Bereits Interessenten für ehemaligen documenta-Standort

Kulturdenkmal Hugenottenhaus steht zum Verkauf

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Deutliche Spuren des Verfalls: Das Hugenottenhaus an der Friedrichstraße steht seit vielen Jahren leer. Zuletzt wurde es als documenta-Standort genutzt.

Kassel. Es ist das letzte erhaltene Bauwerk, das in der Tradition der barocken Fünffensterhäuser in der Kasseler Oberneustadt errichtet worden ist. Nachdem das Gebäude in den vergangenen Jahren immer mehr verfallen war, steht die Immobilie jetzt zum Verkauf.

Als Kulturdenkmal hat das Hugenottenhaus einen hohen Wert. Auf dem Internetportal Immowelt ist allerdings zu lesen, dass dringender Modernisierungsbedarf besteht. „Eine komplette Kernsanierung ist notwendig“, sagt Markus Braband von der Kasseler Eichholz Immobilien Services GmbH, die sich um den Verkauf kümmert. Es gäbe bereits mehrere Interessenten, so dass man sich jetzt entschlossen habe, ein Bieterverfahren zu eröffnen. Einen Kaufpreis wollte Braband nicht nennen. Generell seien verschiedene Nutzungen denkbar, sowohl private Wohnungen, als auch geschäftliche Räumlichkeiten, heißt es.

Eigentümer des Hugenottenhauses und des angrenzenden Hotels Days Inn Hessenland ist die Grand City Hotel (GCH) Group mit Sitz in Berlin. Auf Nachfrage der HNA gab es bislang keine Stellungnahme von der GCH-Group zum Kaufpreis oder zum weiteren Vorgehen.

„Das Hugenottenhaus steht unter strenger Beobachtung der Stadt“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Da es das letzte Zeugnis hugenottischer Baukultur ist, gilt es möglichst die Originalsubstanz zu erhalten. „Wir freuen uns, dass der Eigentümer bereit ist, die Immobilie zu verkaufen“, so Nolda. Dann bestehe die Möglichkeit, gemeinsam mit dem neuen Eigentümer das Potential des Geländes mitten in der Innenstadt zu nutzen. Wenn eine abgesicherte Entwicklung feststehe, wäre die Stadt auch bereit, das angrenzende Grundstück, das aktuell als Stellfläche für Autos genutzt wird, abzugeben, so Nolda.

Bereits in den letzten Jahren hatte es mehrfach Interessen für die Immobilie gegeben. Zu konkreten Verkaufsverhandlungen war es aber nie gekommen.

Das Hugenottenhaus ist ursprünglich 1826 als Mietshaus gebaut worden. Das Haus gehörte schon vor den Kriegsschäden Alfred Scheibe, dem Inhaber des Cafés Hessenland. Im Frühjahr 1949 eröffnete seine Witwe im Haus und in einem angrenzenden Teil des Nachbarhauses das Hotel Hessenland. Bereits in den 1960er-Jahren wurde die Vermietung der Zimmer im Hugenottenhaus aufgegeben. In den 1980er-Jahren folgte eine Debatte über den Abriss des Gebäudes, die für viel Aufregung sorgte. Nachdem der Abriss vom Tisch war, wurde das Hugenottenhaus von Künstlern genutzt, zuletzt während der documenta im Jahr 2012.

Das Verkaufsangebot ist zu finden unter

www.immowelt.de/expose/2B5EN4X

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