Streit um geplanten Abbau von 350 Arbeitsplätzen 

KVV Kassel: Zoff unterm Stadtkonzern-Dach

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Zu den KVV Kassel gehört die KVG mit ihren Straßenbahnen und Bussen, Stromtankstellen, wie hier am Friedrichsplatz, und Bäder wie das Auebad. 

Kassel. 350 Jobs sollen beim Kasseler Stadtkonzern abgebaut, künftig jedes Jahr 27 Millionen Euro Kosten reduziert werden. Das kritisiert der Konzernbetriebsrat der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV).

Das Vorhaben des Vorstandes zeige, „wie wichtig der Kampf um unsere Arbeitnehmerrechte ist“, steht im aktuellen Betriebsrats-Info. Fragen und Antworten zum Zoff unterm Konzern-Dach:

Was war denn bisher passiert?

KVV-Chef Dr. Michael Maxelon hatte am 7. August erklärt, der Konzern müsse in den nächsten Jahren 350 Arbeitsplätze abbauen und seine Kosten um etwa 27 Millionen Euro jährlich senken, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Das sorgte für harsche Kritik der Gewerkschaft Verdi und des Betriebsrats.

Was hat denn diese Verärgerung ausgelöst? Auf den Fluren in den Konzernunternehmen wird doch seit Monaten über den Personalabbau getuschelt.

Ja, eigentlich wissen alle, dass etwas passieren muss, um die Zukunft von Stadtwerken und KVG zu sichern. Aber Maxelon war vorgeprescht und hatte erstmals Zahlen genannt, die bis dahin weder dem Betriebsrat noch den Mitarbeitern offiziell mitgeteilt wurden.

Müssen die Mitarbeiter jetzt um ihre Jobs fürchten?

In den nächsten fünf Jahren kann keiner auf die Straße gesetzt werden. Es gibt Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, in denen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2022 ausgeschlossen sind.

Und was passiert nach diesem Termin?

Der Chef schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, will sie aber vermeiden. Der Personalabbau soll vor allem dadurch erfolgen, dass Mitarbeiter, die in Rente gehen oder aus privaten Gründen den Job wechseln, nicht mehr ersetzt werden. Zudem wird überlegt, Mitarbeitern Geld anzubieten, wenn sie freiwillig ausscheiden.

Warum müssen denn überhaupt so viele Jobs abgebaut werden?

Weil viele Aufgaben inzwischen von moderner Technik und Computern übernommen werden, aber trotzdem versucht wurde, rund 1900 Konzernmitarbeiter weiter zu halten. Da gibt es Beschäftigte, die Dateien ausdrucken und die Daten dann wieder per Hand in einen anderen Computer eintippen. So etwas ist zwar gut gemeint, führt aber das Unternehmen in den Ruin und gefährdet damit alle Arbeitsplätze.

Was schlägt denn der Betriebsrat vor?

Die hohe Verschuldung des Konzerns soll durch Steigerung des Umsatzes, Einsparungen im Einkauf, Vorruhestands- und Altersteilzeitprogramme sowie zusätzliches Geld aus der Stadtkasse reduziert werden, steht im Betriebsrats-Info.

Würde das ausreichen, um die Probleme lösen zu können?

Nein. Im hart umkämpften Markt für Strom und Gas sind Umsatzsteigerungen kaum mehr möglich. Der öffentliche Nahverkehr ist ein Zuschussgeschäft, Geld kann da nicht verdient werden. Und die hoch verschuldete Stadt Kassel kann nicht noch mehr Geld zuschießen.

Welche weiteren Kritikpunkte hat der Konzernbetriebsrat?

Hinter den Kulissen arbeite der Vorstand mit Unterstützung der Beraterfirma AT Kearney – einem der früheren Arbeitgeber von Maxelon – daran, den Konzern komplett umzubauen und erheblich zu verschlanken, schreibt Betriebsratschef Ralf Salzmann im Info. Er prangert auch an, dass eine teure, komplett modernisierte und klimatisierte Vorstandsetage gebaut wurde und teure interne sowie externe Beraterstäbe samt Kommunikationstrainer für den Vorstand beschäftigt würden.

Aber das alles hat der Betriebsrat doch wohl selbst mit abgenickt?

Offenbar nicht. Die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten hätten im Mai zugestimmt, dass bis September dieses Jahres ein Entwurf einer Vereinbarung erarbeitet werden solle, die die Neuausrichtung des KVV-Konzerns und die Reduzierung des Verschuldungsgrades als Zielstellung habe. Man habe weder Kündigungen noch Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen in irgendeiner Weise zugestimmt, stellt Salzmann klar. Und stellt die Frage, „ob mit dieser Vorgehensweise eine weitere Verhandlungsgrundlage geschaffen werden kann, oder ob der Arbeitgeber weiter auf Konfrontation setzt?“

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