Auf dem Königsplatz

Einst gemopst, jetzt geadelt: Tanne für Kasseler Weihnachtsmarkt steht

Kassel. 18 Meter hoch und fast drei Tonnen schwer: Die über 50 Jahre alte Nordmanntanne, die am Sonntag für den Kasseler Weihnachtsmarkt auf dem Königsplatz aufgestellt wurde, ist ein echter Hingucker.

Dabei hat die Tanne eine echte Karriere hingelegt: Vom Diebesgut zum weihnachtlichen Wahrzeichen.

Die Geschichte der Tanne beginnt im Jahr 1964. Im Reinhardswald hatte Spaziergänger Christian Brandau den damals noch zarten Spross entdeckt. „Mein Vater hat den Baum gemopst“, erzählt die heute 75-jährige Tochter Margret Stark.

Margret Stark

Im Garten der Familie an der Udenhäuser Straße im Stadtteil Philippinenhof-Warteberg fand die Tanne ein neues zuhause. Offenbar ein gutes. Denn die Bedingungen sorgten dafür, dass aus dem Spross ein stattlicher Baum wurde. Kerzengerade und gleichmäßig gewachsen eignete er sich perfekt als Weihnachtsbaum. Als Margret Stark in der HNA las, dass die Stadt einen Weihnachtsbaum für den Königsplatz sucht, meldete sie sich. Denn wegen der Größe der Tanne hatte sie zuletzt häufiger Angst, dass er bei Sturm auf das Haus stürzen könnte. „Das ist vor zwei Jahren meinem Nachbar passiert“, erzählt die 75-Jährige.

Weihnachtsbaum steht auf dem Kasseler Königsplatz

So rückte am Samstag die Gartenbaufirma Most aus Kassel an. Begleitet wurden die Gartenbauer von den Mitarbeitern der Firma Regel aus Baunatal, die mit einem Autokran und einem Tieflader angerückt waren.

Nachdem der Baum mit Seilen am Ausleger des Krans befestigt war, machten sich die Gartenbauer daran, den Baum am Stamm mit Motorsägen abzutrennen. Anschließend wurde der grüne Koloss vom Grundstück auf den Tieflader gehoben, wo er die Nacht verbrachte. Am Sonntagmorgen ging es dann weiter mit dem Tieflader bis zum Königsplatz. Keine leichte Aufgabe, wenn man einen 18 Meter langen Baum geladen hat.

Kinderstube: In diesem Garten stand die Tanne 53 Jahre lang.

Margret Stark ist stolz, dass ihre Nordmanntanne nun den Weihnachtsmarkt schmücken wird. „Einen besseren Abschluss hätte man nicht haben können“, sagt sie. Und doch ist sie ein wenig wehmütig. „Die Vögel und Eichhörnchen, die ich von meinem Balkon im Baum beobachten konnte, werden mir fehlen.“ Dafür wird nun viel mehr Licht in ihre Wohnung fallen. Das tröstet über den Verlust hinweg.

Der Kasseler Märchenweihnachtsmarkt eröffnet am Montag, 27. November, und läuft bis zum 30. Dezember. Er hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet, die Gastronomiebetriebe bis 22 Uhr.

Vergleich: Wer hat größten Baum?

  • Die Nordmanntanne für den Kasseler Weihnachtsmarkt ist 18 Meter hoch. Trotz ihrer Größe fällt sie im Vergleich mit Weihnachtsmarktbäumen anderer Städte eher bescheiden aus.
  • Den Erfurter Weihnachtsmarkt ziert eine Rotfichte. Der 70 Jahre alte Baum hat einen Stammumfang von 3,10 Metern und misst ganze 27 Meter.
  • Dortmund schmückt sich nach eigener Aussage mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt. Er ist 45 Meter hoch und 40 Tonnen schwer. Die Dortmunder schummeln dafür aber. Denn sie setzen ihren Riesen aus 1700 einzelnen Fichten zusammen.
  • Die Rotfichte für den Frankfurter Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg ist 33 Meter hoch, neun Tonnen schwer und mit 124 Jahren altehrwürdig.
  • Dresden hat sich für seinen Striezelmarkt für eine 20 Meter hohe Fichte entschieden.

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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