Cybergrooming auch in Stadt und Landkreis Kassel Thema

Sexuelle Belästigung im Netz: Wer Kindern im Internet auflauert, soll härter bestraft werden

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Cybergrooming ist auch den Polizisten im Kreis Kassel bekannt. Präventionsarbeit sei hier sehr wichtig, um Kinder und Jugendliche in Netz zu schützen. 

Die Opfer würden immer jünger: Laut Polizei nehmen die Fälle von Cybergrooming in der Region zu. Die Täter sind demnach auf der Suche nach Fotos und Videos mit erotischen Inhalten.

Wenn Erwachsene Kindern und Jugendlichen im Netz auflauern, mit der Absicht, sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen, spricht man von Cybergrooming. Auch der Polizei in Stadt und Landkreis Kassel ist dieses Phänomen bekannt.

Insbesondere in den vergangenen Jahren bearbeiten die Ermittler zunehmend solche Fälle, berichtet Matthias Mänz, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Die Opfer würden dabei immer jünger. In der Regel hätten es die Täter darauf abgesehen, mit den Opfern Fotos und Videos im erotischen oder sexuellen Kontext auszutauschen. 

„Konsequente Verfolgung mit intensiven Ermittlungen“

Zum Treffen im realen Leben mit Missbrauchshandlungen komme es laut Mänz nur selten. Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann betont aber: „Die Möglichkeiten für die Täter sind schier unendlich.“ Das Thema sei auch deshalb so wichtig, weil sich Cybergrooming auf der Schwelle zwischen virtuellem und realem Missbrauch bewegt, sagt sie.

Bei dem Verdacht von Sexualdelikten gibt es laut Mänz eine „konsequente Verfolgung mit intensiven Ermittlungen“. Zudem finde ein bundesweiter Austausch der Strafverfolgungsbehörden statt.

Lesen Sie auch: Zum Kasseler Präventionstag zum Thema Kinderpornografie berichtet die Staatsanwältin Andrea Güde über die Arbeit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität.

Cybergrooming in Kassel: Keine konkreten Fallzahlen

Obwohl Cybergrooming zwar in verschiedene Deliktbereiche der Sexualstraftaten hineinfällt, werde es nicht als solche erfasst, so der Polizeisprecher. Daher gebe es auch keine konkreten Fallzahlen. Die Polizei geht aber von einer Dunkelziffer aus, insbesondere da die Täter versuchen, eine Vertrauensbasis aufzubauen und ihre Opfer zur Verschwiegenheit zu verpflichten. 

Dies geschehe häufig durch Bedrohung der Familie und Erpressung der Kinder, sagt auch Kühne-Hörmann. Aus Scham und Angst erzählten die Kinder dann oft nicht, was ihnen im Internet widerfahren ist. Die Folge sei, dass viele Versuche des Cybergroomings gar nicht erst erkannt werden. Sie vermutet daher sogar „ein großes Dunkelfeld von Opfern“.

Lesen Sie auch: 21 Tatverdächtige sollen kinderpornografische Inhalte in sozialen Netzwerken verbreitet haben. 

Ermittler sollen als Kinder im Netz auftreten

Um in diesem Dunkelfeld besser ermitteln zu können, sei die Einführung der sogenannten Versuchsstrafbarkeit von Cybergrooming „seit Jahren überfällig“, sagt Kühne-Hörmann. Aktuell macht sich jemand nur strafbar, wenn am anderen Ende tatsächlich ein Kind sitzt, das belästigt wird. Mit dem Gesetzesentwurf der Versuchsstrafbarkeit soll es aber künftig möglich sein, dass Ermittler im Netz als Kinder auftreten und bei entsprechenden Handlungen die Täter überführen. 

Es wird somit der reine Versuch strafbar, ohne dass ein Kind zu Schaden kommt. Außerdem müssten der Konsum und Besitz von kinderpornografischem Material härter bestraft werden. „Es kann nicht sein, dass das Beschaffen von mehreren tausend kinderpornografischen Dateien geringer bestraft wird als ein Ladendiebstahl“, sagt Kühne-Hörmann. Und mit einer Erhöhung des Strafmaßes seien neue Fahndungsmethoden rechtlich möglich, wie etwa Handyortung. Dadurch könnten Täter auf frischer Tat ertappt werden, so die Ministerin.

Entscheidend ist laut der Kasseler Polizei, dass Kinder und Jugendliche aufgeklärt und ihnen Medienkompetenz vermittelt wird. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder die Online-Medien altersgerecht nutzen. Die Eltern wiederum über Gefahren und Möglichkeiten des Internets aufzuklären, so Mänz, sei bereits Bestandteil der polizeilichen Präventionsarbeit.

Bei Interesse können sich Eltern und Kinder auf der Webseite polizeifürdich.de informieren.

Hier gibt es Hilfe

Bei Verdachtsfällen des sexuellen Missbrauchs berät das Hilfetelefon des Bundesfamilienministeriums Opfer und Betroffene unter der Nummer 08 00/ 22 55 53 0 – anonym und kostenfrei. Sprechzeiten sind mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr. Weitere Infos gibt es online unter bmfsfj.de. Zudem bietet das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ kostenlose und ein durch Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die therapeutische Hilfe suchen, wenn sie sich zu Kindern hingezogen fühlen. Infos gibt es im Internet unter kein-taeter-werden.de.

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