Einige Bettler fordern penetrant Geld

Kasseler Weihnachtsmarkt: Standbetreiber kritisiert Bettelei

Auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs: Ein Blumenverkäufer, der seinen Namen nicht sagen wollte.

Kassel. Bettler gehören das ganze Jahr über zum Straßenbild der Königsstraße. Doch so geballt wie derzeit treten sie sonst nicht auf.

Sobald die Buden des Kasseler Weihnachtsmarktes öffnen, kommen zu den bekannten Gesichtern aus Kassels Obdachlosenszene viele weitere Bettler hinzu. Anders als die Kasseler Szenemitglieder, die meist still an der Straße sitzen, sprechen diese Bettler gezielt Passanten an oder stellen Verkrüppelungen zur Schau.

Daniel Geibel

Schausteller Daniel Geibel ist Betreiber des Märchenwaldes auf dem Weihnachtsmarkt, der seit Jahren vor „Sinn Leffers“ auf dem Friedrichsplatz entsteht. Der Ziegenhainer ist seit langem organisatorisch in den Weihnachtsmarkt eingebunden und beobachtet entsprechend aufmerksam die Entwicklung. „So penetrant wie in diesem Jahr habe ich die Bettelei noch nicht erlebt“, sagt Geibel.

Regelmäßig würden die Besucher in den Schlangen vor seinen Bratwurst- und Glühweinständen von den Bettlern angesprochen. „Die gehen auf jeden zu“, sagt Geibel. Gegen Bettelei sei nichts einzuwenden, aber in dieser penetranten Form sei es geschäftsschädigend.

Auch am Freitag war zu beobachten, wie ein Blumenverkäufer die Weihnachtsmarktbesucher nacheinander abklapperte. Er ließ sich bereitwillig von der HNA fotografieren. Seinen Namen wollte er aber nicht verraten.

Wenige Meter weiter versuchten zwei weitere Bettler ihr Glück. Einer ging am ganzen Körper zitternd und auf auf eine Krücke gestützt umher und sprach Passanten an.

Nicht alle Bettler gehen in die Offensive. Einige sitzen auch nur still am Straßenrand – manche tragen viel zu wenig am Körper, um vor der Kälte geschützt zu sein.

Stefan Jünemann, Leiter der Kasseler Obdachlosen-Anlaufstelle Panama, hält die offensiven Bettler für Auswärtige. Die Weihnachtszeit sei für sie lukrativ. Längst nicht jeder sei tatsächlich wohnungslos. Aus seiner Sicht ist es ein Phänomen, das in jeder Adventszeit wiederkehrt. „Nach meiner Beobachtung gab es vor zwei, drei Jahren sogar noch mehr Personen, die ihre verkrüppelten Gliedmaßen zur Schau gestellt haben.“

Das Kasseler Ordnungsamt rät: „Wer sich am Betteln stört, sollte daran vorbeigehen. Da die Hintergründe des Bettelns nicht bekannt sind, ist eine neutrale Reaktion auf die Bitte um Almosen empfehlenswert. Letztlich muss das jeder Mensch für sich entscheiden“, teilt ein Stadtsprecher mit.

Lesen Sie dazu auch: 

Bettler auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt sind aufdringlich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.