Kirche St. Martin wird Großbaustelle

Spezialoberfläche: Die Hitze der Bombennacht machte die Kirchenmauer zu einer Kraterlandschaft. Seitdem befindet sich ein Holzgerüst mit Wandverkleidung vor den Steinen.

Kassel. Am Silvesterabend erklang noch festliche Musik in der Martinskirche, ab sofort wird Baulärm in Kassels größtem Gotteshaus den Ton angeben.

Die Generalsanierung von St. Martin tritt mit dem neuen Jahr in die heiße Phase ein. Für Ostern 2016 ist die Wiedereinweihung geplant. So lange heißt es für den Kirchenraum, der zugleich der zweitgrößte Veranstaltungsort in Kassel ist: vorübergehend geschlossen.

Es ist die erste größere Innenrenovierung seit 1958, als die kriegszerstörte Kirche wiederaufgebaut wurde. 2,7 Millionen Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Die Kosten teilen sich die evangelische Landeskirche, der Stadtkirchenkreis Kassel und die Kirchengemeinde.

Seit dem Sommer laufen die Arbeiten. Die Orgel ist bereits ausgebaut - sie wird derzeit in der katholischen Kirche St. Elisabeth, die das imposante Instrument übernommen hat, neu montiert. Auch die Kirchenbänke und der Holzboden von St. Martin sind schon entfernt - zuletzt gab es bei Konzerten und Gottesdiensten nur noch Klappstühle. Die Elektrik unter dem Boden ist erneuert worden, bevor ein neuer Estrich aufgebracht wurde. „20 Kilometer Kabel sind schon neu verlegt worden“, berichtet Kirchenvorsteher Dr. Hans Helmut Horn.

Der größte Teil der Bauarbeiten steht jedoch noch bevor. Mit dem neuen Jahr kommt als Erstes der neue Bodenbelag: Ein glänzend anthrazitfarbener Werkbetonstein wird verlegt. „Die Farbe nimmt Bezug auf die ursprünglichen Entwürfe für den Wiederaufbau, die seinerzeit dann doch nicht realisiert wurden“, erklärt Pfarrer Dr. Willi Temme.

Kirche St. Martin wird Großbaustelle

Im nächsten Schritt wird das gesamte Kirchenschiff eingerüstet. Seitlich werden die Wandoberflächen komplett erneuert. Noch augenfälliger ist der Sanierungsbedarf aber am Deckengewölbe, das von tiefen Rissen durchzogen ist. Nach der Renovierung wird es im doppelten Sinn in neuem Licht erscheinen: Spezielle Strahler werden künftig in das Gewölbe leuchten. Kleine Goldakzente an den sich nach oben verzweigenden Pfeilern werden den Anblick veredeln. „Gerade bei Abendveranstaltungen wird es ein völlig neuer Raumeindruck“, sagt Pfarrer Temme.

Eine weitere auffällige Veränderung wird sein, dass unter den Seitenemporen künftig kein festes Gestühl mehr ist. Nur bei Großveranstaltungen werden dort noch Stühle aufgestellt.

Für die Besucher zwar nicht sichtbar, aber wichtig für die Sicherheit ist die Erneuerung der Starkstromanlage und der Elektrik der Kirche.

Bis zum Februar 2016 werden die Arbeiten in der Hauptkirche voraussichtlich dauern. So lange finden die Gottesdienste in der Chorkirche statt, die allerdings lediglich 180 Plätze hat. Wenn das große Kirchenschiff wieder benutzbar ist, wird abschließend noch die Chorkirche renoviert.

Von Katja Rudolph

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