Am öffentlichen Klavier werden Passanten zu Pianisten

Klavier macht Kasseler Kulturbahnhof zum Konzertsaal für Jedermann

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Begeistert von der Idee: (von links) Joe Finer mit seiner Lebenspartnerin Michaela Challa, Frank Eichler (Musik Eichler), Zeynel Memeli (Café am Kuba) und Pianist Denis Wiens. Am Klavier ist der Kasseler Pianist Thomas Krug zu sehen.

Der Kasseler Kulturbahnhof soll zum Konzertsaal werden: Am Kulturbahnhof steht jetzt ein öffentliches Klavier, auf dem jeder spielen darf.

Reisende hasten zu den Gleisen, viele sind am Freitagnachmittag auf dem Weg ins Wochenende. Sie haben eigentlich keine Zeit und keinen Blick für die Kleinigkeiten. Doch plötzlich bleibt selbst ein Student mit Kopfhörern auf den Ohren verdutzt stehen. Er schaut sich um. Klaviermusik – ungewohnt an diesem Ort. Verbindet man den Bahnhof doch eher mit anderen Dingen und vor allem damit, sich dort nicht lange aufhalten zu wollen.

Das soll sich ändern: Denn der Kasseler Kulturbahnhof soll zum Konzertsaal werden. Wie das geht? Seit Freitag steht in der früheren Schalterhalle zwischen dem Club Gleis 1 und dem Café am Kuba ein öffentliches Klavier – das erste in Kassel. „Play me, I'm yours“ (übersetzt: Spiel mich, ich bin deins) steht auf dem schwarzen Holz. Jeder der mag, kann auf dem Instrument spielen, kostenlos, rund um die Uhr. Zur Einweihung spielten die Pianisten Thomas Krug und Denis Wiens einige Stücke auf dem Instrument und auch die besondere Atmosphäre in der Bahnhofshalle sorgte dafür, dass viele Pendler innehielten.

In anderen Ländern wie England, Frankreich oder Italien gehören Klaviere an öffentlichen Orten – häufig an Bahnhöfen – fast schon zum Alltag. Joe Finer war im Sommer zu Besuch in Sheffield als ihn die Klaviermusik am dortigen Bahnhof begeisterte. Während wir gewartet haben, sind immer wieder Menschen gekommen, die auf dem Klavier gespielt haben. Einige gut, andere weniger gut, erinnert er sich. Aber gerade das habe den Reiz ausgemacht.

Die Idee nahm Finer mit seine Heimat. Zurück in Kassel wandte er sich an Frank Eichler, in dessen Musikgeschäft er bereits mehrfach Kunde war. Eichler war sofort begeistert von Finers Idee. Nachdem die Genehmigung der Deutschen Bahn vorlag, machte man sich auf die Suche nach einem geeigneten Instrument. „Das über hundert Jahre alte Klavier wurde von der ehemaligen Hof-Pianofabrik „Carl Scheel“ gefertigt, sagt Frank Eichler.

Eines der seltenen Exemplare, in die schon damals eine spezielle Untermechanik verbaut worden sei. Das Klavier sei zuvor viele Jahre im Besitz einer Familie gewesen. Eichler und Finer kümmern sich gemeinsam um die Wartung des Klaviers – ihre Kontaktdaten stehen auf dem Instrument, falls es Probleme geben sollte. Die beiden sind allerdings optimistisch. Die Erfahrung habe gezeigt, dass öffentliche Instrumente immer sehr respektvoll behandelt würden.

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