Einer der Schwerpunkte ist die Reiseliteratur

Seit 1944 im Vorderen Westen: Kasseler Buchhandlung Hühn feiert heute 150. Geburtstag

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Prächtig vor der Kriegszerstörung: „Hof-Buchhandlung“ Hühn in Räumen an der Theaterstraße. Der Blick geht auf den Frieichsplatz. Heute steht hier die Galeria Kaufhof.

Kassel. Eine der ältesten Buchhandlung Kassels zu sein – mit diesem Prädikat kann sich die Buchhandlung Hühn gut und gerne rühmen. Inhaber Sami El-Schechli und Karin Geyer sind stolz: „Unsere traditionsreiche, durchgehend Inhaber geführte Buchhandlung besteht seit 150 Jahren und ist immer noch frisch und lebendig.“

Einer der Schwerpunkte des kleinen, feinen Buchladens zwischen Bebel- und Karl-Marx-Platz, ist die Reiseliteratur. Und sogar das ist in der soliden Tradition begründet: Als nämlich der Hamburger Kapitänssohn Alfred Blass, Schwiegersohn Dethard Hühns, 1922 in das Geschäft einstieg, brachte er seine Leidenschaft für Landkarten und ferne Länder mit nach Kassel.

Gründer Ernst Hühn

Namensgeber und Gründer Ernst Hühn wurde 1842 in Kassel geboren. Er erlernte den Buchhandel in seiner Heimatstadt und war Gehilfe in München und Stettin. Am 1. Mai 1868 eröffnete er am Schlossplatz in Kassel seine Buch-, Kunst- und Antiquariatshandlung nebst Leihbibliothek. Nach diversen Umzügen etablierte er sich 1873 am Friedrichsplatz. Auch verlegte Ernst Hühn bereits in den ersten zwölf Jahren über dreißig Bücher im eigenen Verlag, unter anderem Vilmars Schriften zum Kirchenkampf in Hessen.

Führen die Buchhandlung Hühn mit Leidenschaft und Augenmaß: Sami El-Schechli und Karin Geyer in ihrem Element, inmitten ihrer vielen Bücher, die sie ihren Kunden gerne ans Herz legen.

Nach dem Tod des Gründers 1898 übernahm Sohn Dethard Hühn die Firma. Noch im gleichen Jahr wurde ihm vom Landgrafen der Titel „Hof-Buch- und Kunsthändler“ bestätigt. Unter seiner Leitung fand die Buchhandlung ihr Domizil in der Theaterstraße.

1922 trat Alfred Blass als Mitarbeiter in die Firma ein. Später wurde er Teilhaber. Er war verheiratet mit Hildegard, der Tochter Dethard Hühns. Blass fiel 1944 in Königsberg. Dethard Hühn starb 1946.

Zerstörung 1943

Nach der Zerstörung der Geschäftsräume in der Theaterstraße durch den Luftangriff auf Kassel im Oktober 1943 übersiedelte die Buchhandlung 1944 in die Hohenzollernstraße, heute Friedrich-Ebert-Straße 137. Eine Lizenz der Militärregierung vom 10. Dezember 1945 ermöglichte nach Kriegsende ein bescheidenes Weiterarbeiten in beengten Räumen. Da der Sohn des letzten Besitzers, Gorig Brunner, noch minderjährig war, wurde die Firma von verschiedenen Bevollmächtigten weitergeführt.

Seit 1944 im Westen: Die Buchhandlung Hühn an der Friedrich-Ebert-Straße 137, aufgenommen in den 50er-Jahren.

1958 trat Hans-Martin Beume, Buchhändler aus Hamburg, in das Kasseler Unternehmen ein. Für ein paar Jahre führte er mit Gorig Brunner die Geschäfte gemeinsam bis er 1966 Alleininhaber wurde. In größeren Räumen an der Stelle des bisherigen Behelfsquartiers konnte 1963 schließlich wieder eine „Junge Galerie“ angeschlossen werden, die die Bemühungen der Buchhandlung um zeitgenössische Kunst fortsetzte.

Seit 1944 im Kasseler Westen

Als weiterer Inhaber übernahm 1978 Buchhändler Walther Schetelig aus Frankfurt die Firma. Er und seine Frau prägten das Geschäft im Vorderen Westen. Der Schwerpunkt Reiseliteratur und Landkarten wurde durch sie ausgebaut. 

Christa Schetelig (Ganz rechts)  führte die Buchhandlung bis 2005.

Nach dem Tod ihres Mannes führte Christa Schetelig das Geschäft allein. 2005 fand sie in ihrem Mitarbeiter Sami El-Schechli und Karin Geyer geeignete Nachfolger, die die Buchhandlung „in der Verbindung von Tradition und Moderne“ leiten. El- Schechlis Vorliebe ist es, „aus dem Meer der 80 000 Neuerscheinungen im Jahr die Perlen herauszufischen“. Diese Sortimentsauswahl werde von den Kunden sehr geschätzt. 

Termin: Heute feiert die „Buchhandlung Hühn“ ab 11 Uhr mit ihren Kunden bei einem Sektempfang und einer Büchertombola Geburtstag.

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