Polizei rät: „Absprachen geben Kind Sicherheit“

Vorfall in Vellmar: Polizei hat keine Hinweise auf eine Straftat 

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Sicher zur Schule: Kinder sollten sich auf dem Schulweg nicht auf Gespräche mit Unbekannten einlassen, rät die Polizei. Fühlen sie sich bedrängt, sollten sie laut werden, um Passanten auf sich aufmerksam zu machen.

Eine Grundschülerin wurde von einem Unbekannten angesprochen. Seitdem werden ähnliche Fälle gemeldet. 

Kassel – Der Fall einer Grundschülerin, die vor eineinhalb Wochen auf dem Weg zur Schule in Obervellmar von einem Unbekannten angesprochen wurde, hatte für Aufsehen gesorgt. Seither kursieren Berichte über ähnliche Fälle. Darüber sprachen wir mit Polizeisprecher Matthias Mänz und Simone Wolf, Jugendkoordinatorin im Bereich Prävention am Polizeipräsidium Nordhessen. Fragen und Antworten.

Was war in Obervellmar vorgefallen?

Eine Viertklässlerin soll am 29. November auf dem Weg zur Grundschule Obervellmar im Bereich Kastanienweg/Akazienweg von einem Unbekannten angesprochen worden sein. Der Mann habe sie mehrmals aufgefordert, zu ihm ins Auto zu steigen, was das Mädchen abgelehnt habe. Auch die Äußerung des Mannes, dass die Mutter des Mädchens ihn beauftragt habe, es zur Schule zu bringen, ignorierte die Schülerin. Nach Angaben der Viertklässlerin trug der Mann einen Kinnbart und eine mit dem Schild nach hinten gedrehte Kappe.

Wie bewertet die Polizei diesen Fall?

An der Glaubwürdigkeit der Schilderungen des Mädchens habe man keine Zweifel, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. „Wir nehmen den Fall ernst.“ Daher sei die Polizei im Bereich der Grundschule Obervellmar verstärkt präsent. Es handele sich hier um verdächtiges Ansprechen. Es gebe aber noch keine Hinweise auf eine Straftat.

Was hat es mit angeblich weiteren Fällen auf sich, von denen infolge die Rede war?

Wird die Nachricht eines solchen Vorfalls öffentlich, zöge dies oft eine Welle weiterer Berichte nach sich, beobachtet Mänz. „So etwas verselbstständigt sich.“ Am Folgetag habe ein Grundschüler in Obervellmar einen ähnlichen Fall geschildert, über den die Schulleitung die Polizei informierte. Allerdings habe er den Unbekannten anders beschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass derzeit verschiedene Männer in ähnlicher Absicht im Bereich der Obervellmarer Grundschule unterwegs seien, schätzt Mänz als gering ein.

Simone WolfJugendkoordinatorin

Auch am Jungfernkopf und in Sandershausen soll es Vorfälle gegeben haben.

„Der angebliche Vorfall an der Wegmannstraße hat sich als Gerücht herausgestellt“, sagt Mänz. Dort sei kein konkreter Fall angezeigt worden, sprich, es habe kein betroffenes Kind ausfindig gemacht werden können. In Sandershausen sei die Polizei am 3. Dezember informiert worden, weil Schülerinnen aus einem Auto heraus von unbekannten Männern angesprochen wurden. Hierbei soll es sich um einen Konflikt im Straßenverkehr gehandelt haben, der nicht im Kontext des Vorfalls in Vellmar stehe, so Mänz. Er resümiert: „Wir haben keine Hinweise, dass eine Person für mehrere Fälle verantwortlich ist.“

Gleichwohl sind Eltern besorgt. Sollten sie mit ihren Kindern über solche Vorfälle sprechen?

Dazu rät Jugendkoordinatorin Simone Wolf. Grundsätzlich sollten Eltern mit ihren Kindern besprechen, wo sie langgehen und wer sie abholen darf. „Absprachen geben dem Kind Sicherheit und lassen es in konkreten Situationen souveräner agieren“, sagt Wolf.

Was können Eltern ihren Kindern konkret raten?

„Nicht auf Gespräche eingehen, Abstand einhalten, weitergehen“, rät Simone Wolf. Befolgen Kinder diese Ratschläge, ließen Täter meist von ihrem Vorhaben ab.

Wie sollten sich Kinder verhalten, wenn sie sich bedrängt fühlen?

Fühlen sich Kinder bedrängt, sollten sie Geschäfte aufsuchen oder auch als „Notinsel“ gekennzeichnete Einrichtungen. Zudem sollten sie laut werden, schreien, etwa: „Lassen Sie mich in Ruhe“. Das „Sie“ lasse Passanten zusätzlich hellhörig werden, weil es suggeriert, dass ein Kind nicht im Austausch mit einer ihm bekannten Person steht, erläutert die Jugendkoordinatorin. Sie rät zudem, den Namen des Kindes nicht auffällig auf Ranzen oder Rucksack anzubringen, weil dies mutmaßlichen Tätern die Möglichkeit zur direkten Ansprache böte.

Wie sollten Eltern reagieren, wenn Kinder zuhause über solche Vorfälle auf dem Schulweg berichten?

„Es ist wichtig, dass das Kind das Erlebte erzählen kann und dass es ernst genommen wird“, sagt Wolf. Eltern sollten ihr Kind bestärken, dass es „alles richtig“ gemacht habe“ und nun Mutter und Vater die Verantwortung übernähmen. Hat es einen konkreten Fall erlebt oder beobachtet, gilt es, Informationen zügig abzurufen und die Polizei zu verständigen. Zeugen- oder Fahrzeugbeschreibungen ließen sich durchaus üben, sagt Wolf.

Viele Eltern begleiten ihre Kinder (wieder) auf dem Weg zur Schule.

Sogenannte Elterntaxis nähmen auch ohne entsprechende Vorfälle schon überhand, beobachten die Polizisten. Wenn ein Kind nach solchen Berichten nicht besonders verängstigt ist, sollten Eltern es ermutigen, zur Schule zu laufen und sich am besten mit Schulfreunden zu verabreden. „Wichtig ist, eigene Ängste nicht auf das Kind zu übertragen und Ruhe auszustrahlen“, sagt Simone Wolf. Sie erinnert zudem daran, dass die Warnung vor dem „Fremden“ problematisch ist. Die Mehrheit der (sexuellen) Übergriffe spiele sich im Bekannten- oder gar familiären Kreis ab.

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