Körperliche Aktivität nach Therapie wichtig

Sport gegen die Nebenwirkungen: Klinikum Kassel bietet Kurse für Krebspatienten

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Für mehr Beweglichkeit, Stabilität und Ausdauer: Jacqueline Gebhardt (links), Physiotherapeutin im Reha-Zentrum des Klinikums Kassel, zeigt Krebspatientin Stephanie Kuhl eine Übung für Gleichgewicht und Oberkörper. 

Körperliche Aktivität kann messbar die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern. Das Klinikum Kassel bietet Krebspatienten daher kostenfrei Sport- und Bewegungskurse an. 

Nach der Diagnose Brustkrebs ging alles sehr schnell: Stephanie Kuhl musste sich einer sechsmonatigen Chemotherapie unterziehen, die Operation folgte nach vier Wochen Pause. An Sport konnte die 53-Jährige aus Hofgeismar, die sich sonst viel an der frischen Luft bei einem Spaziergang bewegt, viel Rad fährt und Yoga macht, überhaupt nicht denken.

Die Chemotherapie sei sehr anstrengend, sagt sie. Ihre Kondition habe enorm gelitten, ständig sei sie erschöpft gewesen, Gleichgewichtsprobleme machten ihr zu schaffen, in Händen und Füßen machten sich Empfindungsstörungen bemerkbar.

Körperliche Aktivität hilft Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verringern

Sich während der Therapie schonen und ausruhen, das wurde vielen Krebspatientinnen viele Jahre noch geraten. Inzwischen habe man in der Frauenklinik im Klinikum Kassel aber davon Abstand genommen. Es sei bewiesen, dass onkologische Patientinnen von körperlicher Aktivität profitieren. 

Die Frauenklinik bietet daher seit diesem Sommer gemeinsam mit dem Reha-Zentrum im Klinikum Kassel Sport- und Bewegungskurse für ihre onkologische Patientinnen an, sagt Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Kassel.

Sportkurse mit einfachen Übungen für Ausdauer, Koordination und Stabilität

Bei dem Sport handelt es sich um einfache Übungen, die den Körper wieder in normale Bewegungen bringen sowie Ausdauer, Koordination und Stabilität trainieren sollen, sagt Kursleiterin Jacqueline Gebhardt, Physiotherapeutin im Reha-Zentrum im Klinikum Kassel.

Wegen der Schmerzen nach einer OP im Brustbereich würden die Patientinnen beispielsweise eine Schonhaltung einnehmen. „Die Übungen wirken Haltungsschäden entgegen.“ Vor allem die Beweglichkeit im Rücken und Nacken sowie in den Schultern wird gestärkt. „Natürlich macht jede Teilnehmerin hier nur so viel sie kann. Ich schaue, wo ich helfen kann oder wo sich eine Übung steigern lässt“, sagt Gebhardt. Weiterhin gibt sie Tipps, wie die Patientinnen die Übungen in ihren Alltag einbauen können.

Zehnwöchiger Kurs soll dreimal im Jahr angeboten werden

Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel.

Ziel sei es, den zehnwöchigen Kurs dreimal im Jahr anzubieten, sagt Antje Hirdes vom Studienbüro der Frauenklinik. Der Onkosportkurs findet nun zum zweiten Mal ab Oktober statt, durch die Unterstützung des Vereins „Hilfe für Kinder und Erwachsene im Krankenhaus“ ist die Teilnahme kostenfrei.

Prof. Dr. Thomas Dimpfl: Sport verringert auch das Rückfallrisiko

Sport verringert laut Prof. Dr. Thomas Dimpfl die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sowie das Risiko eines Rückfalls. Eine Nebenwirkung ist etwa das sogenannte Fatique-Syndrom, also anhaltende Erschöpfung, sowie Empfindungsstörungen in Armen und Beinen durch Taxane, den Mitteln zur Chemo. Außerdem würden Zellen eine bessere Sauerstoffversorgung erhalten, das Herz-Kreislauf-System wird stabilisiert, die Blutbildung angeregt und das Immunsystem gestärkt.

Das sei aber noch nicht alles, sagt Kuhl. Auch der Austausch mit anderen Patientinnen in einem geschützten Raum habe ihr geholfen. „Nur wer selbst betroffen ist, weiß, was Krebs und die Chemotherapie mit einem machen. Alle hier im Kurs haben Verständnis dafür“, sagt Kuhl. Und: „Ich konnte einfach selbst etwas dazu beitragen, dass ich wieder gesund werde.“

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