Partei entscheidet über Große Koalition

116 Neueintritte in Kasseler SPD seit Januar

Kassel. Bis Freitag konnten die Mitglieder der SPD abstimmen, ob sie für oder gegen den Koalitionsvertrag mit CDU und CSU sind. Am Sonntag wird das Ergebnis bekannt gegeben.

Die Kasseler Sozialdemokratin Esther Kalveram wird am Sonntag zu den ersten Menschen in Deutschland gehören, die wissen, ob es zu einer Neuauflage der Großen Koalition in Berlin kommt. Kalveram, Mitglied im SPD-Unterbezirk Kassel Stadt, gehört nämlich zur Mandats- und Zählkommission. Und deren Mitglieder passen auf, dass bei der Auszählung der Stimmzettel ab Samstagnachmittag in Berlin alles korrekt zugeht.

Allerdings wird Kalveram – vor der offiziellen Verkündigung – niemandem das Ergebnis mitteilen können. „Wir müssen unsere Handys abgeben.“ Sie ist sich aber sicher, dass am Sonntagvormittag zeitnah verkündet wird, ob die Genossen für oder gegen die GroKo gestimmt haben.

Sie wird mit als Erste wissen, ob die GroKo kommt: EstherKalveram aus Kassel ist Mitglied in der Mandats- und Zählkommission, die am Sonntag die Stimmauszählung nach  der Abstimmung der SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag überwacht. 

Im Vorfeld will sich die 51-Jährige aber nicht festlegen. „Ich kann nicht einschätzen, wie es ausgeht. Da muss man vorsichtig sein.“ Schließlich habe auch niemand im Vorfeld geglaubt, dass Donald Trump Präsident der USA wird und die Briten für den Brexit stimmen.

Allerdings ist sie sich relativ sicher, dass die Mehrzahl der Genossen in Nordhessen und Kassel für die GroKo gestimmt haben. „Wir sind eher pragmatisch.“ Kalveram, die bei der Kasseler SPD für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat selbst mit „Ja“ gestimmt. Sie habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, weil es auch gute Gründe gebe, gegen die GroKo zu stimmen. „Man muss aber einen realistischen Blick haben. Was wird besser, wenn ich ‘Nein’ sage? Diese Frage habe ich mir gestellt.“

Nicht nur junge Neumitglieder

Seit Anfang des Jahres sind in Kassel 116 neue Mitglieder in die SPD eingetreten, 69 im Januar und 47 im Februar. Somit ist die Gesamtmitgliederzahl auf aktuell 1561 Genossen in der Stadt angewachsen. Wer aber meint, dass nur junge Menschen in die SPD eingetreten sind, die die NoGroKo-Kampagne der Jusos unterstützen wollen, der täuscht sich, sagt SPD-Geschäftsführerin Sabine Wurst. „Es sind alle Altersklassen vertreten.“ Von den 69 Januar-Eintritten sind 34 über 40, 17 sind bereits zwischen 60 und 79 Jahre alt.

Die Neumitglieder hätten bei ihrem Eintritt nicht erklärt, ob sie für oder gegen die GroKo sind, sagt Kalveram. „Viele haben zu mir nur gesagt, sie tun es, weil es ihnen wichtig ist, dass die SPD erhalten bleibt.“

"Niemand ist vollkommen begeistert über die GroKo"

Sie habe über das Votum auch mit vielen Bürgern gesprochen, die kein Mitglied der SPD sind, sagt Kalveram. „Von außerhalb hat keiner zu mir gesagt, machen Sie das nicht. Natürlich ist niemand vollkommen begeistert über die GroKo.“

Und was passiert, wenn das Gros gegen die GroKo stimmt? „Wir müssen gucken, dass wir zusammenbleiben. Wir müssen mit beiden Ergebnissen umgehen können“, sagt Kalveram. „Für die Kasseler SPD ändert das Ergebnis nichts. Kassel ist Kassel und Berlin ist Berlin.“

Rubriklistenbild: © dpa

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