des City-Center mit Geschäften und Gastronomie voran. Auf der Seite gegenüber wurde unter Jochingers Regie 1994 das Atrium fertig. 

In der Innenstadt realisierte der Projektentwickler parallel zur Vollendung der Königs-Galerie als Partner der Stadt Kassel die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz.  Ab 2010 entdeckten Monika und Gerhard Jochinger ihr Interesse am Geschäftsfeld Hotellerie: Erst übernahmen und modernisierten sie den Schweizer Hof an der Wilhelmshöher Allee, kurz darauf auch das kriselnde Schlosshotel, das sie zu einer Top-Adresse am Bergpark entwickelt haben.

Von Axel Schwarz

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