„Es ist wie eine Hexenjagd“

Kritik an Flic Flac: Dresseurin spricht über Tiere im Zirkus

+
Sie verteidigt die Arbeit mit Tieren im Zirkus: Die Dresseurin Rosi Hochegger mit ihrem Pferd Scout. Im Dezember ist Hochegger mit Pferd und Hunden beim Zirkus Flic Flac in Kassel zu sehen.

Kassel. Dresseurin Rosi Hochegger äußert sich im Interview über die Kritik an ihrem Auftritt mit Hunden und Pferd im Zirkus Flic Flac.

Der Zirkus Flic Flac gastiert in diesem Jahr zum neunten Mal mit dem Festival der Artisten auf dem Friedrichsplatz in Kassel. Zum ersten Mal werden Tiere in der Manege zu sehen sein: Rosi Hochegger tritt mit ihrem Pferd Scout und ihren tanzenden Hunden auf. Diese Entscheidung von Flic-Flac-Gründer Benno Kastein hat auch für viel Kritik gesorgt. Über die negativen Reaktionen sprachen wir mit Dresseurin Hochegger, die derzeit mit dem ungarischen Nationalzirkus durch Ungarn reist.

Frau Hochegger, können Sie die Kritik an Flic Flac, Sie und ihre Tiere zu engagieren, nachvollziehen?

Rosi Hochegger: Flic Flac war bislang die Nummer eins beim Zirkus ohne Tiere. Für Aktivisten war das der Heilige Gral. Ich kann schon verstehen, dass die sich jetzt vor den Kopf gestoßen fühlen. Es war klar, dass es einen Aufschrei gibt. Für mich gehören aber Tiere zum Zirkus dazu. Meinen Hunden und Pferden geht es gut. Von daher kann ich auch den Shitstorm nicht verstehen.

Hunde und Pferde sind Haustiere. Da gibt es doch sicher Unterschiede zu Wildtieren im Zirkus.

Hochegger: Hunde und Pferde sind den Menschen sehr zugetan. Sie sind Partner. Meine Welpen leben bei mir im Wohnwagen. Es kommt aber immer darauf an, wie man sich mit seinen Tieren beschäftigt. Egal, ob es jetzt domestizierte Tiere oder Wildtiere sind. Ich kenne den Dompteur Martin Lacey, der mit Löwen arbeitet, und René Casselly und seine Elefanten. Die beiden beschäftigen ihre Wildtiere vorbildlich.

Für Sie gehören also auch Wildtiere zum Zirkus?

Hochegger: Das ist doch alles ganz anders als früher. Die Wildtiere, die heutzutage im Zirkus zu sehen sind, wurden doch alle hier auch geboren. Die Tiere werden doch nicht mehr in der Wildnis gefangen. Einige befinden sich seit über 30 Jahren in menschlicher Obhut. Zudem werden wir ständig beobachtet. Wir Dompteure werden doch sowieso ständig kontrolliert.

Tieraktivisten sehen das aber anders.

Hochegger: Tieraktivisten kramen heutzutage uralte Bilder raus, um angebliche Missstände im Zirkus anzuprangern. Kürzlich habe ich auch ein Foto aus Thailand gesehen, das gar nicht aus einem Zirkus stammte.

Wie leben Ihre Tiere?

Hochegger:Die Welpen ziehe ich zunächst in meinem Wohnwagen auf. Nach etwa einem Jahr fange ich an, mit ihnen zu trainieren. Bei manchen Hunden dauert die Ausbildung zwei Wochen, bei anderen ein halbes Jahr. Das kommt auf das Tier und seine Fähigkeiten an. Ich schaue mir bei jedem Tier genau an, für was es geeignet ist. Manche Hunde gehen gern rückwärts, andere auf zwei Beinen. Sie machen nur das, wofür sie talentiert sind. Deswegen sieht das auch so spielerisch aus.

Wie sieht der Alltag der Hunde aus?

Hochegger: Ich habe 14 Hunde. Einer davon ist schon in Rente und zwei sind noch ganz jung. Die beiden leben bei mir im Wohnwagen. Die übrigen haben ihren eigenen Hundewagen, wo sie in zwei Gruppen untergebracht sind. Natürlich gehe ich mit ihnen auch jeden Tag ganz viel spazieren. Zwei Mal am Tag ist Arbeit für zehn Minuten in der Manege angesagt.

Freuen Sie sich auf ihr Flic-Flac-Engagement in Kassel?

Hochegger: Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich auf die Zeit. Auf der anderen Seite bin ich aber auch verunsichert, wie das Publikum in Kassel reagieren wird. Finden zum Beispiel Demonstrationen vor dem Flic-Flac-Zelt wegen meiner Nummer mit den Tieren statt? Bisher bin ich noch nie für meine Arbeit so runtergemacht worden wie jetzt, nachdem bekannt geworden ist, dass ich bei Flic Flac auftrete. Es ist wie eine Hexenjagd.

Rosi Hochegger assistierte bereits als Kind ihren Eltern beim Dressieren von Hunden und Pferden. Mit 17 Jahren machte sie sich selbstständig und arbeitete als Stuntfrau und Schauspielerin für die Karl May-Festspiele von Elspe. Aber schon bald kaufte sie sich ihr erstes eigenes Pferd und dressierte es. 

Zunächst begeisterte Rosi mit ihrem „Bettpferd“ Scout, das sich in der Manege in ein Bett legt. Außerdem mit einem Sketch, in dem sie sich die Hauptrolle mit zwei Hunden teilte. Im Jahr 2012 bekam Rosi Hochegger einen Preis für ihre vorbildliche Tierhaltung. Im Winter lebt Rosi Hochegger mit ihren Tieren in der Regel auf dem Bauernhof ihrer Mutter in Kluse (Niedersachsen).

Flic Flac gastiert vom 20. Dezember bis 14. Januar in Kassel. Der Vorverkauf läuft. Karten gibt es beim HNA-Kartenservice, Tel. 0561/203204.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.