Stadtmuseum eröffnet neue Sonderausstellung

Ostalgisches Andenken: Kasseler Paar steuert Stück Grenzzaun für 80er-Ausstellung bei

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Aus dem Wohnzimmer ins Museum: Das Ehepaar Elke Bockhorst und Jörg Sperling stellt ein Stück Grenzzaun als Leihgabe für die Ausstellung „Ab in die 80er!“ im Stadtmuseum zur Verfügung.

Die 80er-Jahre waren nicht nur Zauberwürfel, Vokuhila und Walkman, sondern vor allem ein Jahrzehnt des politischen Umbruchs.

Dies wird auch in der neuen Sonderausstellung „Ab in die 80er!“ sichtbar werden, die ab 2. November im Stadtmuseum zu bestaunen ist. Für die Schau hat das Museum viele Exponate mit Zeitkolorit von den Kasselern als Leihgaben erhalten. Wir stellen eines der Stücke vor.

Manche schmücken ihr Wohnzimmer mit Dekoschalen, andere mit Kunstdrucken oder Vasen. Beim Kasseler Ehepaar Jörg Sperling und Elke Bockhorst steht seit 30 Jahren ein Stück Metallzaun in der guten Stube. Dieses hat dort bei Gästen schon für viele fragende Blicke gesorgt. 

Nun wird es Teil der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum. Denn bei dem Streckmetall handelt es sich um ein Stück Grenzzaun, das sich das Ehepaar wenige Wochen nach der Grenzöffnung in einer schweißtreibenden Aktion als ostalgisches Andenken gesichert hat.

Grenze war immer präsent

Die deutsch-deutsche Grenze war für Sperling und Bockhorst immer sehr präsent. Der 67-Jährige, der heute Vorsitzender des documenta forums ist, und seine 60-jährige Frau waren schon vor der Wende häufig im Osten. 

Sie besuchten Verwandtschaft in Dresden und Weimar. „Eine Grenzüberfahrt war mit vielen Schikanen verbunden. Nicht selten hat es eine oder anderthalb Stunden gedauert, bis unsere Papiere geprüft und das Auto durchsucht war“, erzählt Bockhorst. Das habe sich eingebrannt.

Als die Grenze fiel, machte sich das Paar daran, den Osten Deutschlands zu erkunden. Und so waren sie im Dezember 1989 mit ihrem Auto an der hessisch-thüringischen Grenze unterwegs. In der Nähe von Raßdorf (Hersfeld-Rotenburg) kamen sie auf einer Anhöhe an dem aufgeschnittenen Grenzzaun vorbei. „Die Enden des Zauns pendelten im Wind“, erinnert sich Sperling. Sofort war beiden klar, dass sie sich hier ein Andenken mitnehmen wollten. Das Problem: Sie hatten kein Werkzeug dabei.

Also knickten sie ein Stück des Grenzzauns so lange hin und her, bis es abbrach. „Das hat bestimmt eine Dreiviertelstunde gedauert“, erzählt Bockhorst. Ihr Mann wollte schon längst aufgeben, aber sie bewies Ausdauer.

Gitter seit 30 Jahren im Wohnzimmer

Am Ende sollten die Kasseler belohnt werden. So steht das Metallgitter nun seit 30 Jahren im Wohnzimmer. Für die beiden hat es einen „hohen symbolischen Wert“. Deshalb wollen sie es nach der Ausstellung auch unbedingt wiederhaben.

Das Stück Grenzzaun ist nicht das einzige Exponat, dass das Paar zur Ausstellung beisteuert. Auch etliche Fotografien aus Berlin, die die beiden 1989 machten, sind Teil der neuen Ausstellung.

Infos:Die Sonderausstellung „Ab in die 80er!“ ist vom 2. November bis 6. September 2020 im Stadtmuseum zu sehen. Eintritt: 4 Euro, ermäßigt drei Euro, Kinder frei. Öffnungszeiten: Di & Do-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, Mo geschlossen.

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