Kein Licht auf Gustav-Mahler-Treppe in Kassel: Passanten haben Angst

Gefürchteter Gang: Bärbel Bracht, Anke Wagner-Jüngst und Claudia Crede (von links) fühlen sich zu dunklen Tageszeiten unsicher auf der Gustav-Mahler-Treppe, der kürzesten und viel genutzten Verbindung von Auedamm und Karlsaue in die Innenstadt. Foto:  Malmus

Kassel. Seit Juli gibt es auf der vielgenutzten Gustav-Mahler-Treppe zwischen Karlsaue und Innenstadt keine Beleuchtung mehr. Vor allem Frauen fürchten sich hier oft in der Dunkelheit.

Auf dem letzten Stück auf ihrem Weg zum Arbeitsplatz ist Anke Wagner-Jüngst oft schweißgebadet vor Angst. „Das ist richtig gespenstisch“, bekräftigt ihre Kollegin Claudia Crede, die ebenfalls bei der AOK tätig ist. Der Weg der beiden Frauen führt seit Jahren täglich über die Gustav-Mahler-Treppe, die die Karlsaue mit der Innenstadt verbindet. Seit Juli jedoch sind hier alle Lichter aus, ist es ohne Tageslicht stockdunkel.

Die Beleuchtung sei defekt gewesen und wurde aufgrund akuter Sicherheitsmängel entfernt, sagen die Städtischen Werke. Die gesamte Treppenanlage muss erneuert werden, sagt die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Im Zuge dieses geplanten Projektes soll die Anlage auch eine neue und bessere Beleuchtung bekommen. Während der Wintermonate werde die Treppe ohnehin wieder gesperrt, sagt MHK-Leiter Prof. Dr. Bernd Küster. Zudem sei man seit einiger Zeit dabei, die Sanierung der Treppenanlage vorzubereiten und mit allen beteiligten Behörden abzustimmen. Dies sei ein komplizierter Weg, da beispielsweise auch Denkmalschutzfragen berücksichtigt werden müssen.

Die Treppe zwischen Orangerie und Schöner Aussicht wurde 1955 von dem bedeutenden Landschaftsarchitekten Hermann Mattern anlässlich der Bundesgartenschau und im Zuge der Gestaltung des stark kriegszerstörten und schuttübersäten Geländes gestaltet. An dieser ursprünglichen Planung, die in den 60er Jahren ersetzt wurde, wolle man sich wieder orientieren, erläutert Küster.

Sicher ist, dass die Gustav-Mahler-Treppe dringend saniert werden muss, weiß auch der MHK-Chef: „Es ist leider Handlungsbedarf.“ Denn die alten Waschbetonplatten und Stufen haben sich verzogen, an vielen Stellen hat sich die Unterkonstruktion verschoben. Dass die Beleuchtung derart hinfällig war, sei jedoch auch für die MHK eine überraschende Nachricht gewesen.

Die Neugestaltung sei ein großes Projekt, hält Küster vor Augen. Vor der nächsten documenta im kommenden Jahr werde es deshalb nicht gelingen, die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Für die Mitarbeiterinnen der AOK und viele Arbeitnehmer, die ihr Fahrzeug am Auedamm parken und die Mahler-Treppe vor allem in den Morgen- und Abendstunden nutzen, ist dies keine gute Nachricht. Sie helfen sich jetzt, indem sie sich möglichst für den Gang über die Treppe vorher verabreden. Denn erst kürzlich ist in der Nähe wieder eine Frau überfallen worden.

Man versuche gemeinschaftlich und zeitnah, also gleich nach der Wintersperrung, eine Lösung hinzubekommen, versichert Stadtsprecher Sascha Stiebing. Dabei sei auch die Beleuchtung des benachbarten so genannten Schlangenweges, der an der documenta-Halle entlangführt, eine mögliche Option. Bis dahin bleibt der längere Weg über die beleuchteten und im Winter geräumte Du-Ry-Straße.

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