Brutaler Angriff: Angespuckt und Rippen gebrochen

Trinker und Drogensüchtige auf Kasseler Königsplatz: Immer mehr Beschwerden

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Auf Streife in der Kasseler Innenstadt: Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf dem Königsplatz. Dort gibt es schon seit einiger Zeit immer wieder Probleme mit Trinkern und Drogensüchtigen. Oftmals belagern sie beispielsweise die öffentliche Bank gegenüber von Starbucks.

Anwohner und Geschäftsleute beschweren sich über massive Belästigungen aus der Trinker- und Drogenszene, die sich dort jeden Tag aufhält. Bei einem Angriff wurden einem Geschäftsmann Rippen gebrochen.

Aktualisiert um 13.57 Uhr - Nach Ende der documenta 14 im September 2017 habe das Problem wieder massiv zugenommen. Es würde nicht nur in die Ecken gepinkelt, Passananten angepöbelt, mit Flaschen geworfen, sondern mittlerweile sogar öffentlich Kokain geschnupft. 

Ein Anwohner berichtet, dass auf dem Königsplatz jeden Morgen ein offener Drogenhandel stattfindet. Man könne Dealer und Kunden, die anstehen, um Drogen zu kaufen, bei den Geschäften beobachten. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien zwar vor Ort, würden aber nichts dagegen unternehmen.

Kontrollen auf Königsplatz in Kassel verstärkt

Ebenso wenig werde das Alkoholverbot auf dem Platz eingehalten. Mitarbeiterinnen eines Geschäfts berichten, dass in den vergangenen Wochen viele Osteuropäer zu der Szene hinzu gestoßen seien. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes versuchten ihr Bestes, aber denen seien ja auch die Hände gebunden, so die Frauen.

Dem Ordnungsamt sei bekannt, dass sich seit geraumer Zeit vermehrt Personen aus der Trinker- und Drogenszene auf dem Königsplatz aufhalten, sagt Stadtsprecher Michael Schwab. Deshalb seien die Kontrollen durch den Kommunalen Vollzugsdienst auf dem Platz angepasst und deutlich intensiviert worden. Zeitweise seien die Ordnungspolizeibeamten dauerhaft vor Ort.

Kein Anstieg von Straftaten auf Königsplatz in Kassel

Es sei nicht neu, dass sich die Szene dort aufhält, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Deshalb gebe es auch regelmäßige Kontrollen. Ein Anstieg von Straftaten sei nicht festzustellen. Mänz bestätigt, dass ein polizeibekannter Junkie am vergangenen Samstag einen Geschäftsmann in dessen Laden angegriffen und verletzt hat. Man ermittele wegen gefährlicher Körperverletzung. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Geschäftsmann angespuckt und Rippen gebrochen

„So viel Gewalt und Hass habe ich noch nicht gesehen“, sagt der 51-jährige Geschäftsmann, der einen Laden am Königsplatz betreibt. Ursprünglich hatte er nichts dagegen, dass er mit Namen und Foto in der Zeitung genannt wird. Nach kurzer Bedenkzeit hat er sich jedoch dagegen entschieden. Und zwar aus Angst. Am frühen Samstagmorgen wurde er nämlich Opfer eines brutalen Angriffs eines Mannes, der zur Drogenszene auf dem Königsplatz gehört. Der Tatverdächtige ist laut Polizeisprecher Matthias Mänz ein 27-jähriger Mann aus Lohfelden (Kreis Kassel), der der Polizei hinreichend bekannt ist. Gegen ihn werde nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, der Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt. Der 27-jährige Mann sei gegen 5.30 Uhr in den Laden gekommen und habe nach Feuer gefragt, erzählt der Geschäftsmann, der sich dort mit einer Mitarbeiterin aufhielt. Nachdem ihm niemand Feuer gegeben hatte, sei er wieder rausgegangen. Nach fünf Minuten kehrte er aber zurück. Der Mann habe dann behauptet, er wolle die Ware, die er bestellt und bezahlt habe, abholen. Daraufhin sagte ihm der Geschäftsmann, er solle gehen. Die Reaktion des jungen Mannes sei gewesen: „Ich ficke deine Mutter, deine Schwester und deine Kinder.“ Zudem sei er von dem Mann ins Gesicht gespuckt worden. „Das war eklig, aber ich wollte keine Konfrontation“, sagt der 51-Jährige. „Dann ist er aber auf mich losgegangen.“ Der Geschäftsmann sagt, dass dabei eine seiner Rippen angebrochen wurde, zudem sei er mit einem Gegenstand im Gesicht verletzt worden. 

„Ich muss die Polizei aber loben. Die war ruckzuck hier“, berichtet das Opfer des brutalen Übergriffs. Drei Beamte seien erforderlich gewesen, um den Mann in Handschellen abführen zu können. Der Geschäftsmann berichtet, dass nach Ende der documenta 14 die Probleme mit der Drogen- und Trinkerszene auf dem Königsplatz zugenommen haben. Randale sei an der Tagesordnung. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass Personen der Szene vor Passanten die Zunge zeigten oder sie beleidigten. Entsprechend würden sich auch die Kunden in den Geschäften beschweren.

Kunden der Santander-Bank am Königsplatz beleidigt und belästigt

Auch Kunden der Filiale der Santander-Bank haben deren Mitarbeiter schon auf die Probleme angesprochen, bestätigt Eva Eisemann, Sprecherin der Bank. Es wird berichtet, dass Junkies und Trinker auf der Treppe zum Eingang der Bank sitzen und Kunden und Mitarbeiter beleidigten. Wie reagiert man darauf? „Wir bitten die Menschen ruhig und höflich, den Platz zu räumen“, sagt Eisemann. Man sei deshalb auch in engem Austausch mit der Stadt und den Behörden. Zum Teil übernachten Frauen und Männer der Szene auch im Vorraum der Bank. Kunden, die hier Geld abheben wollen, werden dadurch abgeschreckt. „Grundsätzlich bedauern wir, dass es Menschen gibt, die hier Obdach suchen müssen“, sagt Eisemann. „Generell möchten wir aber dafür sorgen, dass unsere Kunden unsere Dienstleistungen ungehindert in Anspruch nehmen können.“ Daher prüfe man derzeit, ob der SB-Bereich über Nacht geschlossen wird.“

Ein Paar, das am Königsplatz wohnt, macht sich besonders Gedanken um die Kinder, die hier jeden Tag umsteigen, um zur Schule zu kommen. „Jeden Tag Heroin und Alkohol. Das ist einfach zum Kotzen. Und das, obwohl auf dem gesamten Königsplatz Alkoholverbot herrscht“, sagt der Mann. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien zwar vor Ort, würden aber nichts dagegen unternehmen. Sie freuten sich jetzt richtig auf den

Weihnachtsmarkt in Kassel

, weil sie in dieser Zeit erst einmal Ruhe vor dem offenen Drogenhandel vor der Tür, den Schlägereien und Pöbeleien hätten, sagen die beiden.

Die Gesichter des Kasseler Königsplatzes

Alte Ansicht
Der Königsplatz lockte die Kasseler in die Innenstadt.  © 
#88 Königsplatz, um 1898, historische Ansicht der Stadt Kassel um 1898 Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Selbst im 19. Jahrhundert war der Königsplatz Dreh- und Angelpunkt für die Menschen in Kassel.  © 
#91 Königsplatz, links die Hauptpost 1880, historische Ansicht der Stadt Kassel um 1935/1939, Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Auf dem Königsplatz tummelten sich die Menschen schon in den 30er-Jahren.  © 
#82 Obere Königsstraße, mit Blick auf Königsplatz, historische Ansicht der Stadt Kassel um 1935/1939, Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Eine historische Ansicht auf den Königsplatz in den 30er-Jahren. © 
#92 Königsplatz, Blick Richtung Untere Königsstraße, im Hintergrund die beiden Türme der Martinskirche und der Druselturm, historische Ansicht der Stadt Kassel um 1935/1939, Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Im Hintergrund des Königsplatzes sind die beiden Türme der Martinskirche und der Druselturm zu sehen.  © 
#95 Untere Königstraße, 1898, Blick Richtung Königsplatz, historische Ansicht der Stadt Kassel um 1935/1939, Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Auch auf diesem Bild ist die Untere Königsstraße mit Blick auf den Königsplatz zu sehen.  © 
Scan fuer KsL Koe 10
Der Königsplatz hat schon eine lange Geschichte.  © 
#94 Königsplatz, 1938; historische Ansicht der Stadt Kassel um 1935/1939, Altstadt, Stadtzentrum, Archiv/Foto: Germandi
Hier eine farbige Aufnahme des Königsplatzes in den 30er-Jahren.  © 
Wasser auf dem Königsplatz hat schon damals die Kasseler gefreut.  © 
Freie Fahrt für die automobile Gesellschaft, so lautete das Motto in den 60er-Jahren. Das galt auch für den Königsplatz.
Ein Blick auf den Königsplatz in den 60er-Jahren.  © 
Alte Autos auf dm Königsplatz.  © 
ks kassel
Mittlerweile sieht der Königsplatz wirklich ganz anders aus.  © 
Diesen Anblick gibt es heute auch nicht mehr.  © 
wasserspeier, königsplatz
Die Wasserspeier sorgen für eine Erfrischung im Sommer.  © 
3. internationaler adac herkules-bergpreis für historische fahrzeuge, oldtimer ralley im bergpark in kassel bad wilhelmshöhe, le mans- start in der königsstraße am königsplatz in kassel, fotokoch
Historische Fahrzeuge werden beim internationalen ADAC Herkules-Bergpreis vorgestellt. © 
Obelisk: Der 16 m hohe Obelisk von Künstler Olu Oguibe auf dem Königsplatz am 01.03.2018 mit dem Schriftzug "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt" in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch, Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. Im Hintergrund die Martinskirche, links der City Point, rechts Sport Scheck. documenta vierzehn, documenta 14, Spendenaufruf, Standort, Spenden, Ankauf, Kunst, Skulptur, Kunstwerk, Bibel, Religion, blauer Himmel. Bildmotiv von Pia Malmus. Foto
Der Obelisk ist den meisten Kasselern wohl noch gut im Gedächtnis. Er stand bis vor Kurzem auf dem Königsplatz.  © 
Dritter Markt- und Kulturenfestival in der Kasseler Innenstadt am 29.09.2018, mit Fest der Kulturen und Street Food Festival auf dem Königsplatz und Provence-Markt auf dem Friedrichsplatz.Im Bild: Blick von oben (vom City Point aus) auf den Königsplatz, hinten links das Fest der Kulturen, hinten rechts das Street Food Festival.Kulturen, City, Obelisk von Künstler Olu Oguibe, Straßenbahn, NVV, Straba.Bildmotiv von Pia Malmus. Foto
Auch hier eine aktuelle Ansicht auf den Königsplatz - allerdings noch mit Obelisk.  © 
Kassel. Völlig überraschend hat heute der Abbau des umstrittenen Obelisken auf dem Kasseler Königsplatz begonnen. Vorangegangen war ein monatelanger Streit um den Standort des documenta-Kunstwerks (Documenta 14 in 2018 ) mit dem Künstler Olu Oguibe. Foto: Andreas FischerAndreas Fischer Tiessenstraße 6 34134 Kassel andreasfischerkassel@gmx.de Tel. 01725637017Bankverbindung: Kreissparkasse Schwalm EderIBAN: DE86 5205 2154 1085 3292 80 HELADEF1MEGSteuernummer: 025 817 33702 Finanzamt Kassel
Der Obelisk auf dem Königsplatz wurde letztlich abgebaut.  © 

In der Kasseler Innenstadt kommt es immer wieder zu Körperverletzungen und Vandalismus. Ein Vorfall ereignete sich im Hochsommer 2018: Ein verwirrter und angetrunkener 24-jähriger Mann aus Kassel wurde festgenommen. Bevor er gefasst wurde, würgte der Mann Passanten und schlug Schaufenster ein.

Da der Artikel im Laufe des Tages mit Informationen zu einem Angriff ergänzt wurde, mussten wir die Kommentarfunktion nachträglich schließen. Bei dem Angriff wurde ein Mensch verletzt - Artikel, in denen es um Verletzte geht, lassen wir grundsätzlich aus Rücksicht auf die Opfer und deren Angehörige nicht kommentieren.

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