Landesmuseum als Schatzkammer der Geschichte

Kunstvoll: Auch kostbare Glasobjekte zählen zur landgräflichen Sammlung.

Kassel. Das neue Landesmuseum, das am letzten November-Wochenende eröffnet wird, erzählt hessische Geschichte facettenreich und mit spektakulären Objekten. Ein erster Rundgang.

"Wir sind im Zeitplan.“ Diese Botschaft verkündete Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, am Mittwoch gleich zu Beginn eines Pressetermins im Landesmuseum: „Zu 99 Prozent sind wir fertig.“

Die MHK gab den Medien die Möglichkeit, vor der Eröffnung am letzten Novemberwochenende erste Eindrücke in den fast vollständig eingerichteten Räumen zu sammeln - wobei überall gewerkelt wird: Beschriftungen werden angebracht, Vitrinen eingeräumt, vieles ist noch mit Tüchern verdeckt, Böden sind durch Pappe und Decken abgedeckt. Trotzdem ließ sich die Struktur des Museums gut erkennen.

Mehrere Museen in einem

Auf drei Etagen sind drei Sammlungen der MHK angesiedelt: Ur- und Frühgeschichte, Angewandte Kunst und Volkskunde. Wobei die Gebiete nicht trennscharf vorgestellt werden wie vor der Schließung. Die Exponate ergänzen sich, egal welcher Sammlung sie zugeordnet sind. „Wir mischen die Stärken der Sammlungen“, sagt Dr. Martina Lüdicke, Leiterin der Volkskunde. Darin liegt sicher ein großer Gewinn.

Mehrere Erzählstränge

Das Landesmuseum erzählt die Geschichte Nordhessens, spiegelt aber auch Weltgeschichte wider, wie sie sich in der Region abgespielt hat. Drei Erzählstränge kristallisieren sich heraus: die Entwicklung des Menschen, seiner Siedlungen und Lebensweisen, beginnend mit den Sammlern und Jägern der Altsteinzeit. Die Geschichte der Landgrafschaft von der heiligen Elisabeth bis zur napoleonischen Besetzung und dem Königreich Westfalen sowie drittens das bürgerliche Zeitalter: Aufbruch in die Moderne, Industrialisierung, Wachsen der Städte, Nationalsozialismus, Weltkriege, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Wiedervereinigung.

Wechsel der Perspektiven

Damit geht auf den jeweiligen Etagen ein Wechsel des Blickwinkels einher - der Besucher setzt sozusagen stets eine andere Brille auf. Bei der Geschichte der Residenz geht es um Repräsentation und Macht, um Herrschaftsgeschichte. Beim 19. bis 21. Jahrhundert liegt der Fokus auf „normalen“ Hessen. „Es geht um den Menschen“, sagt Lüdicke. Das Motto lautet hier „Mitten im Leben“. Einzelne Biografien werden hervorgehoben, Themen wie Migration und die Emanzipation der Frauen herausgegriffen.

Vielfalt der Themen

Im Grunde wird man das Museum mehrmals besuchen müssen (oder besser: dürfen), um es in seiner Vielfalt zu erfassen - das Besondere, die Pracht der Objekte wird man mit einem Mal gar nicht in sich aufnehmen können. Das Spektrum riesig, der Zeitkolorit verblüffend: von verlorenem Handwerk über den Wandel in der Landwirtschaft und den Bildersturm in der Reformation bis zu Wirtshäusern und Volksfesten. Die Volkskunde ist nach Jahrzehnten das erste Mal zu sehen. „Jedes einzelne Stück hat eine besondere Aura“, sagt Lüdicke.

Das ganze Land im Blick

Im Zentrum stehen die opulenten landgräflichen Sammlungen. „Da können wir voll in die Tasten greifen“, sagt Dr. Antje Scherner (Leiterin Angewandte Kunst). Die Schatzkunst werde aber in den historischen Kontext eingeordnet. Und das Museum richtet sich wirklich auf ganz Nordhessen aus. Da gibt es beispielsweise die Tracht eines Schwälmer Kirmesburschen, eine alte Ratsherrenbank aus Frankenberg, die Replik des Steinkammergrabs aus Züschen, eine Weberei aus Mörshausen und einen tollen 50er-Jahre-Tante-Emma-Laden aus Kaufungen.

Blick ins Landesmuseum, das Ende November eröffnet wird

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.