Dutzende tote Tiere unter Silberlinden

Tote Hummeln unter Kasseler Linden: Das steckt dahinter 

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Liegen reglos am Kirchweg: Unter den Silberlinden liegen Dutzende tote Tiere. Sie hatten nicht mehr genug Kraft, um zu ihrem Nest zurückzufliegen.

Unter vielen Linden in Kassel liegen gleich Dutzende tote Hummeln. Aber was steckt hinter dem Massensterben der pummeligen Insekten? Wir klären auf.

Wer etwa den Kirchweg von der der Breitscheidstraße in Richtung Bebelplatz läuft, der kann das schwarz-gelbe Tierdrama beobachten. Sicherlich über Hundert tote und sterbende Erdhummeln liegen auf den Bordsteinen. Eine maßgebliche Rolle dabei spielen die Silberlinden, die nicht nur an dieser Straße in Kassel zu finden sind. Die südosteuropäische Baumart wird häufig in Städten gepflanzt, weil sie mit den urbanen Bedingungen gut klarkommt.

„Lange Zeit dachte man, die Hummeln würden den Nektar der Lindenblüten nicht vertragen. Dies konnte die Wissenschaft aber inzwischen ausschließen. Der Nektar ist völlig unproblematisch“, sagt Dr. Kai Füldner, Forstwissenschaftler und Leiter des Kasseler Naturkundemuseums.

Friedhof der Hummeln: Verhungerte Tiere.

Die wahre Ursache liege im schwindenden Nahrungsangebot. „Mitte Juli sind die Frühjahrsblüher fast alle verblüht und die Spätersommerblüher sind noch nicht soweit. Die Silberlinden sind in diesen Tagen die letzten Pflanzen, die noch ein großes Nahrungsangebot bieten. Um diese Nektarquelle versammeln sich die Tiere“, erklärt Füldner. Entsprechend groß sei die Konkurrenz durch andere Insekten.

Hinzu komme, so der Fachmann, dass die Tiere einen höheren Energieverbrauch hätten als etwa Bienen oder Wespen. „Für die weiten Wege verbrauchen Hummeln viel mehr Sprit, als sie bei der Nektarsuche wieder aufnehmen können. 

Silberlinden am Kirchweg: Die letzte Futterquelle versiegt.

Das liegt auch daran, dass sie – anders als Bienen oder Wespen – auch bei kühler Witterung, wie wir sie in den vergangenen Tagen hatten, fliegen“, so Füldner. Zudem legt die Hummel kaum Vorrat an, der etwa Bienen über magere Zeiten retten kann. Wenn die Tiere dann völlig erschöpft an den Linden ankämen und das Nektarangebot durch die Konkurrenten bereits dezimiert sei, dann komme es zum Massensterben durch Verhungern. 

Für den Rückflug reiche die Energie der Hummeln dann meist nicht mehr aus. Eine Rettung für die Hummeln wären alternative Futterquellen. Dazu braucht es ausreichend spätblühende Pflanzen im Stadtgebiet. Dabei reicht es nicht, dass diese bloß schön bunt sind – wie etwa Geranien – sie müssen auch ein großes Nektarangebot bieten.

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