Casseler Freyheit hat lange Tradition

So will Kassel mit verkaufsoffenen Sonntagen umgehen

+
Volle Fußgängerzone: Tausende kamen 2017 zum Frühlingserwachen am verkaufsoffenen Sonntag in die Kasseler Innenstadt. Stelzenläufer und Gaukler begeisterten die Besucher. 

Kassel. In Frankfurt und Hanau soll es 2018 keine verkaufsoffenen Sonntage mehr geben. Wir haben nachgefragt, wie die Situation in Kassel ist.

„Verkaufsoffene Sonntage sind für uns ein wichtiger Umsatzfaktor“, sagt Alexander Wild, der Vorsitzende der Kasseler City Kaufleute. Die Sonntagsöffnung sichere das Überleben des Einzelhandels über das Geschäftsjahr.

Mit Blick auf Frankfurt stellt Wild aber klar: „Die Grundlage ist in Kassel eine andere.“ Während in der Mainmetropole Sonntagsöffnungen zum Museumsuferfest, zur Internationalen Automobil-Ausstellung und zur Buchmesse stattfanden, hat der verkaufsoffene Sonntag in Kassel, zumindest der zur Casseler Freyheit, einen historischen Ursprung.

1336 hatte nämlich Landgraf Heinrich der Eiserne Kassel das Recht verliehen, an vier Sonntagen im Jahr zusätzlich Handel zu treiben – verbunden mit der Auflage, gleichzeitig einen Jahrmarkt als Rahmenveranstaltung auszurichten. Die Sonntagsöffnung in Kassel ist im Gegensatz zu Frankfurt auch räumlich begrenzt, heißt es von der Stadt Kassel. Zudem stehe nicht das Einkaufen, sondern das Fest im Vordergrund, sodass man sich keine Sorge um zukünftige Öffnungen mache.

Bislang gab es in Kassel nur die Casseler Freyheit im Herbst – neu ist, dass es seit diesem Jahr zwei „Freyheiten“ gibt. „Das Frühlingserwachen wird zur Frühlings-Freyheit“, sagt Birgit Kuchenreiter von Kassel Marketing. Ein Grund sei, dass man in den vergangenen Jahren beim Frühlingserwachen immer Probleme mit dem Wetter gehabt habe. Deshalb habe man sich entschieden, die neue „Frühlings-Freyheit“ mit verkaufsoffenem Sonntag später stattfinden zu lassen und noch mehr auf die historischen Ursprünge zuzuschneiden.

Das hessische Ladenöffnungsgesetz erlaubt jährlich bis zu vier verkaufsoffene Sonn- oder Feiertage. Kommunen können diese aus Anlass von Märkten, Messen, örtlichen Festen oder ähnlichen Veranstaltungen genehmigen. Dabei muss allerdings ein Zusammenhang zwischen den Anlässen und der Öffnung bestehen. So zumindest lautete die Forderung der Gerichte. Auch darf der Schwerpunkt nicht auf der Geschäftsöffnung liegen.

Kassel und Frankfurt nicht vergleichbar

Dass man Kassel und Frankfurt nicht vergleichen könne, bestätigt auch Axel Gerland, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Nordhessen. In Frankfurt habe die Öffnung immer für die ganze Stadt gegolten. In Kassel hingegen habe es diesen Wildwuchs nie gegeben. Nichtsdestotrotz müsse man sich aber auch in Kassel fragen, ob der Fokus bei allen Veranstaltungen noch auf dem Fest und nicht auf dem Sonntagseinkauf liegt. Bei der Casseler Freyheit ist die Diskussion unstrittig, aber bei den anderen Öffnungen muss man vielleicht mal darüber sprechen, so Gerland.

Das unterstützt auch Pfarrer Jochen Gerlach, der Leiter des Referats Arbeit-Wirtschaft-Soziales bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Hinzukäme die Forderung der Kirche, dass am Sonntag generell nicht gearbeitet werden solle.

Die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage ist nicht neu. „In Kassel allerdings gibt es seit fast 15 Jahren eine Einigung zwischen allen Organisationen auf die vier verkaufsoffenen Sonntage – zwei in der Innenstadt, einen im Dez mit Anknüpfung an das Märchenfest und die Öffnung im Industriepark Waldau“, sagt Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord. Die Einigung sei vielleicht ein Vorteil gegenüber anderen Städten.

Das ist neu an der Casseler Freyheit

Freyheit: So nannte man in Kassel ursprünglich die im 14. Jahrhundert von Landgraf Heinrich II. gegründete Stadt, die rund um die spätere Martinskirche entstand. Heute steht der Begriff vor allem für das 1336 durch den Landgraf verliehene Recht, an vier Sonntagen im Jahr zusätzlich Handel zu betreiben – verbunden mit der Auflage, gleichzeitig einen Jahrmarkt als Rahmenveranstaltung auszurichten. Diesen Jahrmarkt kennen wir heute als Stadtfest Casseler Freyheit. 

2018 wird das Fest erstmals zwei Mal gefeiert. Vom 26. bis 29. April 2018 findet die Casseler Frühlings-Freyheit mit einem Mittelaltermarkt auf dem Königsplatz und vom 25. bis 28. Oktober die Casseler Herbst-Freyheit statt. Das detaillierte Programm zur Herbst-Freyheit ist zwar noch nicht bekannt, doch von Kassel Marketing hieß es, dass der Fokus im Herbst traditionell auf den Darbietungen von Gauklern und Spielleuten liegen solle. Bei beiden Festen wird es jeweils einen verkaufsoffenen Sonntag geben.

Impressionen von der Casseler Freyheit 2017

Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA
Casseler Freyheit 2017
 © Andreas Fischer / HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.