Preis ist mit 10.000 Euro dotiert

Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ geht an Ärzte ohne Grenzen

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Verleihung des Kasseler Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft“: Die Vereinsvorstände Dieter Mehlich (von links) und Bernd Leifeld, Staatstheater-Intendant und Gastgeber Thomas Bockelmann, Laudatorin Dr. Antonia Rados, Dr. Volker Westerbarkey als Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Festrednerin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Bürgerpreis-Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Hansjörg Melchior und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). 

Kassel. Der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wurde an die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verliehen. Sie sorgen in Kriegs- und Krisengebieten im freiwilligen Einsatz weltweit dafür, dass Menschen in Not medizinische Hilfe bekommen.

Dr. Volker Westerbarkey, Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion der internationalen Hilfsorganisation, nahm am Sonntag den mit 10.000 Euro dotierten Preis im Staatstheater Kassel vor 600 Gästen der Verleihungsfeier entgegen.

Der Allgemeinarzt aus Berlin dankte „allen Kasselern, Kasselanern und Kasselänern“ für die Auszeichnung. Es werde für die Ärzte ohne Grenzen immer schwieriger, jene Menschen zu erreichen, die Hilfe bräuchten. Die Organisation sehe sich „offenen Anfeindungen“ ausgesetzt, wenn sie Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten wolle. Inzwischen würde man kein Geld mehr von der Europäischen Union annehmen, „solange sie die Hilfe für Menschen an ihren Grenzen unmöglich macht“. Man wolle nicht Teil eines Systems sein, „das Hilfe verweigert“.

Deshalb sei es gut, dass in Kassel ein Signal gesetzt werde, um klar zu machen, was das Ziel der Ärzte sei: „Wir helfen Menschen in Not. Punkt.“

Wie wichtig öffentliche Unterstützung und Anerkennung für die Organisation sei, hatte Bernd Leifeld betont. Der Vorstandsvorsitzende des Bürgervereins mit 300 Mitgliedern überreichte den Preis gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Dieter Mehlich. Mit der Verleihung solle das außergewöhnliche humanitäre Engagement gewürdigt werden. Der zum 27. Mal verliehene Bürgerpreis wurde im Jahre 1990 von Bürgern aus Stadt und Region gestiftet. Anlass war damals die Öffnung des Eisernen Vorhanges am 9. November 1989 und die folgende deutsch-deutsche Wiedervereinigung.

„Während wir hier zusammenkommen, sterben anderswo Menschen durch Gewalt“, sagte Dr. Antonia Rados in ihrer Würdigung der Preisträger. „Man will in Kriegsgebieten nicht die Gräber weiter füllen, sondern Leben retten“, betonte die ORF-Fernsehkorrespondentin, die früher für RTL aus den Krisengebieten der Welt berichtet hatte. Die Bombardierung von Krankenhäusern, der auch Helfer der Ärzte ohne Grenzen zum Opfer gefallen wären, sei ein Kriegsverbrechen.

Professorin Dr. Nicole Deitelhoff (Uni Frankfurt) appellierte in ihrer Festrede: „Wir müssen für unsere Prinzipien streiten.“ Es gehe um Toleranz, Vernunft, Freiheit, Menschenwürde, Frieden und die Überwindung ideologischer Schranken. Diese Errungenschaften der Aufklärung dürften nicht aufgegeben werden. „Die Politik der Angst ist der Tod der liberalen Gesellschaft“, mahnte die Politikwissenschaftlerin und Oppositionsforscherin.

Für die musikalische Begleitung der Preisverleihung sorgte Aeham Ahmad. Der Pianist aus den Trümmern, der nahe Damaskus auch nach den Bombardements weiter Musik machte, musste mit ansehen, wie Islamisten sein Klavier vor seinen Augen verbrannten. Die Verleihung des Glases der Vernunft in Kassel, sagte der Musiker, der inzwischen mit seiner Familie in Deutschland lebt, habe ihn sehr berührt.

Deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen nahm 1993 die Arbeit auf 

Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen nahm im Jahr 1993 die Arbeit auf. Als Teil des internationalen Netzwerkes von Médecins Sans Frontières – die internationale Organisation wurde bereits 1971 in Frankreich gegründet – verfolgt der gemeinnützige Verein als unabhängige Organisation eines freiwilligen Arbeitseinsatzes das Ziel, Menschen in Not zu helfen. Und zwar ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen und politischen Überzeugung. Der Verein mit 550 Mitgliedern und nahezu 8000 Fördermitgliedern macht auf die schwierige Lage notleidender Menschen aufmerksam und tritt für deren Würde ein, nicht selten unter Gefahr für Leib und Leben der Helfer. Wo medizinische Versorgung am dringendsten gebraucht wird, in den ärmsten Regionen der Welt, in Katastrophen-, Krisen- und Konfliktgebieten, leisten die Ärzte ehrenamtlich Nothilfe, erheben ihre Stimme und machen Not und Entbehrung öffentlich.

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