Diskussion um Kunstwerk

Königsplatz ist nicht gesetzt: Beim Obelisken geht es nun um die Standortfrage

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Der Verbleib des Obelisk auf dem Königsplatz in Kassel ist umstritten. 

Kassel. In der Diskussion um den Verbleib des Obelisken in Kassel rückt nun der Standort in den Mittelpunkt. Dafür gibt es vier Vorschläge. 

Das documenta-Kunstwerk steht aktuell auf dem Königsplatz. Derzeit läuft eine von der Stadt und Künstler Olu Oguibe initiierte Spendenaktion. Sollten bis Ende April 600.000 Euro zusammenkommen oder gibt sich der Künstler mit der dann eingegangenen Spendensumme zufrieden, bleibt der Obelisk in Kassel – aber bleibt er dann auf dem Königsplatz?

Mit der SPD im Kasseler Rathaus hat sich nun eine weitere Fraktion zu Wort gemeldet, die den Königsplatz nicht als Standort gesetzt sieht. „Wir wollen vielmehr einen Standort, der die größtmögliche Akzeptanz der Bürger unserer Stadt findet“, betont Fraktionsvorsitzender Günther Schnell. Mit Wolfgang Decker pflichtet ihm der Vorsitzende der Kasseler SPD bei. Das Ziel der Sozialdemokraten ist es, dass die Stadt bei einem Ankauf frei über den Standort entscheiden kann.

Zuvor schon hatte die CDU-Fraktion den aktuellen Standort des documenta-Kunstwerks in Zweifel gezogen. Gestern bekräftigte Fraktionsvorsitzender Michael von Rüden die Haltung: „Auf dem Königsplatz finden wir den Obelisken unpassend.“ Wie zuvor die FDP im Kasseler Rathaus will auch die CDU die Kasseler in den Prozess einbinden – möglicherweise über einen Bürgerentscheid. Konkrete Alternativen zum Standort Königsplatz wollte aber noch niemand ins Spiel bringen.

Von der Stadt hieß es nur, dass für den Fall eines Ankaufs noch nicht über den Standort entschieden sei. Das allerdings klang bei Kulturdezernentin Susanne Völker vergangene Woche noch ein wenig anders. Im Interview mit unserer Zeitung verwies sie auf den Wunsch Oguibes, den Obelisken auf dem Königsplatz zu lassen. Oguibe selbst reagierte gestern auf eine Anfrage nicht. Bis letzte Woche waren 85.000 Euro als Spenden eingegangen.

Diese Standorte sind im Gespräch: Der Königsplatz

Wenn es um den Standort des Obelisken geht, muss natürlich zunächst einmal über den Königsplatz geredet werden. Dort steht er schließlich.

Argumente dafür: 

  • Der Wunsch des Künstlers: Olu Oguibe sieht sein Kunstwerk auch in Zukunft auf dem Königsplatz. 
  • Die Symbolik: Der Königsplatz ist die Schnittstelle vom Kasseler Westen zum Kasseler Norden, in dem viele Ausländer wohnen. Das Kunstwerk ist ein Symbol für Menschlichkeit und Gastfreundschaft, was durch die Inschrift zum Ausdruck kommt: „Ich war ein Fremdling, und ihr habt mich beherbergt.“ 
  • Die Kosten: Der Obelisk müsste nicht extra abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Allein ein Abbau würde 21 000 Euro kosten.

Argumente dagegen: 

  • Die Beschaffenheit des Platzes: Darauf wies bereits der Historiker Christian Presche hin. Der denkmalgeschützte Platz sei so angelegt, dass er sechs gleichberechtigte Platzsegmente voraussetze. Der Obelisk betone einen willkürlich gewählten Punkt des Platzes. 
  • Die Geschichte mit der Treppe: Ähnlich wie einst die Treppe polarisiert der Obelisk. Viele finden ihn schlicht nicht schön – schon gar nicht auf dem Königsplatz. Deshalb sind jahrelange Debatten programmiert. An das Ende der Treppe sei erinnert. Sie wurde abgerissen. 
  • Die Angreifbarkeit: Auf dem Platz ist der Obelisk zentral und nahezu ungeschützt – das gilt somit auch für Angriffe der Gegner, die das Kunstwerk aus politischen Gründen ablehnen. 

Der Goethestern

Aus dem Stadtteil selbst kam die Idee: Der Obelisk könnte doch im Vorderen Westen aufgestellt werden – auf dem Goethestern.

Argumente dafür: 

  • Die Ästhetik: Der Obelisk würde hier in einer Achse mit dem Herkules wahrgenommen werden. Das hat durchaus etwas. 
  • Die Ruhe: Im doch gediegenen Vorderen Westen würde die breite Mehrheit mit dem Obelisken gut leben können. Er würde hier kaum polarisieren.

Argumente dagegen: 

  • Der Herkules: Darauf verwies Historiker Christian Presche: Auf der Goethestraße sei alles auf den Herkules ausgerichtet.
  •  Der fehlende Bezug: Die Intention des Künstlers käme nur dann zur Geltung, wenn der Obelisk auch dort stünde, wo viele Ausländer leben. In dieser Beziehung gibt es wesentlich bessere Orte als den Vorderen Westen. 
Neuer Standortvorschlag für den 16 m hohen Obelisk von Künstler Olu Oguibe. Im Bild: Der Goethestern am 21.02.2018 (Blick die Goethestraße entlang in Richtung Herkules).

Die Uni

Auch die Uni wurde schon als Standort für den Obelisk genannt. Konkret: die Henschelstraße.

Argumente dafür: 

  • Die Internationalität: Gerade die Uni ist ein Ort, an dem viele Nationen zusammentreffen. Dazu passt ein Werk der Weltkunstausstellung. 
  • Die Offenheit für Neues: Die Uni entwickelt sich wie kein zweiter Ort in Kassel. Dazu passt die Botschaft der Weltoffenheit.

Argument dagegen:

  • Die Abgeschiedenheit: Die Uni ist längst kein Ort, wo jeder hinkommt. 

Die Torwache

Die SPD bringt das Gebiet rund um die Oberneustadt als Standort ins Gespräch – ohne konkret zu werden. Warum also nicht vor die Torwache?

Argumente dafür: 

  • Die Geschichte: Die Oberneustadt wurde für Hugenotten angelegt. Das passt zur Botschaft des Obelisken. 
  • Der Nachbar: Die Torwache war Teil der documenta 14 – wie der Obelisk.

Argument dagegen:

  •  Die Unauffälligkeit: Wirklich auffallen würde das Kunstwerk hier nicht. Und: Ganz in der Nähe befindet sich schon ein Obelisk. 

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