Neuer Standort

Kunst in Kasseler Bahnhofs-Unterführung: Abbau des Reliefs "Gläserne Stadt" hat begonnen

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Historischer Augenblick: Am Mittwoch wurde mit dem Abbau des Reliefs "Gläserne Stadt" in der Unterführung des Hauptbahnhofs begonnen.

Kassel. Das Relief "Gläserne Stadt" schlummert seit Jahren unter dem Hauptbahnhof. Seit Mittwoch wird das beschädigte Kundtwerk aus Glas und Beton abgebaut.

Die GWH Wohnungsgesellschaft will es sanieren und an der Oberfläche wieder aufbauen. Manche Kasseler, die vor 1980 geboren sind, werden an das Kunstwerk „Gläserne Stadt“ sicher noch die ein oder andere schöne Erinnerung haben. Vielleicht haben sie sich vor dem Mosaik mit ihrer ersten Liebe geküsst oder heimlich geraucht. Geschützt vor Blicken von Eltern und Lehrern.

Das Mosaik aus Glas und Beton befindet sich nämlich in der Unterführung unter dem Hauptbahnhof. Wer damals Kassels einzige U-Bahnstation erreichen wollte, musste an dem Wandbild, das im Jahr 1968 zur Einweihung der Unterführung eingebaut worden war, vorbei. Dieter von Andrian, der Ende der 1950er Jahre Assistent des documenta-Gründers Arnold Bode gewesen war, hatte das Mosaik geschaffen.

Seitdem die Unterführung geschlossen ist, also seit über einem Jahrzehnt, ist das Kunstwerk für die Öffentlichkeit verschwunden. Nur währen der documenta im vergangenen Jahr, als die Unterführung zur Ausstellungsfläche wurde, konnte man wieder einen Blick auf die „Gläserne Stadt“ werfen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der Wunsch bei vielen Kasselern geweckt, das 14 Meter lange Relief wieder sichtbar zu machen.

Die Unterführung des Hauptbahnhofs war unter anderem ein Schauplatz der documenta 14. 

Die GWH Wohnungsgesellschaft verfolge dieses Ziel bereits seit sechs Jahren, sagt GWH-Geschäftsführer Stefan Bürger. Die GWH wird das Kunstwerk jetzt sanieren und im Sommer an einem neuen Standort, der für alle Bürger zugänglich ist, wieder aufbauen. Man gehe davon aus, dass die Sanierung zwischen 50 000 und 70 000 Euro kostet, so Bürger. Die GWH betrachte das als „kulturhistorisches Geschenk“ an die Stadt Kassel. Die Kasseler Baufirma Emmeluth habe sich zudem bereit erklärt, dass Relief zum Selbstkostenbeitrag ab- und später wieder aufzubauen.

Am Mittwochmittag sind Nägel mit Köpfen gemacht worden. Es war großer Bahnhof unterm Bahnhof, als in der Unterführung die ersten der insgesamt 32 Betonplatten, aus denen das Kunstwerk zusammengesetzt worden ist, von der Wand genommen wurden.

In den kommenden Monaten sollen sie soweit wie möglich restauriert werden, sagt GWH-Geschäftsstellenleiter Christian Wedler, der als Schüler selbst jeden Tag an dem Kunstwerk vorbei gegangen ist. An welchem Standort die GWH das Wandbild wieder aufstellen wird, sei noch geheim. „Das soll eine Überraschung werden“, sagt Wedler. Er verrät nur: Der Ort ist auf dem Relief zu sehen. Das Kunstwerk zeigt unter anderem den Herkules, die Wilhelmshöher Allee, die in die Innenstadt führt, die Fulda und den Auepark.

Die Stadt und die Erben des Künstlers mussten übrigens ihre Zustimmung zu der Umsiedlung des Reliefs geben. Deshalb waren am Mittwoch auch Bettina von Andrian, eine der vier Töchter des Künstlers, sowie Stadtbaurat Christof Nolda und Kulturdezernentin Susanne Völker vor Ort. Dieses Mosaik stelle einen hohen Grad an Identifikation der Bevölkerung mit der Stadt Kassel dar, sagte Völker.

Wenn Sie Erinnerungen und Anekdoten mit der „Gläsernen Stadt“ verbinden, schreiben Sie uns. Die schönsten Geschichten werden veröffentlicht. kassel@hna.de, Fax: 05 61/203-2400 oder HNA-Lokalredaktion, Frankfurter Str. 168, 34 121 Kassel.

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