Historisches Gebäude wurde ein Jahr lang renoviert

Modekette H&M eröffnet am Donnerstag im alten Köhler-Haus in Kassel

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Letzte Vorbereitungen: Die Schaufenster des neuen H&M-Hauses waren am Montag noch blickdicht beklebt, auch an der Fassade wurde noch gearbeitet. Bis zur Eröffnung am Donnerstag, 11 Uhr, soll laut einer Firmensprecherin aber alles fertig werden. 

Nach einer Phase zunehmender Leerstände steht in Kassels Innenstadt die größte geschäftliche Neueröffnung seit langem bevor: Eine große Modekette zieht am 1. August ein.

Die schwedische Modekette H&M öffnet am Donnerstag, 1. August, ihre Türen im Haus der Alten Kommandantur an der Oberen Königsstraße, wo sich zuvor das Modehaus Köhler befand.

Ein Jahr lang wurde das historische Gebäude aufwändig umgebaut. H&M wird alle vier Etagen nutzen und hat unter anderem Rolltreppen einbauen lassen. Der neuen Kasseler Hauptstandort der Modekette ist nach Angaben einer Unternehmenssprecherin die erste Filiale in Deutschland, in der sich H&M mit einem neuen Ladengestaltungskonzept präsentiert. Statt weißer Wände und Nüchternheit sollen viel Holz, wärmere Farben und angenehmeres Licht die Kundschaft locken. Kassel sei eines von weltweit sieben H&Ms, die dieses Jahr im neuen Design eröffnet würden.

Bisheriges Haus seit einer Woche geschlossen

Der bisherige, zweigeschossige H&M-Laden ein Stück die Fußgängerzone hinunter in Richtung Königsplatz ist wegen des Umzugs bereits seit gut einer Woche geschlossen. Darüber hinaus gibt es in Kassel zwei weitere, kleinere Filialen von H&M im City-Point sowie im Einkaufszentrum Dez in Niederzwehren. Dort ändert sich vorerst nichts.

Am neuen Standort nahe dem Friedrichsplatz wird derzeit mit Hochdruck auf die Eröffnung am Donnerstag (11 Uhr) hingearbeitet. Während der mehrjährigen Bauarbeiten auf Kassels Haupteinkaufsstraße, die noch bis zum Herbst andauern sollen, hatten diverse Modefilialisten ihre Läden auf der Oberen Königsstraße aufgegeben. Auch aktuell muss das Innenstadtpublikum noch Slalom um allerlei Baustellenzäune laufen, weil in den Ferien an der neuen Straßenbahntrasse gearbeitet wird.

Schon seit einigen Tagen zu: Der bisherige, zweigeschossige H&M-Laden an der Oberen Königsstraße 47a.

Zum Ende dieser Bausaison soll aber alles überstanden sein. Dann wird auch der Rand des Friedrichsplatzes gegenüber dem H&M-Haus nicht mehr einer Mondlandschaft gleichen, sondern sich in neuer Gestaltung präsentieren.

Lesen Sie dazu: Lücken auf der Königsstraße: In Kassels Innenstadt stehen zunehmend Geschäfte leer

Gebäude mit glanzvoller Geschichte

Mancher Passant kann schon einen Blick erhaschen ins Innere des neuen Kasseler H&M-Hauses, wenn kurz die Tür aufgeht, weil der Sicherheitsmann einen der Handwerker hineinschlüpfen lässt. Alle anderen Neugierigen müssen sich noch bis zur Eröffnung am Donnerstag gedulden. Denn während das viergeschossige Modehaus noch stellenweise eine Baustelle ist, mag sich das Unternehmen nicht in die Karten schauen lassen.

Nicht nur die Präsentation der modischen Teile soll möglichst kein Makel trüben, auch mit dem Äußeren des neuen Domizils gibt man sich Mühe: Noch am Montag waren Maler auf einem Gerüst mit dem Feinschliff an der Fassadenfarbe zugange. So viel Sorgfalt lohnt sich bei einem Haus, dass eine Sprecherin von H&M als „schönstes Gebäude der Kasseler Innenstadt“ bezeichnet.

So war es früher: Die Alte Kommandantur am Friedrichsplatz/ Ecke Opernplatz auf einer Postkarte aus der Kaiserzeit.

Tatsächlich ist die sogenannte Alte Kommandantur das letzte Gebäude rund um den Friedrichsplatz, das noch den Glanz hugenottischer Rokoko-Architektur erahnen lässt. Zwar ist das Bauwerk nicht original, sondern eine Rekonstruktion nach historischem Vorbild. Beim Wiederaufbau Ende der 1960er-Jahre wurden aber der prächtige Balkon zur Königsstraße hin sowie Elemente des Fassadenschmucks vom Ursprungsbau wiederverwendet.

Errichtet wurde das Haus um 1773 vom Hofbaumeister Simon Louis du Ry für den Großkaufmann Jacques Roux – beide waren Kasseler hugenottischer Abstammung. Das Gebäude in bester, zentraler Lage galt lange als wertvollstes Privathaus in Kassel, bis es 1837 vom kurhessischen Staat für dessen Militärverwaltung erworben wurde. Es war Dienst- und Wohnsitz des Kasseler Stadtkommandanten, wurde ab 1866 von den neuen preußischen Landesherren ähnlich genutzt und bekam dadurch im Kasseler Sprachgebrauch die Bezeichnung „Alte Kommandantur.“

Seit 1964 ist das prächtige Gebäude ein Modehaus – zunächst unter dem traditionellen Kasseler Firmennamen Hettlage, ab 1995 dann als Herrenmodehaus Köhler. Dessen Eigentümer Ludwig Vordemfelde schloss den Kasseler Standort im Sommer 2018 und vermietete an H&M.

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