Neue Broschüre informiert über lokale Folgen des Klimawandels

Hitze und Überschwemmungen: So reagiert Kassel auf die Klimakrise

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In Kassel wird es wärmer: Die Klimafunktionskarte zeigt an, welche Gebiete bei Hitze besonders betroffen sind. Gelb steht für eine moderate, rot für eine starke Überwärmung. Die schraffierten Linien markieren Luftleitbahnen, die für Abkühlung sorgen, weil sie kaum bebaut sind.

Früher dachte man, der Klimawandel würde woanders stattfinden. Heute ist klar: Mit den Folgen der Erderwärmung haben wir längst auch in Kassel zu kämpfen. 

Eine neue Broschüre zeigt, was die Stadt tut. Christof Nolda war es zuletzt nicht zu heiß. Kassels Baudezernent hat Urlaub im Baltikum gemacht, wo er geradelt ist. Bei bisweilen zehn Grad fröstelte es den Grünen-Politiker sogar.

Nicht einmal solche Erfahrungen können über die Folgen der globalen Klimakrise hinwegtäuschen, die längst auch Kassel erreicht hat. Gestern stellte Nolda die kostenlose Broschüre „Wie sich Kassel an den Klimawandel anpasst“ vor. Das in 2000 Exemplaren gedruckte Heft soll auf die Problematik aufmerksam machen und über Maßnahmen informieren, mit denen die Stadt die Folgen abfedern will. Ein Überblick.

Hitze

Wie unterschiedlich das Klima in Nordhessen ist, zeigt sich an der Grenze zwischen Stadt und Land. Während es in Kassel-Mitte von 2008 bis 2018 durchschnittlich 12,2 Tage im Jahr mit mindestens 30 Grad gab, wurden in Witzenhausen-Wald lediglich 3,6 Hitzetage verzeichnet. Versiegelte Flächen sowie die Kessellage sorgen dafür, dass es in Kassel wärmer ist als im grünen Umland.

Das hat weitreichende Folgen: Menschen erkranken häufiger, auch die Sterblichkeit ist erhöht. Pflanzen werden durch die Trockenheit anfälliger für Schädlinge. Der Verschleiß an Straßen und Gebäuden nimmt zu.

Nicht nur das Entsiegeln von zubetonierten Böden durch neue Grünflächen kann die Stadt von Wärme entlasten. Photovoltaikdächer sowie Dach- und Fassadenbegrünung bieten Schatten. Durch eine bessere Ausrichtung von Gebäuden kann die Kaltluft effizienter durch die Stadt geleitet werden.

Da aber wie fast überall Wohnraum fehlt, wird die Stadt verdichtet. Es besteht die Gefahr, dass der Bauboom Kassel weiter aufheizt, wenn etwa auf brachliegenden Flächen neue Häuser entstehen. Hier ist eine intelligente Stadtplanung gefragt.

Über die Belastungen durch die Wärme informiert bis zum 31. August auch das Hitzetelefon von Gesundheitsamt und Seniorenbeirat (0561/787-1993).

Überschwemmungen

Es wird nicht nur wärmer und trockener, sondern auch nasser – zumindest wenn Starkregen auftritt. Die Statistik von Kasselwasser verzeichnet seit 1998 gleich 63 solcher Ereignisse. Besonders betroffen ist der Kasseler Osten.

Wenn 50 Liter oder mehr pro Stunde auf einen Quadratmeter regnen, ist das Kanalnetz oft hoffnungslos überlastet. Trotzdem können Notwasserwege und Versickerungsflächen das Speichervolumen erhöhen.

Klimafunktionskarte

Die neu erstellte Klimafunktionskarte zeigt an, welche Teile der Stadt besonders von der Erwärmung betroffen sind. Je dunkler das Gelb, desto heißer ist es hier. Besonders wichtig sind die als schraffierte Linien markierten Luftleitbahnen, die für Abkühlung sorgen. Die Karte soll in Zukunft bei der Genehmigung von Bauflächen herangezogen werden, damit wichtige Luftschneisen nicht zugebaut werden.

Neue Bäume

Nicht zu sehen sind auf der Karte die 86 000 Bäume, die derzeit in der Stadt stehen. Sie leiden nicht anders als wir Menschen. „In manchen Innenstadtlagen halten es die Bäume nicht mehr aus“, sagt Baudezernent Nolda. Darum werden immer häufiger „Eichenarten aus dem Balkan und südeuropäische Baumsorten angepflanzt, die mit der Trockenheit besser umgehen können“, wie Carsten Menke, Abteilungsleiter im Umwelt- und Gartenamt, sagt. Eine Folge des Klimawandels ist also mehr Multikulti in der Pflanzenwelt.

Service: Die Broschüre „Wie sich Kassel an dem Klimawandel anpasst“ ist ab sofort kostenlos beim Umwelt- und Gartenamt der Stadt erhältlich (0561/7876005).

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