"Unverpackt ist zum Megathema geworden"

Die Mutter aller Unverpackt-Läden: Reformhaus Ludwig hat neuen Eigentümer

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Enormes Angebot an Müsli-Zutaten, Tees und anderer loser Ware: Mitarbeiterin Sophia Marie Spohr (links) und Filialleiterin Kathrin Reiss haben das Sortiment in dem Reformhaus neu geordnet.

Seit Jahresbeginn gehört das Reformhaus Ludwig am Entenanger zur Berliner Reformhauskette Quentin. Der neue Eigentümer will das enorme Angebot an loser Ware erhalten. 

  • Reformhaus Ludwig in Kassel hat neuen Eigentümer
  • Trend geht zu Unverpackt-Ware
  • Bundesweite Kette mit Ursprüngen in Kassel

Kassel - Bei vielen Stammkunden des Reformhauses Ludwig am Entenanger hat es sich schon herumgesprochen: Der Laden, der für seine enorme Auswahl an Trockenfrüchten, Nüssen, Flocken, Tees und Getreide als lose Ware zum Selbermischen geschätzt wird, hat seit Jahresbeginn einen neuen Besitzer. Er gehört nun zur Reformhauskette Quentin. Die ist in Kassel außerdem im Einkaufszentrum Dez vertreten.

Am Wochenende wurde in dem Laden am Entenanger umgeräumt, dazu war auch Firmenchef Guido Scholz aus Berlin gekommen. Die bisherige Betreiberin Claudia Ludwig habe ihm das Geschäft aus persönlichen Gründen zur Übernahme angeboten, sagte Scholz, der bundesweit nun 15 Filialen betreibt.

Reformhaus in Kassel: Unverpackt-Ware sei ein "Megathema" geworden

Seine beiden Kasseler Reformhäuser unterscheiden sich deutlich in der Anmutung gegenüber den Kunden: Während das Geschäft im Dez wie ein moderner kleiner Supermarkt aussieht, kommt der Laden am Entenanger urig und ein wenig wie aus der Frühzeit der Öko-Bewegung daher. Daran will Scholz – bis auf eine bessere Gliederung des Warenangebots – vorerst auch nicht viel ändern. Der Trend zur Unverpackt-Ware, wie sie am Entenanger schon lange geboten werde, sei mittlerweile „ein Megathema“ geworden.

„Wir schauen mal, wie das läuft“, sagt der Quentin-Chef. Etwa ein halbes Jahr wolle er das beobachten und dann Pläne für einen zeitgemäßen Umbau des Ladens machen. Scholz kann sich vorstellen, weitere Ware wie etwa Putzmittel, Essig und Speiseöle ins Unverpackt-Sortiment zu nehmen.

Der alte Name ist noch dran: Seit Jahresbeginn hat das Reformhaus Ludwig am Entenanger neue Eigentümer.

Kassel: Neuer Eigentümer will behutsam Veränderungen im Reformhaus vornehmen

Nicht zuletzt wegen der Nähe zur Markthalle sei der Standort gut für ein Reformhaus. Ob die eigenen, marktähnlichen Auslagen vor dem Geschäft weiterbetrieben würden, stehe noch nicht fest. „Wenn, dann auf jeden Fall schöner“, sagt der neue Betreiber diplomatisch.

Mit insgesamt sieben Angestellten führt Filialleiterin Kathrin Reiss den neuen Quentin-Standort, an dem bisher außen noch der bisherige Name steht. Mit Blick auf die Stammkundschaft sollen die Veränderungen behutsam vonstatten gehen. „Wir werden ganz klar ein klassisches Reformhaus bleiben“, betont Guido Scholz. Allerdings setze man künftig vermehrt auch auf Produktgruppen wie Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika, wie sie auch in anderen Quentin-Filialen erhältlich seien.

Kassel hat einen neuen Reformhaus-Eigentümer: Bundesweite Kette mit Ursprüngen in Kassel

Die Reformhaus Quentin GmbH mit Sitz in Berlin betreibt bundesweit 15 Ladengeschäfte – davon sieben in großen Einkaufszentren der Hauptstadt, eines in Halle/Saale, zwei in Kassel sowie fünf in Mittelhessen. In Gießen hatte der Großvater von Firmenchef Guido Scholz 1910 sein erstes Reformhaus gegründet.

In Kassel wiederum war seit der Nachkriegszeit der Name „Reformhaus Quentin“ ein Begriff: 1958 hatte der Drogist Karl-Heinz Quentin aus Niederzwehren begonnen, auf die Reformhausbewegung zu setzen und dafür einen separaten Laden an der Frankfurter Straße aufgemacht. In den folgenden Jahrzehnten betrieb das „Reform- und Diäthaus Quentin“ fünf Filialen im Stadtgebiet, davon ab 1980 eine im neu eröffneten Einkaufszentrum Dez.

1989 zog sich Quentin zurück und verkaufte seine Firma an den Gießener Branchenkollegen Scholz, wobei der Name Quentin für das fusionierte Filialunternehmen erhalten wurde. Seit 1998 ist Guido Scholz alleiniger Geschäftsführer. Der Namensgeber Karl-Heinz Quentin starb 2008 in Kassel.

VON AXEL SCHWARZ

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