Warum Kassels Geschäfte nun doch geschlossen bleiben 

Einzelhändler gaben Vorstoß auf: Kein Kaufsonntag nach Weihnachten

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Attraktiv auch zwischen den Jahren: Der Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt wird auch noch am Sonntag nach den Feiertgen geöffnet sein – die Geschäfte aber bleiben entgegen früherer Überlegungen geschlossen.

Kassel. Ein besonders langes Festtagswochenende steht bevor: Auf den 2. Weihnachtstag folgt unmittelbar ein Sonntag – das regte die Fantasie des Kasseler Einzelhandels an.

Aus der Idee, den 27. Dezember zum verkaufsoffenen Sonntag zu machen, sei jedoch nichts geworden, teilte die Gemeinschaft der City-Kaufleute auf Anfrage der HNA mit. Nur noch am 1. November, zur Casseler Freyheit, werde es in diesem Jahr einen Einkaufssonntag geben.

Was das adventsgestresste Verkaufspersonal freuen dürfte, wird von Inhabern und Managern des Innenstadt-Einzelhandels bedauert. Viele Tausend feiertagsmüde Kunden mit Geschenkgeld in der Tasche hätten ihnen am letzten Dezembersonntag erhebliche Extraeinnahmen beschert. „Das wäre für uns hochattraktiv gewesen“, sagte Petra-Feist-Dietrich, Sprecherin der City-Kaufleute. Doch nach ersten Sondierungen habe die Händlergemeinschaft darauf verzichtet, für den 27. Dezember beim Rathaus eine Sonntagsöffnung zu beantragen: „Das hätte zu viel Unruhe gegeben.“

Der Hintergrund: Seit Jahren gibt es in Kassel eine sorgsam austarierte Übereinkunft, wie die maximal vier gesetzlich möglichen Verkaufssonntage pro Jahr verteilt werden. Akteure dabei sind neben den Innenstadthändlern hauptsächlich mehrere große Möbelhäuser im Raum Waldau und Niederzwehren sowie das Einkaufszentrum Dez.

Damit jeder zu seinem Recht kommt, erhalten Niederzwehren und Waldau bisher je einen der vier Termine. Die beiden anderen gehen an die City-Kaufleute – für einen Frühjahrstermin sowie zur „Casseler Freyheit“ Ende Oktober.

Diese langjährige Regelung sei „das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen Politik, Gewerkschaften und Kirchen“, erläuterte Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich. Die Stadt sehe derzeit keine Veranlassung, diesen Konsens aufzugeben, indem sie Sonntagsöffnungs-Termine neu verteile.

Für die Innenstadthändler heißt das: Mit einem offiziellen Antrag auf Ladenöffnung am Sonntag nach Weihnachten hätten sie einen Konflikt an zwei Fronten riskiert – mit Kirchen und Gewerkschaften, die wohl für die Feiertagsruhe der Menschen argumentiert hätten. Und auch mit den Möbelhäusern, die sich mutmaßlich kaum etwas davon versprechen, wenn das Publikum ins Stadtzentrum mit seinem Weihnachtsmarkt strömt.

In Niederzwehren hätte Dez-Manager Kai Ehlers gern die Möglichkeit genutzt, am 27. Dezember gemeinsam mit den Kollegen in der Innenstadt zu öffnen. „Aus meiner Sicht müssten verkaufsoffene Sonntage immer insgesamt für Kassel gelten“, sagte er. Das schaffe auch Transparenz für die Kunden. Ehlers sprach sich dafür aus, als Test einmal einen stadtweiten verkaufsoffenen Sonntag anzusetzen.

Ebenso argumentierte Martin Wimberger, Manager des City-Points und Vorstandsmitglied der City-Kaufleute. Ihm sei aber auch klar: „Traditionen lassen sich nicht so schnell und unkompliziert auflösen.“

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