Arbeitskreis für Denkmalschutz: „Charme einer Hauptverkehrsstraße“

Kritik an neuen Hängeleuchten in der Königsstraße

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Im Testbetrieb: Auf der Oberen Königsstraße, hier ein Foto in Höhe des Kaufhofs in Richtung Landesmuseum, werden verschiedene Hängeleuchten derzeit nachts ausprobiert.

Kassel. Seit einigen Tagen testet die Stadt nachts in der Königsstraße die im Zuge des Umbaus geplante neue Beleuchtung. Statt der Laternen sollen künftig Hängeleuchten die Einkaufsmeile beleuchten. Dies stößt bei Denkmalschützern auf Kritik.

Der Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt übt deutliche Kritik an den Plänen für den Umbau der Königsstraße, der im Juli beginnt. Durch das vorgesehene dunkelgraue Pflaster und die Hängeleuchten, die die gebogenen Laternen ersetzen sollen, erhalte die Königsstraße den „Charme einer Hauptverkehrsstraße“. Die heutigen Laternen seien zudem historisch begründet.

Dr. Christian Presche, Sprecher des Arbeitskreises, befürchtet, dass durch die Hängeleuchten eine unwirtliche Atmosphäre auf der Einkaufsmeile entsteht. „Der freie Blick auf Landesmuseum und Martinskirche ist bisher prägend für die Königsstraße - das ist ein starker Wiedererkennungswert, der auch für das Stadtmarketing relevant ist“, sagt Presche. Genau diesen Blick über die barocke Achse sieht der Architekturhistoriker durch die Hängeleuchten in Gefahr. So werde der angestrahlte Museumsturm nachts durch die Hängeleuchten überblendet. Auch die Wirkung des zum Museum gerichteten Laserstrahls werde beeinträchtigt.

Aktuelles Foto mit eingeschalteten Laternen.

Das Landesmuseum sei bei seinem Bau (1907-1912) durch den Architekten und Stadtplaner Theodor Fischer sorgsam auf den Straßenverlauf abgestimmt worden: als Blickpunkt und zugleich als optische Überleitung zur Wilhelmshöher Allee, so Presche.

Die Laternen unterstützten die gerade Ausrichtung der Königsstraße auch über den Friedrichsplatz hinweg und seien schon im 18. Jahrhundert ein wesentlicher Teil der Gestaltung gewesen. Die heutige Laternenform, die sich an Kasseler Vorbilder der 1820er-Jahre anlehnt, sei ein Markenzeichen der Straße.

Das Argument der Stadt, dass mit den Hängeleuchten die Laternen als Hindernis auf der Flaniermeile verschwinden, will der Arbeitskreis nicht gelten lassen. Die Laternenmasten grenzen lediglich die Straßenbahntrasse ab - einen Bereich, in dem sich Fußgänger ohnehin nicht aufhalten könnten. Zudem seien an den Masten die Mülleimer angebracht, für die bei der jetzigen Planung alternative Aufstellflächen benötigt würden.

Laternen haben auf der Königsstraße Tradition: Unten ein Stahlstich von 1777 vom Königsplatz in die Obere Königsstraße.

Der Arbeitskreis bedauert, dass sich die Stadt offenbar frühzeitig auf diese Variante festgelegt habe. Als Vorbild werde im Kasseler Rathaus die Umgestaltung der Fußgängerzone Anger in Erfurt genannt, die vom gleichen Architekturbüro (GTL) konzipiert wurde. Beide Situationen seien aber nicht vergleichbar. „Der Anger ist eine gebogene mittelalterliche Straße, die vom Blick auf die gekrümmten, abwechslungsreichen Häuserfronten lebt. Der Verzicht auf Laternen ist dort durchaus berechtigt“, so Presche. Die barocke Königsstraße stelle ganz andere ästhetische Anforderungen.

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