Kassels Wahrzeichen

Der Herkules ist seit langem auch als Ausflugsziel die Nummer eins

Der Sonntagsausflug in den Bergpark und zum Herkules gehört seit Generationen zum Familienprogramm in Kassel. Viele nahmen dafür einen längeren Spaziergang in Kauf.

Bereits entlang der Wilhelmshöher Allee und auf anderen Wegen zum Bergpark gab es zahlreiche Ausflugslokale. Wenn Kaiser Wilhelm II. seine Sommerresidenz in Kassel besuchte, dann kam er mit dem Sonderzug nach Wilhelmshöhe und ließ sich vom Bahnhof mit der Kutsche zum Schloss fahren. Auch von Ausflügen im Bergpark gibt es Fotos, ebenso von Ausritten der kaiserlichen Familie.

Ausritt: Die kaiserliche Familie mit Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria war vor 1918 oft im Bergpark unterwegs. Foto:  nh

Beliebte Ausflugsbahn schaffte 17 Prozent Steigung

Ab 1903 wurde der Weg zum Herkules deutlich leichter. Damals begann der Personenverkehr auf der Herkulesbahn, die mehr als sechs Jahrzehnte Kassels beliebteste Ausflugsbahn war. Mit bis zu 20 Stundenkilometern fuhr die Bahn den Berg zum Herkules hinauf und bewältigte dabei eine außergewöhnliche Steigung von 17 Prozent. 

Die Chronisten lobten die Kühnheit der Konstruktion, einige hatten aber auch Bedenken. Ein zeitgenössischer Kommentar: „Der Henkel will ohne Zahnstangen zum Herkules fahren, da muß man erst sein Leben versichern...“ Die Bedenken waren übertrieben, es ging auch ohne Lebensversicherung.

Lokal mit eigener Fischzucht im Lac - Ringelnatz oft zu Gast

Mit der Bahn und einem Spaziergang erreichte man zum Beispiel die Gaststätte Elfbuchen oder das Kaskaden-Restaurant. Das waren damals wie heute beliebte Ausflugslokale. Der Name Elfbuchen stammt aus der Zeit, als das Gelände noch nicht aufgeforstet war und als Hutefläche für Schweine genutzt wurde. Noch aus landgräflicher Zeit standen hier elf Hutebuchen, die dem Lokal mit dem 1879 gebauten Turm seinen Namen gaben.

Vor dem Ansturm der Gäste: So sah die Kaskaden-Gastwirtschaft im Bergpark Wilhelmshöhe vor etwa 100 Jahren aus. Foto:  Privat/nh

Zu den Lokalen im Umfeld des Bergparks gehörte das Hotel Ridinger Schloss mit dem Café Mulang an der Löwenburgstraße. Betrieben wurde es vor 100 Jahren von Wilhelm Ledderhose, der im Lac unterhalb von Schloss Wilhelmshöhe eine Fischzucht betrieb. Für seinen Fisch war er in ganz Kassel bekannt.

Bei ihm im Lokal soll der bekannte Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934) in den 1920er Jahren häufiger eingekehrt sein. Er war mehrfach zu Gastspielen in Kassel und hat wohl gern das eine oder andere Glas Wein getrunken. Ihm wird folgender Reim zugeschrieben: „Ich brauche mindestens zwei Flöhe, für einen Reim auf Wilhelmshöhe.“

Beliebtes Ausflugsziel: Die historische Aufnahme zeigt die Gaststätte Elfbuchen in den 1930er-Jahren. Foto:  Privat/nh

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