Temporäre Sperrung für private Kfz geplant

Untere Königsstraße bald autofrei?  Testphase als Fußgängerzone startet im April

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Unteren Königsstraße zwischen Stern und Holländischer Platz soll testweise für ca. 2 Monate autofrei werden

Studierende der Uni-Kassel hatten einen Verkehrsversuch angeregt. Demnach soll die Untere Königsstraße zur Fußgängerzone werden. Geschäftsinhaber üben Kritik. 

  • Die Untere Königsstraße in Kassel soll testweise zur Fußgängerzone werden. 
  • Testphase soll zwischen dem 24.04.2020 und dem 28.06.2020 stattfinden.
  • Viele Geschäftsinhaber üben Kritik an den Plänen. 

Wird Kassels Fußgängerzone vorübergehend länger – oder vielleicht sogar dauerhaft? Zwischen Stern und Holländischem Platz soll die Untere Königsstraße für einige Wochen testweise für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden. 

Verkehrsversuch war fürs Frühjahr 2020 geplant

Ein solcher Verkehrsversuch, angeregt von Studierenden der Uni Kassel, war nach letztem Stand für Frühjahr dieses Jahres vorgesehen.

In einer Ankündigung zu einer Veranstaltung des Umwelthauses Kassel ist bereits ein konkreter Termin für einen solchen Verkehrsversuch genannt worden. 

Vom 24. April bis 28. Juni soll demnach die Untere Königsstraße vom Stern bis zum Holländischen Platz für den Autoverkehr gesperrt werden.

Die Stadt Kassel bestätigte auf Anfrage, dass sich studentische Arbeiten und eine Arbeitsgruppe verschiedener Akteure unter Federführung des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes mit dem Thema auseinandersetzen. 

Antrag von SPD, Grünen und dem Stadtverordneten Andreas Ernst

Hintergrund ist ein Stadtverordnetenbeschluss von September 2018, der auf einem gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen und dem Stadtverordneten Andreas Ernst basiert. 

Darin wird der Magistrat gebeten, das Quartier rund um die Untere Königsstraße und Holländischen Platz als Fußgängerachse aufzuwerten. 

Allerdings heißt es aus dem Rathaus dazu auch, dass es bisher eine „finale Festlegung zu Art, Beginn und Dauer von bestimmten Aktionen“ nicht gäbe. Über solche Dinge werde zunächst im Rahmen der städtischen Gremien informiert und beraten.

Untere Königsstraße als Fußgängerzone: Fraktionen sehen das Thema gespalten

In den Fraktionen wird das Thema unterschiedlich gesehen. Sascha Gröling, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, unterstützt das Vorhaben, durch entsprechende Tests – wie eben jenem Verkehrsversuch – herauszufinden, was in dem Bereich möglich ist. 

Eva Koch von den Grünen findet eine Verlängerung der Fußgängerzone ebenso sinnvoll wie Violetta Bock von den Linken. Dominique Kalb von der CDU legt Wert darauf, dass man die Leute mitnimmt: „Einfach absperren, wäre zu wenig.“ 

Matthias Nölke von der Fraktion FDP/Freie Wähler/Piraten sieht dagegen derzeit weniger Bedarf. Auch die AfD lehnt die Sperrung für einen Verkehrsversuch ab.

Pläne für Untere Königsstraße in Kassel: Kritik von den Geschäftsleuten

 „Ich bin ein extremer Gegner dieser Pläne“, sagt Volker Pitsch. Er ist Inhaber des Elektronikmarktes EP Pitsch in der Unteren Königsstraße und ärgert sich darüber, dass die Untere Königsstraße versuchsweise für Autos gesperrt werden soll. 

„Die meisten zahlungskräftigen Kunden kommen mit dem Auto. Für andere Läden hier mag das funktionieren, für uns ist das existenzgefährdend.“

Verärgert über die Pläne der Stadt: Volker Pitsch und sein Sohn Tobias.

Weil er hauptsächlich große elektronische Geräte – etwa Fernseher oder Waschmaschinen – verkauft und repariert, sei er besonders auf den Zugang zu seinem Geschäft mit Pkw oder Lkw angewiesen. 

Kassel: Geschäftsinhaber hat Sicherheitsbedenken

Daneben hat der Inhaber des Traditionsgeschäftes auch Sicherheitsbedenken. „Wir sind froh um den vielen Publikumsverkehr hier, gerade auch nach 19 Uhr.“ Nach seiner Meinung zum geplanten Projekt habe sich offiziell niemand erkundigt. 

Ähnliche Nachteile befürchtet Pitsch auch für andere Geschäfte, beispielsweise den benachbarten Supermarkt. „Hier kommen bis zu drei Lieferungen täglich an“. Das sei in einer Fußgängerzone nur schwer möglich, sagt er.

Untere Königsstraße in Kassel würde ruhiger werden

Einen positiven Blick auf die Pläne hat Shirin Mahmood. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie Inhaberin des Baran Bistro. „Draußen wird es gemütlicher zum Sitzen, und man muss nicht mehr so sehr auf die Autos achten“, sagt sie. 

Ohnehin würden die Inhaber des Geschäfts bald ihr Konzept umstellen. Statt eines Imbisses wollen beide hier demnächst ein Shisha-Café betreiben.

Untere Königsstraße in Kassel: Kunden kommen häufig mit dem Auto

Nuran Yilmaz-Knöpfel, Mit-Inhaberin der Bäckerei Karagöz, ist von der Idee nicht begeistert. „Ich denke vor allem an unsere Kundschaft“, sagt sie. Viele würden nur kurz anhalten, um schnell ein paar Backwaren zu kaufen. 

„Die Kunden parken hier nicht stundenlang, sondern halten nur kurz.“ Das sei dann ohne Weiteres nicht mehr möglich. „Für uns wird es schlechter“, sagt Bahram Bahaduri. Er betreibt den Copyshop Copywerk. „Wir haben keinen Zugang an der Gebäuderückseite.“ 

Größere Anlieferungen müssten immer über den Haupteingang erfolgen. Das Gleiche gelte auch für Kunden, die umfangreiche Druckaufträge abholen wollten. 

Er befürchtet, dass er durch eine Sperrung der Unteren Königsstraße für Autos Kunden verlieren wird.

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