Serie über Menschen in Kassel 

"Die kennt man doch": Andrea Ebel arbeitet seit 35 Jahren im Café Nenninger

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Süßes gegen Stress: Konditoreifachverkäuferin Andrea Ebel arbeitet seitdem sie 15 ist im Café Nenninger. Ihr Markenzeichen ist Freundlichkeit.

Kassel. Wir begegnen ihnen an der Supermarktkasse oder im Café. Sie bringen uns die Post und verkaufen uns am Kiosk Zeitungen: Sie sind Menschen in unserer Stadt. Wir stellen sie in einer neuen Serie vor. Den Auftakt macht heute Andrea Ebel.

Frau Ebel hat den schönsten Beruf der Welt. Nichts anderes kann man glauben, wenn man der 50-Jährigen eine Weile zugehört hat. Wie sie strahlt und schwärmt, von kunstvollen Torten und selbstgemachtem Eis, von Pralinés und Zuckerbäckerei. Diese „schönen Sachen“ zu servieren, ist ihr Job.

Sie war 15 Jahre alt, als sie im Café Nenninger – damals noch Garde-du-Corps-Straße – eine Lehre als Konditoreifachverkäuferin gemacht hat. Heute ist sie – inzwischen am Standort Karlsplatz – die dienstälteste Kollegin im Nenninger. Nicht einen Tag habe sie bereut, diesen Beruf ergriffen zu haben. Es mache Freude, zu sehen, dass sich die Gäste wohlfühlen, sagt sie. Und das tun sie in der Regel, wenn Frau Ebel – die Haare hochgesteckt und dezent geschminkt – mit leisen Schritten serviert, dabei oft ein freundliches Wort übrig hat und vor allem: lächelt. „So ein Lächeln tut jedem gut“, sagt sie und lässt diesen schönen Satz einfach so stehen. 

Die vielen Stammgäste kennen sie nicht anders. Bei aller Zugewandtheit wahrt sie professionelle Distanz. „Natürlich gibt es auch Sympathien“, sagt sie, „aber die überspielt man.“ Wenn sie dann einer der Gäste vermisst hat („Sie waren ja vergangenen Dienstag gar nicht da“), dann erwidert sie: „Aber dafür meine netten Kollegen.“ Und das meint sie ehrlich. „Das Team ist super.“ Schade, dass es zurzeit nicht einfach sei, Auszubildende zu finden.

Frau Ebel erzählt von einer Besonderheit im Nenninger, die auf ihre Anregung zurückgeht: Abendliche Menüs, die von Lesungen oder Konzerten umrahmt sind. Dass die Nenningers ihr die Organisation dieser Veranstaltungsreihe überlassen, freue sie sehr.

Impulsiv kann Andrea Ebel reagieren, wenn sie einen Promi im Café erkennt. Dann fragt sie schon mal: „Sind Sie nicht ...?“ Schauspieler Klaus Schindler, den sie als Krimi-Fan aus dem Fernsehen erkannt hat, war entzückt und verewigte sich im Gästebuch mit „sonnigen Grüßen“. Obwohl es ein grauer Tag war.

Dass sie im Café täglich „einige Kilometer“ zu Fuß unterwegs ist – und „wenn Terrasse ist“ noch ein paar mehr – mache ihr nichts aus. Und hindert die Mutter eines erwachsenen Sohnes nicht daran, vor der Arbeit hin und wieder ins Fitnessstudio zu gehen. Zu ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung aber zählen Fahrradtouren mit ihrem Ehemann. „Es muss nicht weit weg gehen. Ein Spaziergang in der Aue kann herrlich sein.“

Wie erklärt sie sich selbst ihr frohes Gemüt? Das habe sie wohl vom Vater, einem Lkw-Fahrer, geerbt. „Ich bin einfach so.“ Und wenn Andrea Ebel sagt „Ich muss doch nicht ausgerechnet bei schönem Wetter bügeln“, dann klingt das wie eine Lebensphilosophie. Aber etwas gibt es, das auch ihr die Laune verderben kann: „Ich mag die heutige Schnelllebigkeit nicht.“ Für Hektik hat sie wenig übrig: „Wenn ich in einem schönen Café sitze und ein Stück Torte esse, sollte doch jeder Stress von mir abfallen.“

In einem weiteren Teil der Serie haben wir Wolfgang Wagner vorgestellt. Er arbeitet bei den Stadtreinigern. 

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