Die Bühne war sein Zuhause

Kasseler Schauspieler Wolfram Mucha mit 77 Jahren gestorben

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Schauspieler mit Leib und Seele: Wolfram Mucha bei einer Führung durchs Staatstheater.

Während eines Urlaubs in Griechenland ist der beliebte Kasseler Schauspieler Wolfram Mucha an Herzversagen gestorben. Ein Nachruf.

Wolfram Mucha ist tot. Der beliebte Kasseler Schauspieler starb am vergangenen Freitag während einer Urlaubsreise in der Nähe von Epidaurus in Griechenland, wie uns seine Frau Karin Di Carlo-Mucha mitteilte. Er wurde 77 Jahre alt.

Dass es seine letzte Reise werden würde, hatte sich Wolfram Mucha gewünscht – auf andere Art: Er hätte gern diesen Ort, an dem er mit seiner Frau zahlreiche Urlaube verbracht hatte, zu seinem Wohnsitz gemacht, sagt Karin Di Carlo-Mucha. Nun ist der zuletzt durch mehrere Leiden stark geschwächte Schauspieler während des Urlaubs an Herzversagen gestorben. „Ein Sekundentod und irgendwie auch eine Art Erlösung.“ In diesem Gedanken findet Karin Di Carlo-Mucha Trost. Am heutigen Mittwoch wird Mucha in Epidaurus bestattet – er wird das Grab mit einem langjährigen Freund teilen.

Mucha wird fehlen

In Kassel wird vielen die vertraute bärtige Gestalt Wolfram Muchas fehlen. Am Bebelplatz, seinem Kasseler Lieblingsort, pflegte Mucha gern mit Freunden zusammenzusitzen. Seine Liebe zu Kassel war allerdings eine Liebe auf den zweiten Blick: Geboren wurde Mucha am 10. Dezember 1941 im schlesischen Brieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs er in Bochum auf und absolvierte seine Schauspielausbildung an der Essener Folkwang-Universität. 

Zusammen mit dem Intendanten Manfred Beilharz wechselte Mucha 1983 vom Theater Freiburg ans Staatstheater Kassel. „Ich hatte Tränen in den Augen, als ich zum ersten Mal nach Kassel kam“, erinnerte sich Mucha. Doch dann lernte er hier seine Frau Karin kennen, mit der er 34 Jahre verheiratet war.

Und er wurde zu einer Stütze des Schauspielensembles am Staatstheater. Unzählige große und kleinere Rollen hat er hier bis 2005 gespielt. Den Dorfrichter Adam in Kleists „Zerbrochenem Krug“, Shakespeares König Lear, in Komödien wie Neil Simons „Sonny Boys“ war er ebenso zu sehen wie als Pastor Kimball in der „Dreigroschenoper“. Dabei lag ihm durchaus das Schräge, so etwa, als er in Armin Petras’ Inszenierung von „Einer flog über das Kuckucksnest“ einen Irren spielte.

„Der olle Bukowski“

Die Rolle, mit der ihn viele Kasseler jedoch hauptsächlich verbinden, ist „der olle Bukowski“. Immer wieder schlüpfte Mucha in szenischen Lesungen in die Rolle des Schriftstellers und „King of Underground“ Charles Bukowski. Ob im Theaterstübchen, im Café am Bebelplatz oder in Joe’s Garage: Seine Auftritte, oft begleitet von Musikern wie Thomas „Stolle“ Stolkmann oder im Zusammenspiel mit der Schauspieler-Kollegin Sabine Wackernagel, waren Kult. Sogar als Adriano Celentano hat er einmal brilliert.

Auch außerhalb Kassels war Mucha aktiv. Jahrelang spielte er in der ARD-Vorabendserie „Marienhof“, er war im „Tatort“ zu sehen, und er trat mit Dieter Hallervorden bei den Berliner „Wühlmäusen“ auf.

Mucha war ein Bühnenmensch – aber auch einer, dem die Familie wichtig war. Mit den beiden Söhnen seiner Frau und dem „Enkelkind“ verband ihn eine enge Beziehung – ebenso mit einem großen Freundeskreis. Als Schauspieler hatte er sich lange Zeit gewünscht, bis zum letzten Atemzug auf der Bühne stehen zu können. Nun ist er an seinem südlichen Sehnsuchtsort gestorben – und auf der letzten Fahrt mit dem Campingmobil dorthin haben ihn, wie Karin Di Carlo-Mucha glaubt, vielleicht schon Todesahnungen begleitet.

Für seine Kasseler Freunde und sein Publikum bleibt Wolfram Mucha jedoch lebendig als ein toller Schauspieler und ein freundlicher, stets zugewandter Mensch.

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