Bäume gegen den Klimawandel

Sie trotzen dem Klimawandel und sorgen für Indian Summer: Amber-Bäume in Kassel

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Ein Fan des Amberbaums: Biologe Peter-Joachim Focke mit den unterschiedlich gefärbten Blättern des Baums. Unten Fotos der Bäume auf dem Opernplatz und eine Detailaufnahme der Blätter und Fruchtkapseln.

In der Stadt Kassel sind immer häufiger Amber-Bäume zu sehen: Sie trotzen dem Klimawandel, denn sie kommen mit Trockenheit besser klar.

Das Umwelt- und Gartenamt setzt wegen des klimawandels zunehmend auf Baumarten, die mit der Trockenheit besser klar kommen. Dazu zählt der amerikanische Amberbaum.

Die vergangenen beiden Sommer haben den Bäumen in der Stadt Kassel zugesetzt. Immer häufiger werden Exemplare gefällt, weil sie nicht mehr standfest sind. Deshalb setzt das Umwelt- und Gartenamt zunehmend auf Baumarten, die mit der Trockenheit besser klar kommen. 

Dazu zählt der amerikanische Amberbaum, den viele mit Ahorn verwechseln und der wegen seines intensiven Blätterfarbspiels den Indian Summer in den USA maßgeblich prägt. 

Die Stadt hat zuletzt wegen ihrer Resistenz immer häufiger Amberbäume gepflanzt. Die 71 prominentesten stehen am neu gestalteten Abschnitt der Friedrich-Ebert-Straße. Aber nicht nur dort wird sich die Allee in den nächsten Tagen von Grün über Gelb bis Dunkelrot und Violett verfärben. Die Baumart ist inzwischen stadtweit vertreten.

Amber-Bäume trotzen dem Klimawandel

252 Amberbäume gibt es bereits auf öffentlichen Flächen in Kassel. Sie stehen etwa auch am Opernplatz, im Botanischen Garten, an der Neuen Fahrt und in Grünanlagen. Demnächst will das Gartenamt weitere an der Breitscheidstraße pflanzen. Der Kasseler Biologe und Baumexperte Peter-Joachim Focke ist ein Fan der Baumart, die mehr als 30 Meter hoch werden kann. 

Unter anderem gibt es auf dem Opernplatz die Amberbäume.

„Der Amberbaum gehört zu den Klimawandelgehölzen, da er sich gegenüber Wärme, Trockenheit, Überschwemmungen und Abgasen weitgehend unempfindlich zeigt“, sagt Focke. Zudem biete er durch seine Samen, die sich in kugeligen Fruchtkapseln befinden, eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger.

Schon die alten Indianer hätten den Baum zu schätzen gewusst. Sein aromatisches Harz nutzten die Ureinwohner als Kaugummi. Bis in die Gegenwart werde es in der Kaugummi-Herstellung eingesetzt – aber auch für Parfüme, Seifen und Kosmetika. 

„In den USA ist der Baum nach der Eiche zudem der zweitwichtigste Baum in der Holzproduktion“, sagt Focke. Immer wieder – so beobachtet es der Biologe – werde der Baum wegen seiner Blattform mit Ahorn verwechselt.

Amber-Bäume kommen besser mit Trockenheit klar

Beim Gartenamt der Stadt hat man die extreme Anpassungsfähigkeit des Baums erkannt, der 1681 nach Europa eingeführt wurde. Er habe kräftige Wurzeln und sei so vor Sturmschäden gesichert. Zudem sei er wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge. 

Eine Detailaufnahme der Blätter und Fruchtkapseln des Amberbaums.

Er passe sein Wachstum der jeweiligen Lichtsituation an und habe somit auch in engen Straßenschluchten einen stabilen Stand. Aber auch die Anpassungsfähigkeit eines Amberbaums hat Grenzen. Bei wochenlanger Trockenheit nimmt auch er Schaden, sagt Focke.

Die Stadt will den Amberbaum zwar weiter verstärkt pflanzen, setzt aber auf viele verschiedene Baumarten. Deshalb teste das Umwelt- und Gartenamt weitere hitzeverträgliche Bäume, so ein Stadtsprecher. „Ich sähe eigentlich viel lieber heimische Bäume wie Linden, Eichen und Buchen – aber die haben wegen des Klimawandels keine guten Chancen“, sagt Focke. Es gebe aber Arten – etwa die Silberlinde – die durchaus mit dem aktuellen Stadtklima klar kämen.

Hintergrund: Warum verfärben sich die Blätter im Herbst? 

Der Biologe Peter-Joachim Focke erklärt das Phänomen: „Der natürliche Farbstoff Chlorophyll, der für das Blattgrün sorgt, löst sich im Herbst langsam auf. In ihm befinden sich extrem wichtige Elemente für den Baum, die nun wieder in die Zweige und den Stamm zurückgepumpt werden. 

Es funktioniert wie ein Vorratsspeicher.“ Nach der Auflösung des Chlorophylls kommen die anderen Farbstoffe zum Vorschein, die bis dahin vom Blattgrün verdeckt wurden, aber sich immer schon im Blatt befunden haben: Die Luteine (Gelb), Xantophylle (Orange-Gelb), Carotinoide (Orange), Anthocyane (Rot-violette).

Probleme mit sterbenden Bäumen gibt es auf den Kasseler Friedhöfen. Deshalb muss die Friedhofsverwaltung nun viele Bäume fällen.

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