Bau teurer als gedacht

Rundgang über die Baustelle: So läuft die Sanierung des Kasseler Rathauses 

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Die Rohbauarbeiten gehen weiter, der Trockenbau hat bereits begonnen: Im Karlsstraßenflügel des Kasseler Rathauses kommt die Generalsanierung nach Angaben der Stadt gut voran. Unser Foto zeigt vorn links Pavel Radeicik bei Schweißarbeiten an den Fensterrahmen. 

Die Sanierung des Kasseler Rathauses läuft auf Hochtouren. Mit 36 Millionen Euro ist der Bau teurer als gedacht.

Die Sanierung des Kasseler Rathauses wird elf Millionen Euro teurer als gedacht. Weitere Mehrkosten seien jedoch nicht zu erwarten, betonte am Mittwoch Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) bei einem Rundgang durch die Baustelle.

Die Kostenexplosion war auf Anfrage unserer Zeitung Ende Januar, also parallel zum Baustart, bekannt geworden. Danach wird die Sanierung des 1975 erbauten Karlsstraßenflügels rund 36 Millionen Euro teuer. Ursprünglich war die Stadt von 25 Millionen Euro ausgegangen. Nun aber liege die Sanierung des Rathauses, die mit Abstand größte städtische Baustelle in Kassel, sowohl im Zeitplan als auch im Kostenplan, erklärte Nolda. 

Sanierung begann im Sommer 2018 

Mit der Entkernung des maroden Gebäudes war im Sommer 2018 begonnen worden, saniert wird seit Anfang 2019. Nach einem Jahr der insgesamt auf dreieinhalb Jahre geplanten Sanierung seien 16 von insgesamt 30 Gewerken und damit Aufträge in Höhe von 22,5 Millionen Euro vergeben worden. In finanzieller Hinsicht seien also zwei Drittel der Arbeiten bereits vergeben. Damit verringere sich das Risiko von Mehrkosten, so Nolda. „Wir liegen jetzt innerhalb der erstellten Kostenprognose.“

Mit prüfendem Blick: Bauleiter Aykut Arslan auf einem der Rathaus-Parkdecks zur Oberen Karlsstraße hin.

Ende 2021 soll die Sanierung des Rathausflügels abgeschlossen werden. 350 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen die neuen Räume beziehen. Welche Ämter das sein werden, stehe im Detail noch nicht fest, berichtete Nolda. Klar sei aber, dass auch Ämter mit viel Publikumsverkehr einziehen würden, zum Beispiel das Sozialamt. Daher werde auch ein neuer Fahrstuhl eingebaut.

Aus diesen Gründen wird die Sanierung teurer

Als Gründe für die erheblichen Mehrkosten führte die Stadt die hohe Auslastung in der Baubranche, die erst bei der Sanierung festgestellten Mängel in der Betonkonstruktion und eine geänderte Planung für die Räume an. Als unerwartetes Problem stellten sich etwa die statisch bereits überlasteten Fertigteilbrüstungen zur Karlsstraße hin dar. Diese müssen komplett ausgetauscht werden.

Bisher haben bei der Sanierung des Kasseler Rathauses die Entkernung und die Abbrucharbeiten im Vordergrund gestanden. „Ab jetzt bauen wir wieder auf“, freute sich Axel Jäger, der Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft, am Mittwoch bei einem Baustellenrundgang durch den Karlsstraßenflügel.

Rathausflügel soll bis Jahresende "wetterfest" sein

Tatsächlich hat die Fassadenbaufirma bereits die neuen Fensterrahmen eingesetzt. Die Trockenbauer haben die ersten Metallkonstruktionen für die Innenwände aufgestellt. Die Arbeiten an den Stahlbetonbrüstungen sind bereits abgeschlossen. Die Betonsanierungsarbeiten an Innenwänden, Decken und Unterzügen laufen. Mit den Estricharbeiten soll im September begonnen werden. Bis Ende 2019 soll die Montage der neuen Fenster abgeschlossen sein.

So soll es einmal aussehen: Der Siegerentwurf des Berliner Architektenbüros Bolwin/Wulf. 

Amtsleiter Jäger und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) hoffen, dass der Rathausflügel bis Ende des Jahres „wetterfest“ sein wird. Mitte August soll mit den Technikgewerken – also mit Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro – begonnen werden. „Wir liegen exakt im Zeitplan“, betont der Stadtbaurat.

Im Schnitt sind täglich zwischen 50 und 60 Mitarbeiter der beauftragten Bauunternehmen bei der Rathaussanierung im Einsatz. Zurzeit wird der Aufzugsschacht im Nordturm abgebrochen. Im Anschluss sollen die neuen Wände der künftigen Aufzugsanlage errichtet werden. Die Montage der neuen Stahlbetonbrüstungen zur Oberen Karlsstraße hin soll ab Ende August erfolgen. Sie seien eine der Ursachen für die von ursprünglich 25 auf 36 Millionen Euro gestiegenen Baukosten, stellten Nolda und Jäger klar. Weil die vorhandenen Brüstungen statisch nicht mehr belastbar gewesen seien, müssten sie zu dieser Gebäudeseite hin komplett ausgetauscht werden.

In Zukunft 350 Beschäftigte

Früher waren im Karlsstraßenflügel des Kasseler Rathauses rund 400 Beschäftigte tätig. In Zukunft werden es rund 350 Mitarbeiter sein, die sich unter anderem über mehr (Arbeits-) Platz, mehr Besprechungsräume und Teeküchen freuen dürften, die es bislang in dem Gebäude noch gar nicht gegeben habe.

Bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten der Stadt sind ein Grund für die millionenschwere Generalsanierung. Weitere Gründe sind die verschärften Brandschutzanforderungen und die erhebliche Schadstoffbelastung (unter anderem Asbest und Teer), denen die Mitarbeiter in dem 1975 erbauten Verwaltungsflügel ausgesetzt waren. Wie Jäger erläuterte, sei der komplette bauliche Zustand inklusive der Böden, Wände und Decken stark sanierungsbedürftig gewesen. Zudem habe die Fassade in keiner Weise mehr den heutigen energetischen Anforderungen entsprochen.

Viele Ämter wegen Sanierung verlegt

In etwa zweieinhalb Jahren, Ende 2021, sollen die Mitarbeiter in das sanierte Gebäude zurückkehren können – zum Beispiel die des Sozialamtes. „Mit seinem neuen Erscheinungsbild wird dieser Teil des Rathauses dann auch das Umfeld städtebaulich deutlich aufwerten“, meint Stadtbaurat Nolda. 

Wegen der Sanierung sind viele Mitarbeiter an viele Standorte der Verwaltung im Stadtgebiet ausgezogen. Welche Ämter zurückkehren und welche nicht, ist noch im Detail zu klären. Der Stadtbaurat werde nicht in den Karlsstraßenflügel zurückkehren, berichtete Nolda auf Anfrage. Noldas Büro befindet sich seit dem Rathaus-Auszug gegenüber im Victoria-Hochhaus.

Beschlossen mit großer Mehrheit

Der Beschluss zur Sanierung des Kasseler Rathauses wurde mit großer Mehrheit im Mai 2016 gefasst. Also zu einer Zeit, in der es in der Stadtverordnetenversammlung noch keine Koalition und noch eine eigenständige FDP-Fraktion gab. Die Sanierung des Karlsstraßenflügels – mit rund 15,5 Millionen Euro dickster Brocken des insgesamt 42 Millionen Euro schweren ersten Kommunalen Investitionsprogrammes (KIP) – trugen damals SPD, Grüne, FDP und Teile der AfD-Fraktion mit.

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