Umbau weit fortgeschritten

Die Kasseler Sparkasse setzt auf Digitales 

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Führen die Kasseler Sparkasse ins digitale Zeitalter (von links): Vorstandsvorsitzender Ingo Buchholz, dessen Vertreter Jochen Johannink, Wolfram Ebert und Dr. Ralf Beinhauer. 

Kassel. Die Kasseler Sparkasse erwartet vorerst keinen Zinsschritt nach oben. Damit dürfte die Null- beziehungsweise Niedrigzinsphase weiter anhalten.

„Wir glauben, dass die Leitzinsen erst nach dem zweiten Quartal 2019 steigen“, sagte Vorstandsvorsitzender Ingo Buchholz am Freitag bei Vorlage des Geschäftsberichts für 2017. Damit stellt sich das mit Abstand größte regionale Kreditinstitut auf eine weitere Durststrecke ein. Denn der seit Jahren sinkende Zinsüberschuss – also die Differenz zwischen gezahltem und gewährtem Zins – macht fast 80 Prozent der jährlichen Erträge aus. Dennoch hat sich die Sparkasse wacker geschlagen. Durch Mehrgeschäft in wichtigen Bereichen konnten die rückläufigen Zinseinnahmen teilweise ausgeglichen werden. Das Betriebsergebnis sank aber um 6,5 Prozent auf 52,8 Millionen. Euro.

Die Kasseler Sparkasse will ihren Wachstumskurs schrumpfenden Zinsmargen, zunehmender Regulierung und steigenden Online-Anforderungen zum Trotz fortsetzen. „Optimieren, standardisieren und digitalisieren“ lautet die Losung für die kommenden Jahre. „Wir werden digital und bleiben Sparkasse“, bringt Vorstandschef Ingo Buchholz die vor Jahren eingeleitete Transformation des Kreditinstituts zum Mehrkanalanbieter auf den Punkt.

Das heißt: Die Sparkasse passt ihr Angebot an die wachsenden Online-Bedürfnisse ihrer Kunden an, bleibt aber als öffentlich-rechtliches Institut Mittelstandsfinanzierer, Existenzgründerbank und Finanzdienstleister der Kommunen fest in der Region verankert.

Gleichzeitig hat die Sparkasse ihre Organisation gestrafft. Wie berichtet, sank die Zahl der Filialen binnen Jahresfrist von 81 auf 45, die der Mitarbeiter um 83 auf 1007. Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht. Die Sparkasse nutzte die natürliche Fluktuation, gut angenommene Altersteilzeitregelungen sowie unerwartet viele Renteneintritte und reduzierte vorübergehend die Zahl der Azubis.

Buchholz betonte aber, dass die Sparkasse mit 45 Beratungscentern „das dichteste Filialnetz mit der größten Zahl an Beratern in der Region“ bereithält. „Es gibt keinen Mitbewerber, der so präsent ist in der Fläche wie wir.“

Durch den Personalabbau konnten die Kosten trotz Lohnsteigerungen weitgehend stabil gehalten werden. Rückläufige Zinseinnahmen wurden durch Mehrgeschäft zum Teil ausgeglichen, sodass das mit mehr als 200 000 Kunden in Stadt und Kreis Kassel größte regionale Kreditinstitut in Nordhessen ein solides Ergebnis ausweist. Der Zinsüberschuss – die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle – sank um 3,7 Prozent auf 108,3 Millionen Euro. Dafür stieg der Provisionsüberschuss – die zweitwichtigste Einnahmequelle – um 1,8 Prozent auf 33,5 Mio. Euro.

Dass der Zinsüberschuss nicht noch stärker sank, liegt an der kräftigen Ausweitung des Kreditneugeschäfts, das um 4,7 Prozent auf 624 Mio. Euro zulegte. Somit summierte sich das Gesamtkreditvolumen im Berichtsjahr auf fast 3,6 Mrd. Euro – ein Plus von 2,2 Prozent. Dem standen um 1,3 Prozent auf 4,25 Mrd. Euro gestiegene Kundeneinlagen gegenüber. Damit bleibt der Sparkasse, die das Geld der Sparer einsammelt und es an Kunden in der Region verleiht, noch genügend Spielraum für weitere Geschäfte.

Die starke Marktposition und gute Finanzausstattung der Kasseler Sparkasse – die Eigenkapitalquote ist mit 25,5 Prozent deutlich höher als bei vielen anderen Kreditinstituten – ist auch das Ergebnis einer boomenden, investitionsfreudigen Wirtschaft in der Region. Für zusätzliche Dynamik sorgen auch die privaten Haushalte, die angesichts sicherer Arbeitsplätze in Immobilien investieren und den Konsum ankurbeln.

Die Sparkasse will den Modernisierungskurs fortsetzen. „Wir haben digitales Banking und Beratungskompetenz vor Ort erfolgreich miteinander verknüpft und investieren in den nächsten Jahren 30 Millionen in unsere Beratungscenter“, kündigte Buchholz an.

Arbeitgeber, Investor, Steuerzahler und Spnosor

Rein rechnerisch hat die Hälfte der 440.000 Einwohner in Stadt und Kreis Kassel ein Konto bei der Kasseler Sparkasse. Sie ist damit nicht nur das größte regionale Kreditinstitut in Nordhessen, sondern auch ein wichtiger Auftraggeber, Steuerzahler und Sponsor. Der Fiskus kassiert für 2017 rund 15,2 (Vorjahr: 16,6) Millionen Euro Ertragsteuern. Für Löhne und Gehälter gab die Sparkasse 48,1 (48,2) Mio. Euro aus. Davon zahlen die Mitarbeiter Einkommensteuer. Die Investitionen des Kreditinstituts beliefen sich auf 29,8 (29,1) Mio. Euro, die ganz überwiegend in der Region blieben. Für mehr als 1000 Projekte im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich gab die Sparkasse 1,6 (1,5) Mio. Euro aus. Dieses Geld wird auch Bürgerdividende genannt und ist Bestandteil des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Unternehmens. 

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