Filmset im Stadtcafé: „Esst die Requisiten nicht auf“

Kassel wird zum "Tatort": 32 Komparsen bei Dreharbeiten in der Treppenstraße dabei

Kassel. Die Treppenstraße war am Freitag Drehort für den "Tatort": Im Kasseler Stadtcafé wurde eine Szene mit den Frankfurter Ermittlern gedreht. Vor der Kamera standen auch Komparsen aus der Region.

In diesem Tatort kommen die Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich, die die Frankfurter Ermittler Paul Brix und Anna Janneke spielen, nach Kassel, weil sie den Mord an einem 17-jährigen Jugendlichen aufklären wollen.

So waren die Dreharbeiten für den Tatort aus Kassel:

Thermounterwäsche und Glühwein wären jetzt ideal. Die Frauen und Männer, die am Freitagvormittag draußen vor dem Stadtcafé auf der Treppenstraße sitzen, witzeln. Einige stehen auch auf und machen ein wenig Gymnastik, um die kalten Knochen warm zu bekommen. Alles sind sie Komparsen, die eine kleine Rolle im Tatort des Hessischen Rundfunks ergattert haben, der in diesen Tagen in Kassel gedreht wird. 32 Frauen und Männer sitzen in dem Café, das für die Dreharbeiten zum Treppencafé umbenannt worden ist.

„Stellt euch vor, es ist heute einer der heißesten Tage des Jahres“, sagt eine Mitarbeiterin des Tatort-Teams. Das Drehbuch sieht nämlich vor, dass es in Kassel über 30 Grad sind. Tatsächlich aber sind es am Anfang gerade mal zehn Grad. Es läuft kein Schweiß. Die Tropfen auf der Kleidung stammen vom Regen.

Die Nässe und Kälte bekommen auch Schauspielerin Christina Große und ihr Kollege Wolfram Koch zu spüren, die die Ermittler spielen. Ihre Kollegin Margarita Broich hat es da etwas besser. Laut Drehbuch wartet sie bereits im Café auf ihre Kollegen, die gerade von einem bewaffneten Einsatz kommen. Die beiden Tatort-Kommissare aus Frankfurt und ihre Kasseler Kollegin, gespielt von Große, wollen einen Fernsehtalkmaster überführen, der seinen Stiefsohn ermordet haben soll.

Die Dreharbeiten machen offenbar Spaß: (von links) Christina Große, Margarita Broich und Wolfram Koch in einer Pause.

Von dem Inhalt des Tatorts bekommen die Komparsen am Freitag nicht viel mit. Sie müssen einfach im und vor dem Café sitzen und die Treppenstraße hoch und runter laufen. Es dauert Stunden, um diese Szene zu drehen, die im Tatort später zwei Minuten zu sehen ist.

Für die Komparsen hat der Arbeitstag bereits um 7.45 Uhr begonnen. Sie sind in das Best Western Hotel in die Kurfürsten Galerie bestellt worden. Dort wird geschaut, ob die Kleidung passend ist. Da hat der HR genaue Vorschriften gemacht. Die Kleidung muss sommerlich und die Farben müssen gedeckt sein. Schwarz und Weiß sind auch verboten. Manche Komparsen haben einen ganzen Koffer voll Klamotten mitgebracht.

Annett Wehen aus der Maske kümmert sich um das Make-up und die Haare. Dann gibt es noch ein paar wichtige Anweisungen von Maria Stähle, die für die Betreuung der Komparsen zuständig ist. „Es ist extrem wichtig, dass das Handy auf lautlos gestellt wird. Und guckt nicht in die Kamera.“ Zudem müssen sich die Komparsen merken, welche Bewegungen sie in einer Einstellung gemacht haben. Wenn die Szene aus einer anderen Richtung gedreht wird, müssen sich die Komparsen wieder genauso verhalten.

Ganz wichtig: „Esst die Requisiten nicht auf“, lautet die Anweisung einer Mitarbeiterin vom Filmteam. Das heißt: Eisbecher und Getränke, die auf die Tische gestellt werden, sind tabu.

Er spielte sich selbst: Alexander Palupski ist nicht nur im Tatort Kellner in dem Café an der Treppenstraße. Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Alexander Palupski spielt sich in dem Tatort selbst. Normalerweise ist er Kellner im Stadtcafé. Das Tatort-Team habe im Café nachgefragt, ob zwei Kellner sich für den Dreh zur Verfügung stellen. „Diese Arbeit ist schon ein bisschen anders als sonst. Man muss auf andere Sachen achten“, sagt Palupski. Er muss in allen unterschiedlichen Einstellungen immer dieselben Getränke an die Tische bringen.

In den kurzen Pausen kommen die Komparsen, die dann ihre Jacken über die sommerliche Kleidung wieder anziehen dürfen und sich in Decken einmummeln, auch schon mal mit Schauspieler Wolfram Koch ins Gespräch. „Pass auf, dass Du keinen Sonnenbrand bekommst“, sagt Koch im Scherz zu Friedhelm Fetzer aus Vellmar. Der 60-Jährige ist erfahrener Komparse. „Ich habe schon bei verschiedenen TV-Projekten mitgemacht“, erzählt er. In einer Gerichtsserie bei RTL habe er schon mal eine Rolle mit Text gehabt. „Mir war aber klar, dass ich hier keine Sprechrolle bekomme“, sagt Fetzer.

Viele Passanten bleiben am Freitag in Nähe des Cafés stehen und beobachten die Dreharbeiten. Einige versuchen sogar, sich als Komparse an den Tischen heimlich einzuschleichen. Allerdings ohne Erfolg. Einige sind auch aufgebracht, dass das Café für das normale Publikum geschlossen hat. „Ausgerechnet heute drehen die hier, wo es doch Ferien gibt“, schimpft eine Frau. Sie könne auch in kein anderes Café gehen, weil es nur hier veganes Frühstück gebe.

Komparsen warten auf den Drehbeginn: HNA-Redakteurin Ulrike Pflüger-Scherb im Gespräch mit Willi Anagnostou.

In der Mittagspause gibt es für das über 40-köpfige Tatort-Team und die Komparsen Hamburger aus einem benachbarten Schnell-Restaurant.

Als die Pause vorbei ist, fängt es wieder an zu regnen. Erneut ist Warten angesagt. Dann wird unter Regie von Umut Dag noch ein Mal eine Szene vor dem Café gedreht. Die Kommissare kommen die Treppenstraße runter, so wie einst Heinz Erhardt in dem Film „Der letzte Fußgänger“. Um 16 Uhr ist alles im Kasten. Und endlich lässt sich auch die Sonne blicken.

Dreharbeiten für den Kasseler Tatort in der Treppenstraße

Dreharbeiten für den Kasseler Tatort in der Treppenstraße
 © Schachtschneider
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Rubriklistenbild: © Dieter Schachtschneider

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