Mangel an Sporthallen

Vereine fordern mehr Sporthallen in Kassel: Situation verschärft sich im Winter

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Soll im Frühjahr eröffnen: Neue Drei-Felder-Halle wird hinter der Auepark-Sporthalle gebaut.

"Das ist ein ganz großes Drama", sagt Pierre Bonnet vom BC Kassel. Seinem und anderen Kasseler Vereinen fehlt es an überdachten Sportstätten. Auch Schulen sind betroffen. 

Wenn die Fußballer nun witterungsbedingt in die Hallen kommen, müssen die Vereine bei anderen Sportarten Abstriche machen. Einige haben Kooperationen mit Vereinen aus dem Umland geschlossen, um deren Hallen zu nutzen. 

Von den elf städtischen Sporthallen waren lange Zeit mehrere wegen Sanierungsarbeiten gesperrt: Seit Montag ist die Großsporthalle Auepark wieder freigegeben – auch die Arbeiten in der Olebachhalle in Bettenhausen sind abgeschlossen. Die Sanierung der Sporthalle am Königstor wird noch bis August 2020 dauern.

„Wir brauchen dringend mehr Hallenzeiten, es gibt in Kassel aber schlicht zu wenig Sporthallen“, sagt Peter Döhne, Vorsitzender des VfL Kassel. Die seit 2015 wegen Baumängeln gesperrte Sporthalle auf der Marbachshöhe habe die Lage verschlechtert. 

„Weil es nicht genug freie Hallen in der Nähe gibt, müssen unsere Sportler teilweise weite Wege zurücklegen“, sagt Walter Schubert, Vorsitzender der TSG Niederzwehren. 

Forderung ist nicht neu

Seit Jahren fordere sein Verein im Süden der Stadt eine neue Halle. „Neue Angebote zu etablieren, ist fast unmöglich“, ergänzt Henning Beste von Dynamo Windrad. Harald Gilfert, Vorsitzender der TG Wehlheiden, gibt dem Sportamt keine Schuld. 

Dort werde nur der Mangel verwaltet. „Wegen der Schließung der Königstorhalle müssen unsere Handballer nach Waldau ausweichen“, so Gilfert. Durch die Ausweitung der Schulen zu Ganztagsschulen stünden auch deren 34 Turnhallen meist erst am späten Nachmittag den Vereinen offen. 

„Alle sprechen davon, dass Sport den gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Kompetenzen fördert. Vor dem Hintergrund hat Kassel eindeutig zu wenig Angebot.“ 

Für Entlastung soll die neue Drei-Felder-Halle (TASK-Halle) hinter der Auepark-Halle sorgen. Sie soll im Frühjahr 2020 eröffnen, steht aber zu 40 Prozent der Hochschule zur Verfügung. Die Stadt verweist darauf, dass trotz Sanierungen fast alle Hallen (außer Königstor) nutzbar seien.

11 große Sporthallen und 34 Schul-Turnhallen in der Stadt

Die 11 städtischen Großsporthallen und die 34 Schulturnhallen werden von 61 Schulen sowie 181 Vereinen mit insgesamt 45 000 Mitgliedern genutzt. Hinzu kommen die Uni und die Kindertagesstätten als Nutzer. Die Vereine bieten insgesamt 170 verschiedene Sportarten an. Für die Vereine stehen die Sportstätten oft erst am Nachmittag zur Verfügung.

Pierre Bonnet vom BC Kassel ist für seine Leidenschaft auf eine überdachte Sportstätte angewiesen. Entsprechend gefrustet ist der Vorsitzende des Badmintonvereins über die aktuelle Situation: „Das ist ein ganz großes Drama.“ Es fehlten mindestens zwei Großsporthallen im Stadtgebiet.

Seit 2015 gesperrt: Die Sporthalle auf der Marbachshöhe ist wegen eines maroden Dachs nicht nutzbar.

Bonnet hat erlebt, was dies für Vereine bedeuten kann. Als die Emil-Junghenn-Halle im Wesertor 2015 saniert wurde und sein Verein deshalb dort nicht regelmäßig trainieren konnte, verlor er 20 Prozent seiner Mitglieder. 

Um weniger abhängig von der Kasseler Hallensituation zu sein, hat der BC Kassel eine Kooperation mit einem Verein aus Vellmar geschlossen. „Dorthin weichen wir aus“, sagt Bonnet.

Henning Beste von Dynamo Windrad bedauert es, dass gerade Trendsportarten kaum Chancen hätten: „Es ist fast unmöglich, zusätzliche Hallenzeiten zu bekommen“. 

Erst kürzlich hat er beim Sportamt wegen der Sportart Futsal angefragt – einer südamerikanischen Variante des Hallenfußballs mit einem kleineren Ball und anderen Regeln. „Große Hoffnungen mache ich mir nicht. Aber ich mache dem Amt keinen Vorwurf, die können nur die Zeiten verteilen, die sie haben.“

Kein Platz für das Kinderturnen

Peter Döhne vom VfL Kassel lässt fast alle Fußballer das ganze Jahr über draußen spielen. Den Kindern der D-Jugend und den noch Jüngeren sei dies aber nicht zumutbar. „Es ist schwer, nur 45 Minuten einmal die Woche in einer Halle zu bekommen.“

Für das Kinderturnen könnte Döhne eine weitere Gruppe eröffnen. Die Nachfrage ist da, das Platzangebot aber nicht.

Walter Schubert von der TSG Niederzwehren setzt keine allzu großen Hoffnungen in die neue TASK-Sporthalle, die hinter der Aueparkhalle gebaut wird. „Das ist nur eine kleine Erweiterung und längst nicht genug.“

Auch Schulen stehen hinter der Forderung

Aus Sicht von Thomas Islei, stellvertretender Schulleiter der Max-Eyth-Schule, ist die Lage seiner Schule nicht besser: „Wir fordern für unser Berufsschulzentrum 2 schon lange eine eigene Sporthalle. 

Viele Klassen haben keinen Sportunterricht, weil es keine freien Zeiten gibt.“ Die Hallen, die die Schüler derzeit nutzen, lägen oft weit weg (Bettenhausen und Südstadt).

Dies sei mit dem Unterricht kaum vereinbar. Wegen der Sperrung der Königstorhalle hat das Sportamt den betroffenen Vereinen Ausweichquartiere organisiert – etwa in der Sporthalle Hegelsberg und der Sportbildungsstätte Sensenstein.

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