Gedrückte Stimmung nach Betriebsversammlung

Kasseler Kaufhof-Beschäftigte sorgen sich um ihre Jobs

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Beschäftigte in Sorge: Auch bei der Galeria Kaufhof an der Oberen Königsstraße soll nach den Vorstellungen der Konzernleitung ein Teil der 200 Arbeitsplätze wegfallen.

Der konzernweit angekündigte Stellenabbau nimmt nun auch bei der Galeria Kaufhof in Kassel Konturen an: Ein Teil der rund 200 Arbeitsplätze in Nordhessens größtem Kaufhaus soll nach den Plänen der Unternehmensleitung wegfallen. 

Es zeichne sich ab, dass in „erheblichem“ Umfang Jobs abgebaut  werden, teilte die Gewerkschaft Verdi nach einer Betriebsversammlung mit, bei der über die Pläne auf Konzernebene informiert wurde.

Konkrete Zahlen für Kassel wurden dabei noch nicht genannt, jedoch sei die Angst vor Arbeitsplatzverlust das beherrschende Thema im Haus, berichteten Teilnehmer der Veranstaltung, zu der über 100 Beschäftigte gekommen waren: „Die Stimmung ist sehr gedrückt“. Dass es auch in Nordhessens größtem Warenhaus schmerzhaft werden wird, sei allen Beteiligten klar. Der örtliche Betriebsrat wollte gegenüber der HNA derzeit keine Stellungnahme abgeben.

Thema der Versammlung waren die Bedingungen des Sozialplans, den die Leitung des neuen Konzerns mit dem Gesamtbetriebsrat ausgehandelt hat. Bundesweit sollen 1000 Vollzeitstellen wegfallen. Das heißt, dass bis zu 1300 Mitarbeiter gehen müssen, da viele von ihnen in Teilzeit arbeiten. In Kassel sind das rund 40 Prozent der 200 Kaufhof-Beschäftigten.

Auch für den hiesigen Standort wird derzeit  wohl geprüft, wer wann gehen muss. Eine Anfrage bei der Kaufhof-Zentrale, in welcher Größenordnung sich das Unternehmen das vorstellt, blieb bis zum Mittwoch unbeantwortet. Wenn der Sozialplan Mitte Juli greift, drohen auch betriebsbedingte Kündigungen. Bis dahin sollen sich Mitarbeiter wie auch an anderen Standorten entscheiden, ob sie freiwillig gehen oder ihre Arbeitsstunden reduzieren.

Laut Sozialplan richten sich Abfindungen nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit, maximal soll es 18 Monatsgehälter geben. Wer freiwillig geht, soll eine höhere Abfindung bekommen.

„Viele haben Angst um ihren Job und befürchten Arbeitslosigkeit“, sagte Handelssekretär Manuel Sauer von Verdi Nordhessen. Um das Unternehmen zu sanieren, seien zukunftsfähige Konzepte nötig, statt lediglich auf Personalabbau zu setzen, sagte der Gewerkschafter. Er forderte für die Konzernbeschäftigten „existenzsichernde Löhne und Gehälter, die nicht in die Altersarmut führen“.

Mit Inkrafttreten der Fusion war die neue Konzernleitung im April auch für die Kaufhof-Beschäftigten aus der Tarifbindung im Einzelhandel ausgetreten.

Für die Mitarbeiter bei Karstadt gelten die Lohnanpassungen des Flächentarifvertrags schon seit 2016 nicht mehr; seit einer Sanierungsvereinbarung verdienen sie nach Gewerkschaftsangaben etwa 13 Prozent weniger. Ähnliche Einschnitte wolle die Konzernleitung nun auch bei den Kaufhof-Beschäftigten erreichen, sagt Verdi.

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