Neuer Klinikchef

Kreiskliniken und Personal sind Herausforderungen für Michael Knapp

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Nun GNH-Chef: Dr. Michael Knapp. 

Seit diesem Monat steht Dr. Michael Knapp an der Spitze des Krankenhauskonzerns Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH). Auf den 51-Jährigen warten große Aufgaben.

Personalmangel

Mit 4850 Mitarbeitern ist die GNH einer der größten Arbeitgeber in Nordhessen. Dennoch bleibt die Gewinnung von Fachkräften eine zentrale Herausforderung. Nicht nur die GNH ist betroffen, auch bundesweit haben Krankenhäuser Nachwuchs- und Besetzungsprobleme, der Wettbewerb ist hart umkämpft, Kliniken zahlen gar schon Geldprämien.

Zwar stellte die Gesundheit Nordhessen laut Bilanz im vergangenen Jahr 30 weitere Vollzeitkräfte ein, frühzeitig erhöhte sie die Zahl der Pflegeausbildungsplätze und rekrutiert mittlerweile Pflegekräfte aus dem Ausland. Das Problem geht aber weit über die Pflege hinaus. Es fehlten etwa auch Fachärzte und Physiotherapeuten. Hinzu kommt, dass Tariflöhne und Personalkosten stärker gestiegen sind als die Preise für die Krankenhausleistung. Um Mitarbeiter zu gewinnen, muss die GNH sich und die Region verstärkt als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, um Personal nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu binden.

Wirtschaftlichkeit

Auch hier muss Dr. Michael Knapp Lösungen finden, denn wie berichtet bekamen die GNH-Mitarbeiter von den zuvor einbehaltenen 5,2 Mio. Euro nur noch 730 000 Euro zurück. Nur mithilfe des Zukunftssicherungstarifvertrags schloss die GNH das Jahr 2018 überhaupt mit einem leicht positiven Ergebnis ab. Eine dauerhafte Lösung, die Wirtschaftlichkeit auf dem Rücken der Mitarbeiter zu bestreiten, ist das jedoch nicht. Nicht nur wegen der Zahl sei man im Aufsichtsrat unzufrieden gewesen, sondern insgesamt wegen der Tendenz. Oberbürgermeister und GNH-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Geselle sagte: „Bereits 2017 hat es die Forderung gegeben, dass strukturelle Änderungen her müssen. Nun haben wir einen deutlichen Leistungsabfall.“ Dieser solle sich nicht fortsetzen.

Kreiskliniken

Sie sind die Sorgenkinder der GNH: die beiden Kreiskliniken in Hofgeismar und Wolfhagen. Erneut machten sie Verluste, schon in den vorigen Jahren waren sie ein Problem in der Holding. Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Ausfall sei in den beiden kleinen Kliniken sofort zu spüren und nur schwer zu kompensieren, sagte GNH-Vorstand Birgit Dilchert.

Strukturelle Änderungen wolle man angehen, wie Geselle sagte. Wie diese ausfallen, das müsse man noch prüfen. Fest steht: An dem 37 Millionen Euro teuren Neubau in Hofgeismar wolle man festhalten, Detailplanungen müssten noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Hier muss sich Knapp einen Überblick verschaffen. Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Knapp, gebürtiger Wolfhager, sich zur Klinik Wolfhagen positioniert.

Seniorenwohnanlagen

Aus Kostengründen hatte die GNH vor rund drei Jahren die stationäre Pflege in der Seniorenwohnanlage Fasanenhof aufgegeben, pflegebedürftige Bewohner sind nach und nach umgezogen, hauptsächlich an den Standort Lindenberg, wo die GNH ebenfalls eine Seniorenwohnanlage betreibt.

Seither steht das ehemalige Pflegeheim leer. Pläne der Holding und der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG), 90 Wohnungen für ältere Menschen sowie für Familien mit Kindern zu errichten, scheiterten. Eigentümer der Constantin-Residenz, die sich ebenfalls auf dem Grundstück befindet, lehnen das Vorhaben strikt ab, weil sie mit den zurückgefahrenen Pflegedienstleistungen nicht einverstanden sind. Seither tut sich nichts mehr auf dem Gelände, die Fronten wirken verhärtet. Knapp kommt damit in die Rolle des Schlichters und muss Vorschläge bieten, mit denen beide Seiten leben können.

Update vom 18.09.2019: Mitte September wurde bekannt, dass die Stadt Kassel 65 Millionen Euro für eine Neuausrichtung der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) investieren will. Die angekündigte Umstrukturierung bringt auch die Schließung der Klinik in Wolfhagen mit sich.

Update vom 19.09.2019: Für seine Stadt seien die Pläne nicht akzeptabel, sagte Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake. Auch aus dem Landkreis Kassel wurde Kritik an der angekündigten Schließung der Klinik in Wolfhagen laut.

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