Auswertung zweier Studien

Kritik und Lob: So bewerten Händler und Kunden die Kasseler Innenstadt

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Zentrale Einkaufsmeile der Region: Die Kasseler Königsstraße wird noch bis zum Herbst dieses Jahres umfassend modernisiert. Die ersten Bauarbeiten hatten bereits im Jahr 2015 begonnen.

Was gefällt in der Innenstadt und wo gibt es Kritik? Zwei aktuelle Studien beschäftigen sich mit dem Einkaufsgeschehen im Kasseler Zentrum. Wir stellen sie gegenüber.

Noch dieses Jahr müssen Passanten und Geschäftsleute auf der Kasseler Königsstraße mit Baustellen leben: Die Stadt macht die zentrale Einkaufsmeile der Region fit für die Zukunft. Das ist auch nötig, denn das Handelsgeschehen ist rasant in Bewegung: Die Ansprüche und das Verhalten der Kunden ändern sich, Einkäufe werden ins Internet verlagert, Sorgen über eine Verödung der Stadtzentren werden laut. Wie fühlen sich in diesem Spannungsfeld die Einzelhändler und was ist den Passanten wichtig? Zwei aktuelle Studien geben Anhaltspunkte.

Kasseler Innenstadt: Einzelhändler sind positiv gestimmt

Einzelhändler im Raum Kassel sind positiv gestimmt: Fast die Hälfte der Befragten berichtete, derzeit mehr Kunden zu haben als vor fünf Jahren. Weitere Ergebnisse der Geschäftskunden-Studie im Auftrag der Commerzbank:

Erwartungen

Die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Branche haben 92 Prozent der Kaufleute als sehr gut oder als stabil bezeichnet. Auch für das Jahr 2019 ist die Mehrheit (84 Prozent) optimistisch. Dabei liegen die hiesigen Einzelhändler in ihrer Einschätzung deutlich über dem Bundesdurchschnitt mit 80 beziehungsweise 75 Prozent.

Herausforderungen

„Als größte Herausforderung sehen 57 Prozent der Einzelhändler im Raum Kassel den zunehmenden Wettbewerb durch Onlinehändler. Das sind mehr als im Bundesdurchschnitt“, sagt Michael Wiedemann, der die Unternehmerkundenberatung der Commerzbank in der Region Kassel und Nordhessen leitet.

Gut jeder zweite Einzelhändler in Kassel empfindet den Fachkräftemangel als Gefahr. Auch der Preisdruck macht 45 Prozent der Kaufleute zu schaffen.

Online-Aktivitäten

Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Kasseler Händler vertreibt seine Waren laut der Studie sowohl stationär als auch online. Häufiger werden digitale Kanäle bei der Kundenkommunikation genutzt: Jedes zweite Geschäft kommuniziert über das soziale Netzwerk Facebook mit seinen Kunden.

Wünsche an die Stadt

Damit die Kunden dem Einzelhandel auch in Zukunft treu bleiben, wünschen sich die Geschäftsinhaber von der Stadtverwaltung vor allem eine attraktivere Gestaltung der Innenstadt, mehr Parkplätze sowie den Ausbau des Netzes von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Stadtbesucher kommen öfter mit der KVG in die Kasseler Innenstadt

Im Urteil von Innenstadtbesuchern schneidet Kassels Zentrum aktuell ein klein wenig besser ab als bei der gleichen Untersuchung „Vitale Innenstädte“ vor zwei Jahren. Einige Ergebnisse aus der Studie:

Das gefällt

Im Vergleich mit ähnlich großen Städten wurden die Erreichbarkeit mit Bussen und Bahnen sowie das Gastronomieangebot im Zentrum überdurchschnittlich positiv bewertet. Gleiches gilt für die Ladenöffnungszeiten in der City. Die Angebote des Einzelhandels wurden ähnlich bewertet wie in den Vergleichsstädten – insgesamt mit positiver Tendenz.

Hier gab es Kritik

Nicht zufrieden äußerten sich viele Befragte mit dem Angebot an Parkmöglichkeiten und mit den Kosten fürs Parken. Auch in Bezug aufs allgemeine Ambiente und Flair wurde Kassel schlechter bewertet als andere Städte; insbesondere beim Aspekt der Sicherheit. Obwohl die Besucher laut der Umfrage gern zu besonderen Events in die Innenstadt kommen und die Lokale dort rege besuchen, wird unterm Strich der Erlebniswert im Kasseler Zentrum geringer bewertet als in vergleichbaren Städten.

Das fiel auf

Im Vergleich zur Umfrage 2016 hat die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zugenommen. Aktuell gaben 52 Prozent der Befragten an, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt gekommen zu sein; zwei Jahre zuvor waren es 48 Prozent gewesen.

Der Trend, weniger in die Stadt zu gehen und stattdessen Besorgungen online zu machen, ist in Kassel eher rückläufig. 2016 gaben 26,6 Prozent der Befragten an, so zu handeln. Bei der aktuellen Umfrage waren es 21,7 Prozent. Das Angebot, online bestellte Waren in den Geschäften abholen zu können, wird in Kassel viel mehr genutzt als in Vergleichsstädten.

Hintergrund: Diese Studien haben wir gegenüber gestellt

Für die Gegenüberstellung haben wir diese beiden Untersuchungen ausgewertet:

Commerzbank: Für die Studie „Herausforderungen und Digitalisierung im Einzelhandel“interviewte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Commerzbank bundesweit 3500 Einzelhändler, davon 50 im Raum Kassel. Deren Auskünfte wurden in der Aufbereitung der Ergebnisse separat dargestellt. Befragt wurden nicht nur Kunden der Commerzbank, sondern auch anderer Geldinstitute.

Vitale Innenstädte: Unter Federführung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) wurden an zwei Stichtagen im Herbst 2018 (Donnerstag und Samstag) mehr als 58.000 Menschen in 116 Städten befragt, wie sie das örtliche Angebot bewerten und welche Wünsche offen bleiben. In Kassel wurden über 600 Interviews geführt. Kassel Marketing, die Stadtverwaltung und die City-Kaufleute haben dies organisiert. Kassel hat zum dritten Mal bei dieser Untersuchung mitgemacht.

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