„Nichts kann Blut ersetzen“

Blutspende: Ein Herzchirurg berichtet aus seinem Alltag

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Wirbt fürs Blutspenden: Dr. Meradjoddin Matin ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie am Klinikum Kassel. Trotz des medizinischen Fortschritts sind die Ärzte weiter auf Spenderblut angewiesen. 

Der Kasseler Herzchirurg Dr. Matin ist bei Notoperationen auf das Blut von Blutspendern angewiesen - nur so kann er Leben retten.

Kassel - Bis zwei Uhr hat Dr. Meradjoddin Matin am OP-Tisch gestanden. Er hat ein Leben gerettet. Für den Herzchirurgen ist das Routine. Genauso, wie bei Notfällen auf Schlaf zu verzichten.

So war es auch diesmal: Kaum zuhause angekommen, erreichte den 56-Jährigen am Donnerstagabend die Nachricht eines Notfalls: Ein 75-jähriger Mann war zusammengebrochen. Seine Frau hatte die Rettungskräfte alarmiert und bis zu deren Eintreffen ihren Mann mittels Herzdruckmassage am Leben zu halten versucht. Der Notarzt stellte Kammerflimmern fest.

Dank Dr. Matin, der seit sieben Jahren am Klinikum Kassel arbeitet, hat der Rentner den Vorfall überlebt. Er hat in einer mehrstündigen Notoperation drei Bypässe bekommen. Und drei von der Blutbank bereitgestellte Blutkonserven.

„Nichts auf der Welt kann Blut ersetzen“, sagt Herzchirurg Matin. Auch deshalb schätzt der gebürtige Afghane, der in den 1980er-Jahren zum Studium nach Deutschland gekommen ist, die HNA-Blutspendeaktion. Obwohl aufgrund moderner OP-Technik und kleinerer Wunden mittlerweile deutlich weniger Blutkonserven als früher benötigt werden, sind die Herzchirurgen und ihre Patienten weiter auf Spenderblut angewiesen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes wird das meiste Blut zur Behandlung von Krebspatienten benötigt; dahinter folgen dann Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten, Sport- und Verkehrsunfälle.

Sechs bis acht Blutkonserven bei Notfällen

Bei elektiven Operation, also jenen, die nicht dringlich sind, benötige das Team der Herzchirurgie des Klinikums bei über 100 Operationen pro Monat rund 20 Konserven, im Schnitt zwei pro Patient. Bei Notfällen hingegen seien im Schnitt sechs bis acht Blutkonserven pro Behandlung notwendig, erläutert der Leitende Oberarzt.

Noch mehr werden es bei extremen Notfällen: etwa bei Patienten, deren Hauptschlagader geplatzt ist. „Sie verlieren immens viel Blut“, sagt Meradjoddin Matin. Zehn bis 14 Blutkonserven kämen in solchen Fällen zum Einsatz, die den Mediziner und sein Team schon mal bis zu zwölf Stunden an den OP-Tisch zwingen.

Die meisten Patienten behandeln die Herzspezialisten vom Möncheberg aufgrund koronarer Herzerkrankungen. Klappenchirurgie und Aneurysmen gehören zum Tagesgeschäft. „Wir machen alles außer Transplantation und Kinderherzchirurgie“, fasst Dr. Matin zusammen.

Der Altersdurchschnitt seiner Patienten habe sich im Lauf der Jahre nach hinten verschoben; zwölf Prozent seien heute über 80 Jahre alt. Auch das ist ein Resultat des medizinischen Fortschritts. Die Komplikationsrate ist geringer geworden. „Heute muss man ein Brustbein nicht mehr aufmachen“, sagt der Mediziner. Wo früher nach einer OP ein Schnitt vom Hals bis zum Bauchnabel prangte, macht die Narbe heute etwa 15 Zentimeter aus, bei minimalinvasiven gar nur acht Zentimeter. „Je kleiner die Wunde, desto geringer die Nachblutung“, resümiert Matin.

Und doch setzen die Ärzte natürlich unbedingt auf Spenderblut, denn einen künstlichen Ersatz gibt es nicht. Der dreifache Familienvater ist selbst Blutspender. Und er findet: „Wer gesund ist, der sollte spenden.“

HNA-Blutspendeaktion im Regierungspräsidium

Blut spenden – Leben retten: In der kommenden Woche, von Dienstag bis Freitag, 9. bis 12. Juli, startet die HNA erneut eine Blutspendeaktion. Das Kasseler Institut des DRK-Blutspendedienstes Baden Württemberg-Hessen hatte in einigen Einladungen irrtümlich den 13. Juli mitangegeben; die Aktion endet jedoch am Freitag, 12. Juli, um 18 Uhr. 

In den Tagen zuvor kann jeweils von 10 bis 18.30 Uhr in den Räumen des Regierungspräsidiums gespendet werden. Die Spender können kostenlos parken und werden mit Getränken, Snacks uns Essen versorgt. Als kleines Dankeschön gibt es wahlweise Freikarten für die Kurhessen-Therme für vier (bis Ende August sogar bis fünf Stunden) oder für einen Kinobesuch im Cineplex-Capitol in Kassel oder Baunatal. Fragen rund um das Thema Blutspende können auch unter der kostenlosen Hotline des DRK gestellt werden: 0800-1 19 49 11.

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