Brief an US-Präsident geschrieben

Vater von Kasseler IS-Kämpfer bittet Donald Trump um Hilfe

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Joachim Gerhard aus Kassel sucht seit Jahren seine Söhne in Syrien. Sie hatten sich im Oktober 2014 mutmaßlich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen. Das Foto zeigt Gerhard mit seinen Söhnen Fabian (links) und Manuel (rechts) im Jahr 2013 in Dubai. 

Im Fall des mutmaßlichen IS-Anhängers Fabian Gerhard aus Kassel hat sich dessen Vater Joachim Gerhard an den US-Präsidenten Donald Trump gewandt.

Nachdem er zunächst im Namen seines Sohnes Mitte des Jahres die Bundesregierung auf dessen Rückholung aus Syrien verklagt hat, bittet er nun das amerikanische Staatsoberhaupt um Hilfe. Auch Gerhards Frankfurter Rechtsanwälte Seda Basay-Yildiz und Ali Aydin haben in einem Schreiben an Trump sowie den US-Botschafter Richard Grenell appelliert, „auf die kurdischen Kräfte einzuwirken“, damit Fabian Gerhard nach Deutschland abgeschoben werden könne. 

Kassel: „Ich wende mich an Sie, weil Sie ebenfalls Vater sind“

Gerhard bittet Trump in seinem Brief um die Ausweisung aller deutschen Staatsbürger aus Syrien. „Ich wende mich an Sie, weil Sie ebenfalls Vater sind“, schreibt der Unternehmer, der in Zierenberg wohnt. Seine Söhne seien von falschen Freunden in Deutschland nach Syrien gelockt worden. 

Von den deutschen Behörden fühle er sich „absolut im Stich gelassen.“ Sie hätten etwa 1400 Kinder und Jugendliche ausreisen lassen, hätten niemanden aufgehalten. Auch seine Söhne nicht, sagt Gerhard. Dabei seien Fabian und Manuel bereits vor ihrer Ausreise im Oktober 2014 vom Verfassungsschutz beobachtet worden, wie er später erfahren habe. 

Behörden bereiten Schwierigkeiten 

Gerhard schreibt weiter, die Behörden hätten ihm immer Schwierigkeiten bei der Suche nach seinen Söhnen bereitet. So hätten sie seine Reisen nach Nordsyrien verhindern wollen. „Die größte Schweinerei war 2016, als der Staatsschutz mir mitteilte, dass meine beiden Söhne tot seien“, empört er sich. 

Inzwischen ist Gerhard davon überzeugt, dass zumindest Fabian noch lebt. Er glaubt, seinen Sohn im März dieses Jahres in einem kurdischen Gefangenenlager im nordsyrischen Qamischli gefunden zu haben. Damals durfte er zwar nicht mit ihm sprechen, ihn aber aus der Ferne beobachten. 

Inhaftierte IS-Kämpfer in Syrien 

Wegen der türkischen Militäroffensive soll Fabian nach seinen Informationen inzwischen nach Al-Hasaka im Nordosten Syriens verlegt worden sein. Dort sind Tausende mutmaßliche IS-Kämpfer in einem kurdischen Gefängnis inhaftiert, darunter auch westliche Kämpfer etwa aus Frankreich, Großbritannien, den USA und Deutschland. 

Fünf Jahre ist es her, dass sich Fabian und und sein Bruder Manuel auf den Weg nach Syrien gemacht und sich dort dem IS angeschlossen haben. Ihr Vater Joachim Gerhard hat die Suche nach seinen Söhnen nie aufgegeben, obwohl die Sicherheitsbehörden die beiden 2016 für tot erklärten. Doch Gerhard ist sicher, dass zumindest Fabian noch lebt und hat die Bundesrepublik Deutschland in dessen Namen auf Rückholung verklagt.

IS-Kämpfer aus Kassel: Lebt Fabian noch? 

Ein Eilantrag in dem Fall wurde allerdings kürzlich vom Verwaltungsgericht Berlin abgelehnt, weil Joachim Gerhard keine Prozessvollmacht seines Sohnes hat. Gerhard hatte angegeben, zwischen Fabian und ihm habe es eine mündliche Vereinbarung gegeben, dass er die Interessen seines Sohnes im Fall von dessen Gefangennahme vertreten solle. Laut Beschluss hält das Gericht es für fraglich, ob diese Vereinbarung noch gilt. Zudem hält es Fabians Aufenthaltsort nach wie vor und auch trotz der eidesstattlichen Versicherung des Vaters für unbekannt.

Die Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin anhängig. Strittig ist dabei, ob Fabian überhaupt noch lebt. Auf Anfrage unserer Zeitung zu Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes zu Fabian Gerhard teilte die Behörde mit, sie werde sich zu einem laufenden Verfahren nicht äußern.

„Wenn ich daran denke, kriege ich weiche Knie“

Nach Joachim Gerhards Informationen hält sich Fabian inzwischen in einem kurdischen Gefängnis in Al-Hasaka im Nordosten Syriens auf. Kommende Woche will er erneut nach Syrien reisen. Von kurdischer Seite sei ihm zugesagt worden, mit Fabian sprechen zu können „Wenn ich daran denke, kriege ich weiche Knie“, sagt der Zierenberger. Er hofft, dass sein Sohn ihm dann die fehlende Prozessvollmacht erteilt.

Und wenn Fabian Syrien gar nicht verlassen will? „Dann ist das so, das würde ich akzeptieren. Aber dann habe ich es persönlich von ihm gehört“, sagt Gerhard. Seine größte Angst sei, bei dem Gespräch vom Tod seines zweiten Sohnes Manuel zu erfahren, seine größte Hoffnung, zu hören, dass der heute 23-Jährige noch lebt, sagt er.

Die Vorbehalte gegen die Rückführung deutscher IS-Kämpfer in Teilen der Bevölkerung kann Gerhard nachvollziehen. „Wenn ich früher von solchen Fällen in der Zeitung gelesen habe, habe ich auch gedacht: ,Selbst schuld, wenn sie da unten sterben‘“. Heute hat er einen anderen Blick auf die Dinge. Fabian solle bestraft werden, keine Frage, sagt Gerhard, aber in Deutschland und nicht in Syrien oder Irak, wo ihm die Todesstrafe drohe.

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